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Beim Wintergetreide stehen acht neue Sorten auf der Liste

Für die Ernte 2027 werden bei Winterweizen, Wintergerste und Triticale neue Sorten empfohlen. Mit «Mischabel» steht zum ersten Mal eine Sortenmischung für den Winterweizenanbau auf der Liste.

Kurz & bündig

  • Auf der Liste der empfohlenen Getreidesorten für die Ernte 2027 werden neue Getreidesorten aufgeführt, darunter erstmals eine Weizensortenmischung.
  • Ziel ist es, klimaangepasste Sorten zu fördern, die Landwirten auch unter erschwerten Bedingungen mehr Ertragssicherheit bieten sollen.

Nach der Ernte ist vor der Ernte. Während die Getreideernte in vollem Gang ist, stehen bereits Überlegungen zur Sortenwahl für die Ernte im nächsten Jahr an. Für das Erntejahr 2027 stehen beim Wintergetreide insgesamt acht neue Sorten auf der Liste:

  • Winterweizen: Acabo (Klasse TOP), Mischabel (Klasse TOP, Sortenmischung), Spinas (Klasse I), Vadret (Klasse I), Balbalera (Klasse II), KWS Astrum (Futterweizensorte)
  • Wintergerste: Thimea
  • Triticale: Gesero

Neue empfohlene Winterweizensorten für die Ernte 2027

KlasseTOPTOPIIIIFutter
SorteAcaboMischabelⱠ,MSpinasVadret3,ⱠBalbalera3KWS Astrum
HerkunftCHCHCHCHCHCH
Ertrag (Extenso)+++++++++++
Ertrag (ÖLN)++++++++++++++
Frühreife/Ährenschiebenssfsfsmsf
Pflanzenlängemmlslmkmsk
Bodenbedeckung++++--+
Standfestigkeit+++++--++++++++++++
ToleranzMehltau+++++++++++
ToleranzGelbrost++++++++
ToleranzBraunrost++++++-
ToleranzSeptoria nodorum Blatt+++++++
ToleranzSeptoria nodorum Ähre+++++--
ToleranzSeptoria tritici Blatt+++++++++
ToleranzFusarien Ähre++---
ToleranzAuswuchs++++-
Hektolitergewicht++++++++++-
Tausendkorngewichtmittelkleinmittelkleinmittelsehr klein
Proteingehalt++++++++-
Backqualität++++++++++++Futterqualität

Legende
++++ = ausgezeichnet, +++ = sehr gut, ++ = gut, + = mittel bis gut, ∅ = mittel, – = schwach bis mittel, – – = schwach

Pflanzenlänge
sk = sehr kurz, k = kurz, mk = mittel bis kurz, m = mittel, ml = mittel bis lang, l = lang, sl = sehr lang

Frühreife
sf = sehr früh, f = früh, mf = mittelfrüh, ms = mittelspät, s = spät






3 Es steht kein Saatgut für die Aussaat 2026 zur Verfügung.
Sorte mit begrannten Ähren.
M Sortenmischung: Axen (Klasse TOP) + 211.14074 (Klasse I).

Quelle: Liste der empfohlenen Getreidesorten für die Ernte 2027 von Agroscope

Auffällig ist, dass die empfohlenen TOP-Weizensorten beim Ertrag im Vergleich zu Sorten der Klassen 1 und 2 eher zurückhaltend bewertet werden. Für Thomas Weisflog von Swiss Granum ist dies jedoch kein Hinweis auf einen Rückschritt in der Züchtung. Vielmehr handle es sich um einen bekannten Zusammenhang zwischen Ertragsleistung und Backqualität. «Zwischen dem Ertrag und der Backqualität besteht tendenziell eine negative Korrelation», erklärt Weisflog.

Konkret bedeutet das: Je höher der Kornertrag pro Hektare ausfällt, desto tiefer liegt häufig der Proteingehalt im Korn. Dieser ist jedoch ein wichtiger Faktor für die Backeigenschaften. Aus diesem Grund weisen die TOP-Sorten teilweise schwächere Erträge auf als Sorten der Klassen 1 und 2.

