«Was wir hier mit dem Tag der Bäuerin seit über 30 Jahren machen, hat nun auch die Uno gemerkt.» Andrea Bärtschi vom Organisationskomitee erntete mit dieser Begrüssung die ersten Lacher. Bereits zum 33. Mal fand der Tag der Bäuerin an der Olma in St. Gallen statt.
«Sie sind der Motor und daher unverzichtbar»
Passend zum Uno-Jahr der Frauen in der Landwirtschaft rückte der beliebte Anlass unter dem Motto «Vielfältig, tragend, unverzichtbar» die Leistungen von Bäuerinnen und Landwirtinnen ins Zentrum. «Wir geben heute Frauen für Frauen in der Landwirtschaft die Stimme», erklärte die Moderatorin Sabrina Lehmann.
Mehrfach wurde betont, dass Frauen in der Landwirtschaft viel mehr bedeuten als «nur» ein paar Hände, die mit anpacken. Sie sind vielseitig, unkompliziert, für alle da, machen einfach und meistern unzählige Aufgaben. Oder wie es Anne Challandes, Präsidentin des Schweizerischen Bäuerinnen- und Landfrauenverbandes (SBLV), ausdrückte: «Sie sind schlicht der Motor und daher unverzichtbar.»

Mehr Zusammenhalt statt Neid
Zur Gesprächsrunde waren drei eingeladen, die zeigen, wie vielfältig der Alltag in der Landwirtschaft ist: die Bäuerinnen Silvia Ulrich, Sarah Schwenk und Jeanette Stadelmann. Was sie verbindet, ist die Freude an ihrem Tun – auch wenn das nicht immer einfach ist und die Tage lang und anstrengend sind. Doch alle drei schöpfen viel Kraft daraus, abends zufrieden auf ihr Tagwerk zu blicken. Sie sind sich einig, dass das auch eine Form von Wertschätzung ist.
Dennoch dürfe auch mal Danke zu sagen nicht fehlen. «Das ist wichtig und die kleinste Form von Wertschätzung», betonte etwa Silvia Ulrich aus Steinen SZ. Einig waren sich die Podiumsteilnehmerinnen auch darin, dass es unter Frauen zu viel Neid gebe. Statt sich ständig zu vergleichen, wer nun wie viel macht, oder den schöneren Kuchen backt, wäre es angebrachter, dass sich Frauen mehr unterstützen und einander mehr Verständnis aufbringen sollten.
Alle drei Frauen sind auf unterschiedliche Weise zur Landwirtschaft gekommen. Sie erfuhren dabei teilweise auch Vorurteile. Trotzdem führten ihre heiteren Ausführungen zu ihrem Leben im Publikum immer wieder zu Lachern. Und in Gesprächen nach dem Anlass war zu vernehmen, dass die Zuhörerinnen immer wieder Parallelen zu ihrem Leben und ihrem Erlebten fanden.
Sie arbeitet eng mit dem Fernsehen zusammen
Sarah Schwenk aus Dornstetten reiste aus dem Schwarzwald (DE) an. Mit ihrem Mann bewirtschaftet die Bäuerin einen Milchviehbetrieb mit 300 Milchkühen und 250 Hektaren Land.
Sie ist für den Haushalt, die zwei Töchter und das Büro zuständig. Auf keinen Fall würde sie jedoch Traktor fahren. Dafür ist sie in den sozialen Medien aktiv, um der Bevölkerung die Realität eines bäuerlichen Alltages wieder näherzubringen.
Dabei arbeitet sie auch eng mit dem deutschen Fernsehsender SWR zusammen. Ihre Videos erreichen zwischen 200 000 und 300 000 Klicks. «Die Leute haben keinen Bezug mehr zur Landwirtschaft und viele Vorurteile. Von der Realität zu berichten, ist ein Herzensthema für mich», erklärte die 32‑Jährige. Dieses Sichtbarmachen benötigte innerhalb der Familie ihres Mannes jedoch einige Zeit, bis es akzeptiert wurde.
