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Kartoffeln unter Hitzestress: FiBL zeigt Folgen für Ertrag, Qualität und Sortenwahl

Das FiBL stellte seinen Sortenversuch auf dem Tännlihof der Familie Höneisen in Andelfingen vor. Neben gutem Ertrag ist auch die Resistenz gegenüber der Kraut- und Knollenfäule ein Kriterium.

«So heiss wie dieses Jahr war es schon lange nicht mehr», sagte Heinz Höneisen am Bio-Kartoffelhöck, der am 24. Juli 2026 auf seinem Gemüsebetrieb Thurlandbio in Andelfingen ZH stattfand.

Dabei hatte im Frühling alles so gut begonnen: «Die Pflanzbedingungen waren perfekt», stellte Tobias Gelencsér vom Forschungsinstitut (FiBL) fest, der auf dem Betrieb der Familie Höneisen einen Sortenversuch durchführt. 

Bei über 32 Grad stehen die Kartoffeln unter Stress

Die ersten Lagerkartoffeln konnten bereits Anfang April gesetzt werden. Es lagen keine Bodenverdichtungen vor, die Pflanzen bildeten ein gutes Wurzelwerk und liefen schnell auf. Auch gab es kaum Probleme, weder mit Fäulnis noch mit Rhizoctonia.

Doch als die Temperaturen im Juli anstiegen und es während mehrerer Tage Hitzetemperaturen herrschten, kippte die Situation: Bei über 32 Grad stehen Kartoffelpflanzen unter Stress. Sie stellen die Fotosynthese ein, entsprechend nimmt die Ertragsbildung ab. «Dies fällt bei den meisten Sorten ausgerechnet auf die Hauptwachstumsphase», so Tobias Gelencsér. 

Durch die anhaltende Trockenheit kam es zu einem vermehrten Auftreten von Kindelbildung. (Bild: Alexandra Stückelberger)

Bewässerung steht nicht immer zur Verfügung

Dazu kommt, dass der Hitzestress die Lagerfähigkeit reduziert, indem die Kartoffeln schneller altern. Zudem machen sich Qualitätseinbussen bemerkbar. So tritt etwa Zwiewuchs auf, bei welchem sich eingeschnürte, hantelförmige Knollen bilden. Oder es entstehen am Knollenende kleine Knöllchen, genannt Kindeln.

Beide Phänomene – Zwiewuchs wie auch Kindelbildung – wurden bei einigen Sorten auf den Flächen von Thurlandbio in unterschiedlicher Ausprägung festgestellt. «Für die diesjährige Ernte lässt sich nichts mehr tun», sagte der Agronom Tobias Gelencsér. «Aber wir können für spätere Jahre daraus lernen.» Er stellt mögliche Massnahmen vor:

Bestände: Schöne Bestände mit viel Laubentwicklung beschatten den Damm und halten ihn kühl. Auch wichtig ist ein früher Bestandesschluss, was mit frühen Sorten eher erreicht werden kann.

Bewässerung: Eine technische Lösung, die nicht überall zur Verfügung steht. 

Transfermulch: Dabei werden die Kartoffelpflanzen mit Mulch von anderen Flächen bedeckt. Das Verfahren ist zwar wirksam, jedoch logistisch aufwendig und teuer (4000–5000 Fr./ha).

Oscar ist robust und gibt gute Erträge 

Eine weitere Rolle spielt die Sortenwahl. Dazu stellte Tobias Gelencsér die aktuellen Resultate des zweijährigen Hauptversuchs von 2025 bis 2026 vor, bei dem es um die Suche nach möglichst robusten, festkochenden Sorten geht.

Peter Pan: Die niederländische Sorte zeigt sich sehr resistent gegenüber der Kraut- und Knollenfäule. Ebenfalls gut ist die Resistenz gegenüber Alternaria. Produkte aus der Sorte haben sich als hocherhitzbar erwiesen. Ein Nachteil sind ihre Tendenz zur Kindelbildung und der aktuell etwas tiefere Ertrag.

Azilis: Die französische Sorte ist ebenfalls resistent gegen Kraut- und Knollenfäule. Zudem zeichnet sie sich durch einen schnellen Ertrag und eine mittlere Lagerfähigkeit aus. Schwachpunkte sind ein langsamer Auflauf, die Neigung zu Zwiewuchs und Kindelbildung sowie die Anfälligkeit für Schorf.

Brianna: Die niederländische Sorte liegt zwischen fest- und mehligkochend. Sie punktet mit einem hohen Ertrag. Auch zeigt sie einen guten Aufwuchs. Allerdings ist ihre Stresstoleranz gegenüber Kraut- und Knollenfäule bloss überdurchschnittlich. Sie weist lediglich eine Feldresistenz auf, was bedeutet, dass sich die Fäule zwar ausbreitet, jedoch nur langsam.

Taormina: Die deutsche Sorte erweist sich als ertragreich. Zudem verfügt sie über ein robustes Kraut und starke Wurzeln. Sie läuft schön auf und kommt mit Trockenheit gut zurecht. Jedoch ist sie anfällig auf Silberschorf und die Colletotrichum-Welkekrankheit.

Otolia: Die deutsche Sorte ist die Referenzsorte des Versuchs. So ist sie unter anderem robust gegen Kraut- und Knollenfäule, zeigt einen guten Aufwuchs und eignet sich für hocherhitzbare Produkte. Im Ertrag ist sie jedoch lediglich passabel.

Athena: Die französische Sorte gilt für die Zukunft als sehr interessant. Sie ist festkochend und robust gegen Kraut- und Knollenfäule. Allerdings neigt sie etwas zu Zwiewuchs und Kindelbildung.

Ella: Die niederländische Sorte ist festkochend und bildet schöne Knollen. Allerdings verfügt sie lediglich über eine Feldresistenz gegen Kraut- und Knollenfäule und ist anfällig auf Schorf. Die Sorte zeigt die stärkste Ausprägung von Zwiewuchs und Kindelbildung auf dem Versuchsfeld.

Oscar: Die niederländische, ebenfalls festkochende Sorte ist sowohl gegen Kraut- und Knollenfäule als auch gegen Alternaria sehr resistent. Sie gibt gute Erträge und gilt als vielversprechend. Ob die Konsument(innen) die eher runde Form der Knollen akzeptieren, wird sich erst zeigen. 

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