Stillstand gibt es auf dem Feld kaum: während die Gerstenernte zu Ende geht, läuft die Weizenernte bereits an.(Bild: «die grüne» / Pia Neuenschwander)

«Die Weizenzüchtung berücksichtigt seit Jahren Ertrag, Krankheitsresistenz und Qualität», ergänzt Weisflog. Die Qualitätsbeurteilung beinhaltet neben dem Proteingehalt auch umfassende Qualitätsanalysen sowie Backversuche. Der Fokus auf Qualitätsmerkmale ist also nicht neu, erhält aber durch die zusätzliche Entschädigung für Protein im Marktumfeld zusätzliche Aufmerksamkeit (siehe Kasten).

Bei der Züchtung konnten in den vergangenen Jahren gezielt Fortschritte bei der Krankheitsresistenz erreicht werden. So wurden in den letzten Jahren zum Beispiel mit Montalbano und Cadlimo und seit dem Jahr 2026 mit Acabo und Mischabel mehrere Sorten mit guten Resistenzprofilen neu in die Empfehlungen aufgenommen. Gleichzeitig bleiben Resistenzen ein aktuelles Thema. «Krankheitsstämme entwickeln sich im Laufe der Zeit weiter und können die Resistenz bestimmter älterer Sorten durchbrechen», erklärt Weisflog. In der Praxis müssen Sortenempfehlungen deshalb regelmässig überprüft und angepasst werden.

Stabilere Erträge mit Sortenmischungen

Mit der neu aufgenommenen Sorte Mischabel wird erstmals eine Weizensortenmischung empfohlen. Der Grundgedanke ist, mehrere Sorten gezielt so zu kombinieren, dass sich ihre Eigenschaften ergänzen.

Laut Thomas Weisflog bieten Weizensortenmischungen mehrere Vorteile. Sie können leicht höhere und stabilere Erträge liefern, was sich vor allem in schwierigen Jahren auszahlt. Durch komplementäre Mischungspartner lassen sich zudem Ressourcen wie Licht, Wasser und Nährstoffe effizienter nutzen. Ausserdem zeigen Untersuchungen, dass Sortenmischungen zu einer höheren Stabilität bei Qualitätseigenschaften beitragen können.

Ein weiterer Vorteil liegt in der Krankheitsregulation. Werden Sorten mit unterschiedlichen Resistenzgenen kombiniert, kann dies die Ausbreitung von Krankheitserregern verlangsamen. Zusätzlich gibt es Hinweise auf Vorteile bei der Unkrautunterdrückung und Standfestigkeit.

Dennoch gilt es zu differenzieren. «Sortenmischungen erzielen nicht automatisch bessere Ergebnisse als reine Sorten», sagt Weisflog. Positive Effekte entstünden nur bei einer sorgfältigen Kombination geeigneter Partner. Unterschiede beim Bestockungspotenzial oder bei Krankheitsresistenzen können vorteilhaft sein, während Pflanzenlänge und Abreife möglichst ähnlich sein sollten, um die Ernte zu erleichtern.

Warum Sortenmischungen bislang nicht auf der Empfehlungsliste standen, hat praktische Gründe. Die Produktion von Saatgut aus Sortenmischungen verursacht einerseits einen zusätzlichen Arbeits- und Kostenaufwand für die Vermehrungsorganisationen. Andererseits gab es bislang keine Anmeldungen entsprechender Mischungen in den Sortenversuchen von Agroscope und Swiss Granum. Erst mit Mischabel änderte sich dies.

Anpassung der Proteinzahlung ab Ernte 2026

Ab der Ernte 2026 wird die bestehende Proteinbezahlung von Swiss Granum angepasst. Neu gilt ein Mindestproteingehalt für die Brotweizenklassen TOP, I und II. Die Vermarktung von Brotweizen mit tieferen Gehalten erfolgt in Absprache mit den Abnehmern.

Für Brotweizen der Klasse TOP gilt zwischen Sammelstelle und Mühle ab 2026 ein modifiziertes Bonus-Malus-System ausserhalb der Bandbreite des Proteingehaltes von 13,0 % bis 13,5 %.

