Was braucht es wirklich für einen gesunden Boden – und wie wirken die getroffenen Massnahmen langfristig? Im Reallabor Jurapark Aargau des ETH-Bereichs beschäftigen sich Forschende und PraktikerInnen mit solchen Fragestellungen.
Im Rebberg von Winzer Patrick Spinelli finden sich beispielsweise vielfältige Begrünungen, diverse Strukturen, Bäume und Schafe, die zwischen den Reben weiden. Den Forschenden unter der Leitung von Martin Hartmann (ETH Zürich) geht es darum, gemeinsam herauszufinden, welche Spuren Spinellis Bewirtschaftung und jene seines Vorgängers im Boden hinterlassen haben.
Moderne Analysemethoden machen sichtbar, wie sich Bodenleben und Bodenfunktionen entwickeln. Die Ergebnisse bestätigen, dass die naturnahe und rücksichtsvolle Bewirtschaftung vor Ort die Biodiversität unter der Erde sowie die Bodenstruktur fördern.
Lokales Erfahrungswissen und wissenschaftliche Analyse verbinden
Besonders wichtig ist Martin Hartmann die Verbindung von lokalem Erfahrungswissen und wissenschaftlicher Analyse. Erst wenn Beobachtungen aus der Praxis und messbare Daten zusammenkommen, entsteht ein umfassendes Bild. Denn auch wenn LandwirtInnen ihre Flächen am besten kennen, ist es schwierig, die Wirkung einzelner Massnahmen im komplexen System Boden genau zu beurteilen. «Genau in dieser Zusammenarbeit liegt der Schlüssel zu einer zukunftsfähigen Bewirtschaftung unserer Böden – einer unserer wichtigsten und zugleich verletzlichsten Ressourcen», sagt Martin Hartmann.

Kommentar von Patrick Spinelli, Winzer, Zwaschplî Weine, Baden: Ein Blick zurück unter die Reben
Als ich im Jahr 2025 mein Hobby zum Beruf machte, konnte ich weitere Rebflächen vom gleichen Besitzer übernehmen und viel Neues über die frühere Bewirtschaftung erfahren. Mich interessierte jedoch, welche Spuren diese Massnahmen tatsächlich im Boden hinterlassen haben. Seit der Übernahme bewirtschafte ich die Flächen biodynamisch und arbeite nach den Richtlinien von Demeter. Nebst der Beweidung mit Schafen möchte ich den Ansatz von Vitiforst noch stärker verfolgen, weitere Bäume pflanzen und Strukturen anlegen. Das Pflanzen resistenter Rebsorten ermöglicht es mir, noch ökologischer zu arbeiten.
Den Austausch mit den Forschenden und die Bodendaten finde ich sehr spannend, denn sie ermöglichen mir einen Blick zurück. Sie helfen mir, zu erkennen, welche Ansätze sich bewährt haben und welche ich konsequent weiterverfolgen und ausbauen möchte – eine hervorragende Basis, um mich verwirklichen zu können. Das gibt mir Sicherheit, den eingeschlagenen Weg weiterzugehen und langfristig in die Bodenfruchtbarkeit und die Widerstandsfähigkeit des Rebbergs zu investieren.