Sie hat Konflikte ausgestanden und viel gelernt
Silvia Ulrich aus Steinen hat als Landwirtin auf dem zweiten Bildungsweg den elterlichen Betrieb allein übernommen. Auf dem Biobetrieb mit 22 Hektaren Land hält sie 23 Milchkühe und 12 Mutterschweine. Daneben bietet sie eine Ferienwohnung an. Eigentlich wäre ihr Bruder als Betriebsnachfolger vorgesehen gewesen. Doch er entschied sich für einen anderen Weg.
«Wir hatten wegen unserer Entscheidungen beide Konflikte mit uns selbst und unseren Eltern auszufechten», verriet sie. Für alle Beteiligten sei die Situation ein Lernprozess gewesen. Auch Sätze wie: «Ah, du als Frau …», habe sie sich schon anhören müssen.
Heute lebt die 40-jährige Betriebsleiterin mit ihrem Partner in einer der drei Wohnungen auf dem Hof. In den anderen Wohnungen leben die Eltern und der Bruder mit seiner Familie. Die Geschwister verbindet eine enge Beziehung und sie unterstützen einander. Silvia Ulrich hilft bei der Kinderbetreuung, ihr Bruder auf dem Hof, wenn Not am Mann ist.
Sie hat den Betrieb unerwartet übernommen
Als Dritte in der Gesprächsrunde berichtete Jeannette Stadelmann aus Bischofszell TG aus ihrem turbulenten Leben. Sie sagte von sich selbst: «Ich sage nicht mehr allen, was ich alles mache. Sonst denken die, ich spinne.» Sie ist eine Macherin mit einer unglaublichen Energie. Dennoch komme es vor, dass die Kinder die Socken direkt aus dem Tumbler nehmen müssten oder der Mann die Abwaschmaschine ausräumen müsse, verriet sie und lachte dabei.
Auf dem Betrieb mit 30 Hektaren leben 34 Mutterkühe mit ihren Kälbern und 20 Mastrinder. Das Fleisch wird zu einem grossen Teil direkt vermarktet. Seit 2022 gibt es auch eine Hofbeiz. Stadelmann kocht mit eigenem Fleisch und weiteren Zutaten aus der Region. Daneben arbeitet sie noch 40 Prozent als Sachbearbeiterin in einer Autogarage.
Dass sie und ihr Mann den Milchwirtschaftsbetrieb der Schwiegereltern übernehmen würden, stand nicht auf dem Plan; der Schwager sollte den Betrieb führen. Als dieser unerwartet starb, entschieden die gelernte Automechanikerin und ihr Mann: «Wir übernehmen das, aber wir wollen nicht melken.»
Weil das Paar den Betrieb umstrukturierte, habe öfter die Frage im Raum gestanden: «Was denken wohl die Nachbarn?». Sie hätten aber von den Schwiegereltern auch sehr viel Wohlwollen erfahren. Etwas, das Jeannette Stadelmann sehr schätzt.
Das Ziel: junge Frauen ermutigen
Zum Schluss des offiziellen Teils hielt Anne Challandes eine Rede. Sie erinnerte einmal mehr an die vielfach immer noch fehlende Entlöhnung und soziale Absicherung von Frauen in der Landwirtschaft. Ein Umstand, den es unbedingt zu ändern gelte.
Sie wisse, dass es nicht die eine typische Frau in der Landwirtschaft gebe, sagte die Westschweizerin. Challandes äusserte den Wunsch, dass die Frauen sich und ihre Arbeit mehr in der Öffentlichkeit zeigen, so wie das die vom SBLV porträtierten Frauen zum Uno-Jahr getan haben. «Je mehr Frauen sich in der Öffentlichkeit zeigen, desto mehr ermutigen wir junge Frauen, den Weg in die Landwirtschaft zu gehen», ist die Präsidentin überzeugt.
Mit einem Apéro, bei dem sich die Frauen austauschen und Kraft für ihren vielseitigen Alltag tanken konnten, endete der diesjährige Tag der Bäuerin.






