Auch wenn immer die Rede von «Agrar-» oder «Pflanzenschutz»-Initiativen sei, wären auch die nachgelagerten Betriebe von einer Annahme stark betroffen, teilt der St. Galler Bauernverband mit. Es seien Arbeits- und Ausbildungsplätze wie auch die regionale Wertschöpfung in Gefahr. Daher lässt der Verband vier nachgelagerte Firmen zu Wort kommen, die ihre Zukunftsszenarien erläutern.

Der Frifag ginge das Geflügel aus

Bei der Frifag Märwil AG geht man davon aus, dass die meisten der zuliefernden Betriebe, die alle ihr Geflügel nach den Richtlinien von BTS und RAUS halten, «das Handtuch werfen» würden. In diesem Fall fehlte der Firma mit ihren 300 Mitarbeitenden das Poulet- und Trutenfleisch aus der Region. Das heutige Geschäftsmodell, bei dem von der Fütterung bis zum fertigen Produkt alles über Frifag abgewickelt werde, könnte nicht mehr bestehen und müsste sich massiv anpassen, so die Mitteilung. Arbeitsplätze und Wertschöpfung würden ins Ausland verlagert. 

Zu wenig Ribelmais-Chips für die gute Nachfrage

Der Abbau von 20 Prozent der Stellen bei einer Annahme der Pestizidverbots-Inititive (PVI) und wegen Mindererträgen zu wenig Rohstoffe für die Herstellung der beliebten Ribelmais-Chips, wenn die Trinkwasser-Initiative angenommen würde – so sehen die Prognosen der  Lütolf AG in St. Margrethen aus. In beiden Fällen werde es schwierig, die Chips-Produktion aufrecht zu erhalten und auch hier ginge Wertschöpfung verloren, so das Fazit.

Bedrohung durch den Einkaufstourismus würde zunehmen

Sinkende Erträge bereiten auch der Tobi Seeobst AG Sorgen. Laut Mitteilung müssten die Arbeitsplätze im selben Mass reduziert werden, wie die Obst-Produktion sinken würde. Wenn durch die PVI die Preise für Lebensmittel in der Schweiz steigen, rechne man mit vermehrten Einkäufen ennet der nahen Grenze und damit einem Rückgang der Nachfrage bei Schweizer Obst. Auch das wäre ein Grund für einen Stellenabbau bei Tobi Seeobst. 

Unplanbarkeit und Probleme mit der Qualität

Bei einer Annahme der Pflanzenschutz-Initiativen könnte die Verdunova AG nach eigenen Angaben nicht mehr wie heute jeden Tag 50 Tonnen Gemüse und Früchte einfrieren oder pasteurisieren. Geringere Erträge brächten eine unsicherere Versorgung des Betriebs und damit unplanbare Prozesse mit sich. Ausserdem würde die Arbeit der Verdunova AG durch eine schlechte Qualität der Rohware behindert, wird der Geschäftsführer zitiert. Die ineffiziente Verarbeitung würde die Preise «massiv» in die Höhe treiben – die Konsumenten wären nicht mehr bereit, diese zu bezahlen, so die Befürchtung. Eine Änderung des Geschäftsmodells auf Importware und Personalabbau wären die Folgen. 

Kein Verständnis 

Der St. Galler Bauernverband beschreibt die PVI und TWI als «Damoklesschwert über der Landwirtschaft und den Verarbeitungsbetrieben». Da die Schweizer Produktion weltweit gesehen genau wie der Tierschutz und die Verarbeitung hierzulande «auf hohem Niveau» seien, habe man kein Verständnis für die Initiativen.