Die Höchstgehalte für Mykotoxine, Mutterkorn und Ergotalkaloide, welche im Juli 2025 geändert wurden, sind ab der Ernte 2026 ebenfalls Bestandteil der Übernahmebedingungen.

www.swissgranum.ch

Frühreife Sorten bei erhöhter Sommertrockenheit

Mit Blick auf zunehmende Trockenperioden gewinnt auch die Standortanpassung bei der Sortenwahl an Bedeutung. Besonders bei Standorten mit erhöhter Sommertrockenheit können frühreife Weizensorten Vorteile bringen.

«Frühreife Weizensorten reifen meist einige Tage früher ab und nutzen die Winter- und Frühjahrsfeuchte besser aus, wodurch sie die kritische Phase der Hauptkornausbildung oft vor dem Einsetzen grosser Hitze und Trockenheit abschliessen können», erklärt Thomas Weisflog. Gerade unter zunehmend instabilen Witterungsbedingungen kann dies ein wichtiger Faktor für stabile Erträge sein.

Diese frühreifen und sehr frühreifen Winterweizensorten stehen aktuell auf der Liste der empfohlenen Getreidesorten:

  • Sehr frühreif: Diavel (Klasse TOP), Mischabel (Klasse TOP, neu auf der Liste), Spinas (Klasse I)
  • Frühreif: Axen (Klasse TOP), Caminada (Klasse TOP), Campesino (Futterweizen), KWS Astrum (Futterweizen, neu auf der Liste)

Zweizeilige oder sechszeilige Gerstensorten?

Bei Wintergerste ist die Sortenwahl ebenfalls standort- und betriebsabhängig. «Zweizeilige Sorten erreichen in der Regel ein leicht höheres Hektolitergewicht, während einige sechszeilige Sorten mit einem höheren Ertragspotenzial punkten können», sagt Thomas Weisflog. Welche Variante sinnvoller ist, hängt von den betrieblichen Zielen, den Standortbedingungen und den Anforderungen des Absatzmarktes ab.

In der Praxis dominieren die sechszeiligen Sorten. Laut einem Artikel der Bauernzeitung zeigt die Praxis, dass zweizeilige Sorten an gewissen Standorten durchaus Erträge erzielen können, die mit sechszeiligen Sorten mithalten. Generell fallen die Ertragsschwankungen bei Gerste stärker aus als beispielsweise bei Weizen. Entscheidend sind dabei Sorte, Typ, Standort und Jahresbedingungen. Aus Anbausicht kann es deshalb sinnvoll sein, auf dem Betrieb zwei unterschiedliche Wintergerstensorten anzubauen. So lässt sich das Risiko besser verteilen.

Hybridsorten (SY Loona, SY Zoomba und SY Galileoo) zeigen ihre Stärke vor allem in trockenen Jahren und können dann wirtschaftlicher sein, wie es in einem Merkblatt vom Strickhof steht.

Mit «Mischabel» ist erstmals eine Weizensortenmischung auf der Sortenliste.(Bild: «die grüne» / Gil Rudaz)

Nachhaltigkeitskriterien sollen stärker einfliessen

Langfristig dürfte sich die Züchtung noch stärker in Richtung Nachhaltigkeit entwickeln. Die Schweizer Klimastrategie und die Agrarpolitik 2030 setzen klare Schwerpunkte. Neben Krankheitsresistenz sollen Sorten auch unter abiotischem Stress wie Trockenheit oder Hitze stabile Erträge und hohe Qualität liefern. Gleichzeitig gewinnen Ressourceneffizienz und Nachhaltigkeit an Bedeutung.

Künftig werden deshalb auch Nachhaltigkeitskriterien stärker in die Sortenprüfung einfliessen. Ziel ist es, klimaangepasste Sorten zu fördern, die Landwirten unter erschwerten Bedingungen mehr Sicherheit bieten. Die Sortenwahl bleibt dabei zentral, um Ertrag, Qualität und Wirtschaftlichkeit langfristig abzusichern.

Jeder Betrieb sollte verschiedene Faktoren gegeneinander abwägen. Neben Bodenverhältnissen, Klima und Produktionssystem spielen insbesondere auch Marktanforderungen eine entscheidende Rolle. «Die Marktbedürfnisse sind zwingend zu berücksichtigen», betont Thomas Weisflog.

Liste der empfohlenen Getreidesorten für die Ernte 2027:

www.diegruene.ch/getreidesorten-2027

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