Pflanzen brauchen Stickstoff, um zu wachsen. Wird ein Acker jedoch mit zu viel Stickstoff gedüngt, gelangt davon auch ein Teil in die Umwelt. Darunter leidet die Artenvielfalt, das Klima und es schadet der Gesundheit. Mehr zur schwierigen Beziehung zwischen landwirtschaftlicher Produktion und Stickstoff als dem wichtigsten Pflanzennährstoff an Land, lesen Sie hier. 

Nun verglich ein internationales Forscherteam erstmals die Stickstoffverschmutzung und die Ernteerträge von fast allen Ländern weltweit, wie die ETH Zürich mitteilt. Demnach könnten viele Länder ihren Stickstoffeinsatz zurückfahren, ohne dass ihnen die Erträge wegbrechen. Hingegen fällt die Verschmutzung bei höherem Dünger-Einsatz um ein Vielfaches stärker ins Gewicht als die zusätzliche Ausbeute aus Ernten.

Ungleichgewicht auf der Welt

Ausserdem gebe es weltweit ein grosses Ungleichgewicht der Stickstoffressourcen, schreiben die Autoren. Während in vielen Regionen der Welt zu viel Dünger eingesetzt werde, verwendeten Bauern andernorts zu wenig, etwa in Afrika südlich der Sahara. Mit nur wenig mehr Stickstoff könnten sie ihre Erträge jedoch steigern.

Um das Ungleichgewicht zu beheben, sollte der Dünger in Ländern, in denen viel Stickstoff eingesetzt wird, teurer werden, in anderen durch Subventionen hingegen billiger, wie die Forschenden vorschlagen.

Die Schweiz ist keine Musterschülerin

Wie in anderen europäischen Ländern werde auch in der Schweiz nach wie vor zu viel Sticktstoffdünger ausgebracht, so dass die gedüngten Kulturpflanzen nicht die ganze Menge des Nährstoffs aufnehmen können. So belief sich der Stickstoffüberschuss auf Landwirtschaftsflächen in der Schweiz laut dem Bundesamt für Statistik in den letzten zehn Jahren durchschnittlich auf 100'000 Tonnen jährlich. Es ist keine abnehmende Tendenz zu erkennen.

Stickstoff aus dem Ausland

Die ETH-Forscher bezeichnen die Schweizer Landwirtschaft als «sehr intensiv». Wenn Tiere hierzulande mit importiertem Futter versorgt werden, kommt über deren Gülle und Mist auch Stickstoff von weit ausserhalb des Systems auf die Felder. Daher hilft ein reduzierter Fleischkonsum gegen zu viel Stickstoff in unseren Ökosystemen: Weniger Nachfrage führt zu  weniger Tiere, die weniger Dünger produzieren, der folglich nicht mehr ausgebracht werden muss. 

Neue Technologien könnten helfen

Ebenfalls könnte der Staat diejenigen Landwirtschaftsbetriebe fördern, die weniger Stickstoff verwenden und ihnen dafür Kompensationen für Ertragseinbussen bezahlen.

Eine weitere Hoffnung stecken sie in neue Technologien: «Das Stichwort ist Präzisionslandwirtschaft, in der zum Beispiel Dünger gezielt nur wo effektiv nötig ausgebracht wird», schloss der Mitautor und Agrarökonom Robert Finger. Das könne die Effizienz des Einsatzes erhöhen und die Umweltprobleme verringern, ohne dass die Produktion schrumpfe. Ein Beispiel für einen solchen Ansatz ist das Drohnen-Projekt an der Swiss Future Farm. 

Die Forschenden nehmen aber auch die Konsumenten in die Verantwortung: Weniger Lebensmittelabfälle und Fleisch würden dazu beitragen, dass der Stickstoffeintrag in die Umwelt gesenkt werde.