Zuckerfabrik Frauenfeld: Neuer Kalkofen senkt CO₂ und reagiert schneller auf Rüben

Der neue Kalkofen der Zuckerfabrik Frauenfeld kommt am 11. September 2026 erstmals zum Einsatz. Er wird mit Erdgas betrieben und weist damit gegenüber dem alten Ofen einige Vorteile auf.

Der Schreck im November 2025 war gross: Die Zuckerproduktion stand inmitten der Kampagne plötzlich still. Eine sofort eingeleitete Untersuchung ergab, dass der 62-jährige Kalkofen Risse aufwies und sich eine Reparatur wirtschaftlich nicht mehr lohnte.

Gefragt war ein sofortiger Notfallplan. Ein Teil der Rüben wurde ins Werk Aarberg BE geliefert, in Frauenfeld konnte man den Betrieb mit zugekauftem Branntkalk (siehe Kasten) und CO₂ in reduziertem Mass aufrechterhalten. Auf diese Weise kam die Kampagne 2025 dennoch erfolgreich zum Abschluss. 99,9 % der Zuckerrüben waren bis Februar fertig verarbeitet. 

In nur neun Monaten fertig: Der neue Kalkofen der Zuckerfabrik Frauenfeld.(Bild: Alexandra Stückelberger)

Den Zuschlag erhielt eine Ofenfirma aus Zürich

Doch im Hinblick auf künftige Kampagnen musste schnell eine neue Lösung her. Bereits im Dezember wurde der alte Ofen abgebaut und noch vor Weihnachten erhielt die Firma Maerz Ofenbau AG in Zürich den Zuschlag für den Bau eines Nachfolgemodells.

Die Planung startete sogleich, im Frühjahr begannen die Umsetzungsarbeiten. Knapp neun Monate später, am 18. August, erfolgte in Frauenfeld die Präsentation des neuen Kalkofens. «Es war ein Glücksfall, dass wir in der Nähe eine Firma fanden, die auf Industrieöfen spezialisiert ist», sagte Oliver Nussli, CEO der Schweizer Zucker AG.

Ohne Kalkofen kein Zucker

Bei der Herstellung von Zucker wird der Zuckerrüben-Rohsaft – eine 15‑prozentige Zuckerlösung – von unerwünschten Bestandteilen befreit. Dazu wird der Rohsaft mit Kalkmilch vermischt und einer Klärung unterzogen.

Wird der Flüssigkeit CO₂ beigegeben, fällt Kalk aus, der sich nun als Feststoff filtrieren lässt. Die Herstellung der Kalkmilch erfolgt vor Ort in einem Kalkofen. Dies mit einer entsprechenden Kapazität: Im Werk Frauenfeld TG werden pro Tag bis zu 200 t Kalksteine, die alle aus dem Inland stammen, gebrannt.

Derzeit sind die Abschlussarbeiten im Gang, wofür Teams der Firma Maerz und der Zuckerfabrik aktuell in zwei Tagesschichten im Einsatz sind. Die Frist ist am 11. September, wenn die Kampagne 2026 beginnt. «Dann wird der Ofen eingeheizt», sagt Oliver Nussli. 

Der neue Ofen lässt sich besser steuern

Der neue Ofen steht am selben Standort wie der alte und ist mit 37 Meter Höhe kleiner und kompakter. Seine Leistung allerdings ist mit bis zu 140 t Branntkalk pro Tag höher. Ein entscheidender Unterschied liegt zudem in der Energiequelle: Der alte Kalkofen wurde mit Kohle betrieben. Um ihn aufzuheizen oder herunterzufahren, dauerte es jeweils mehrere Tage.

Im Gegensatz dazu wird der neue Ofen mit Gas befeuert. So Punktet der Ofen bezüglich Nachhaltigkeit – es lassen sich 20 Prozent der CO₂-Emissionen reduzieren. Sascha Nicolai, Projektleiter bei der Schweizer Zucker AG, nennt einen weiteren Vorteil: «Ein Gasofen lässt sich viel schneller und genauer steuern.»

In der Zuckerfabrik Frauenfeld werden pro Tag bis zu 200 t Kalksteine gebrannt.(Bild: Alexandra Stückelberger)

Künftig gezielter auf Qualitätsschwankungen eingehen

Besonders entscheidend ist dies im Hinblick auf Qualitätsschwankungen der Rüben. Gründe dafür sind Schädlinge wie der Rübenrüssler oder Vergilbungsviren, klimatische Herausforderungen wie Trockenheit oder auch regionale Unterschiede, etwa bezüglich Böden. Entsprechend gestalten sich die chemischen Zusammensetzungen und die Verarbeitung zu Zucker unterschiedlich.

«Mit dem alten Ofen gab es für alle Rüben ein einheitliches Verfahren», so Sascha Nicolai. «Neu können wir die Prozedur differenzieren, wobei auch die höhere Leistung beiträgt.» 

Weniger Zuckerrüben erwartet

«Erste Proberodungen zeigen, dass eine unterdurchschnittliche Ernte zu erwarten ist» , sagte Silvan Ziegler, Vorstandsmitglied des Schweizerischen Verbands der Zuckerrübenpflanzer (SVZ) und Landwirt aus Rothenhausen TG. Gründe dafür seien vor allem die monatelange Trockenheit sowie der Befall durch den Rübenrüssler. Von dem Schädling seien vor allem die westlichen Regionen betroffen, die Ostschweiz dagegen weniger.

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