Die Appelle, Zwischenfutter statt Gründüngungen zur Linderung der Futterknappheit nach dem Extremsommer zu säen, wurden offenbar gehört. «Wir haben heuer definitiv mehr Zwischenfutter- statt klassischer Gründüngungsmischungen verkauft», gibt Simon Rothenbühler Auskunft, Produktmanager Futterbau und Gründüngungen bei UFA-Samen.
Gründüngungen seien kaum nachbestellt worden, fährt er fort – ausser UFA Trias und UFA Winter Fit, die sich gut verfüttern lassen. «Da haben die eingesäten Flächen dieses Jahr ebenfalls zugelegt», schätzt Rothenbühler. Einjährige Gemenge, einjährige Mischungen und zweijährige Mischungen seien allesamt stark nachgefragt worden.
«Alles, was spät genutzt wird, fehlt beim ersten Schnitt»
Der Regen vom Wochenende Mitte Oktober hat zwar Feuchtigkeit gebracht, aufgrund der nun kürzeren Tage und der tieferen Temperaturen sind beim Pflanzenwachstum keine grossen Sprünge mehr zu erwarten.
Wie viele Nutzungen der Bestand vor dem Winter verträgt, hängt von der Mischung ab. «Einjähriges Zwischenfutter wird im Frühjahr nicht mehr genutzt. Es spielt daher keine Rolle, wenn der Bestand mit einer späten Nutzung geschädigt wird», stellt Simon Rothenbühler klar.
Zwar gilt es weiterhin, auf Bodenschutz und möglichst geringe Futterverschmutzung zu achten. Einjähriges Zwischenfutter braucht aber keine Reserve für den Winter – im Gegensatz zu zwei-, drei-, oder mehrjährigen Mischungen. Dazu sagt Rothenbühler: «Alles, was im Talgebiet spät im November und Dezember noch genutzt wird, fehlt erfahrungsgemäss im Frühling beim ersten Schnitt.»
Abfriereigenschaften sind nicht entscheidend
Anders als bei Gründüngungen spricht Simon Rothenbühler bei Zwischenfutter weniger von abfrierend, sondern eher von «nicht überwinternd». Ein komplettes Abfrieren von Westerwoldischem Raigras gebe es kaum noch, führt der UFA-Mitarbeiter aus. Hingegen würden Alexandriner- und Perserklee in der Regel noch gut abfrieren.
«Beim Anbau von einjährigen Zwischenfutterbaumischungen muss daher vor der nächsten Kultur der Einsatz des Pflugs oder eines Totalherbizids möglich sein», so Rothenbühler. Er fasst zusammen: Nicht Abfriereigenschaften entscheiden über den Zeitpunkt der Nutzung im Herbst und die Anzahl möglicher Schnitte, sondern Futtermenge, Alter des Futters, Befahrbarkeit des Bodens, Wetter und Zustand des Futters.
Nochmal düngen? Heuer eher nicht
Um möglichst viel Futter produzieren zu können, scheint eine Güllegabe attraktiv, um dem Bestand noch etwas Pfupf zu geben. «In einem normalen Jahr macht das definitiv Sinn», bestätigt Simon Rothenbühler. Dies insbesondere im frühen Herbst und wenn die Fläche nochmals genutzt oder erst kurz vor der nächsten Kultur umgebrochen wird.
Dieses Jahr ist aber anders – eine Düngung sei nicht nötig: «Weil es bereits mehr als genug Nährstoffe gibt. Limitierend war das Wasser.» Wenn sich die Bestände in den letzten Wochen nur zögerlich entwickelt haben, dürfte das am Regenmangel und weder an zu tiefen Temperaturen noch an zu wenig Dünger liegen. Es besteht laut Rothenbühler sogar eine gewisse Gefahr für eine Überversorgung mit Stickstoff im Boden, zumal nach der Trockenheit grosse Mengen davon freigesetzt worden sind.
Messerwalze als erste Wahl für üppige Gründüngungen
Ein abgeerntetes Zwischenfutter hinterlässt wenig Pflanzenmaterial auf der Oberfläche und ist kein Hindernis für eine allfällige Herbstsaat. Häufig sei hier der Pflug die erste Wahl, bemerkt Simon Rothenbühler.
Massige Gründüngungen hingegen brauchen eine Zerkleinerung und sollten im Sinne einer Flächenrotte flach eingearbeitet werden, so die Empfehlung. Bei viel Pflanzenmasse hat sich ein Durchgang mit Messerwalze und Scheibenegge bewährt, um die Rotte zu starten, berichtet der UFA‑Mitarbeiter.
Er bevorzuge grundsätzlich die Messerwalze, die aber auf den Betrieben oft nicht verfügbar sei. «So wird immer noch viel gemulcht», beobachtet Rothenbühler. Mulcher und Grubber können die Messerwalze ersetzen. Mulchen hat den Vorteil eines schnellen Abstoppens und intensiver Zerkleinerung der Gründüngung. Das sorgt für eine schnelle Mineralisierung, aber bei viel Pflanzenmasse muss die Mulchschicht eben eingearbeitet oder aufgerissen werden.
Sonst droht sie, einen Deckel zu bilden – insbesondere auf oder auch in schweren und kalten Böden. In älteren Gründüngungen könne das Mulchgerät die Samenbildung am besten unterbrechen, fährt der Fachmann fort. «Der Vorteil der Messerwalze ist die hohe Flächenleistung und der tiefere Energiebedarf.» Vielfach reiche der Zerkleinerungsgrad dieser Maschine aus. Danach ist eine leichte Bodenbearbeitung möglich.
10–14 Tage warten vor der Saat
Es gilt als ratsam, nach der Bodenbearbeitung genug Zeit für die Flächenrotte vor der Saat einzuplanen. «Im Herbst rechnen wir unter normalen Bedingungen mit 10–14 Tagen. Im Frühling bei kälteren Böden dauert es etwas länger», meint Simon Rothenbühler.
«Dieses Jahr fehlte teilweise das Wasser für die Rotte, sodass es schwierig wurde», ergänzt er. Wenn die Flächenrotte abgeschlossen ist – erkennbar an einem süsslichen Geruch nach Walderde –, ist der Weg frei für die Saat der nächsten Kultur.

