Eine Zwischenfrucht für maximal 350 Franken, inklusive Saatgut, Aussaat und Vernichtung: Wie geht das? Wie hoch ist der organische Anteil im Boden? Wie wirkt sich die Bodenbearbeitung auf die Erosion aus? Solche Fragen kursierten am Flurgang zum Thema lebende Böden in Loveresse im Berner Jura.
Die Veranstaltung markierte den Abschluss der landwirtschaftlichen Umsetzung des 2019 gestarteten Ressourcenprojekts. Die rund 85 beteiligten Betriebe konnten auf insgesamt 3200 Hektaren Ackerland Massnahmen auswählen, die mit den drei Schwerpunkten der konservierenden Landwirtschaft (Pflanzenvielfalt, Bodenbearbeitungsintensität und organische Bodenverbesserungsmittel) in Zusammenhang stehen.
Wie effektiv sind die Techniken?
«Das Hauptziel des Projekts ist die Verbesserung der strukturellen Qualität des Bodens. Die Landwirtinnen und Landwirte beobachten mithilfe der Beratung und der wissenschaftlichen Partner verschiedene Bodenparameter, um die Relevanz der eingesetzten Techniken zu beurteilen», erklärte Olivier Girardin, Direktor der Fondation rurale interjurassienne (FRI), während des offiziellen Teils der Veranstaltung.
Förderung von Zwischenbegrünungen
Im Rahmen des Projekts wurde der Einsatz von Zwischenbegrünungen in kurzen Zwischenfrüchten gefördert. Während des Fachtags zeigte eine diesem Thema gewidmete Station drei Möglichkeiten, eine billige Mischung aus Buchweizen, Ramtillkraut und Mehrschnitt-Sorghum anzulegen.
Der technische Schwerpunkt zur Entwicklung der Pflanzenintensität umfasste auch eine Sammlung von neun Deckfrüchten, die für kurze Zwischenfrüchte geeignet sind. Sie vereinte Kurzbegrünungen (Gründüngung), Mischbegrünungen (Zwischenfrüchte und Gründüngung) und Futterbegrünungen (Zwischenfrüchte).
«Sie wurden vor einem Monat gesät und man kann bereits eine gute Bedeckung feststellen. Dank dieser vielfältigen Pflanzenmischungen ist die Temperatur niedriger als auf nackten Böden, die an ihrer Oberfläche bis zu 60 Grad erreichen können. Das macht jede Form von biologischem Leben unmöglich», betonte Amélie Fietier auf dem Rundgang.
Leichtere Aussaat dank Bodenbedeckung
Die Mitverantwortliche für das Projekt berichtete, dass im letzten Jahr, das bis Ende Oktober warm und trocken war, Landwirte, die eine Bodenbedeckung angelegt hatten, ihre Parzellen im Herbst leichter aussäen konnten.
Der Fachtag befasste sich auch mit organischen Bodenverbesserern, bei denen insbesondere die Kohlenstoffversorgung verglichen wurde. Der beste Kohlenstofflieferant ist fragmentiertes Holz, das ebenfalls als interessanter Hebel zur Erhöhung der organischen Substanz in den Böden angesehen wird.
«Slake-Test» zeigt Widerstandsfähigkeit des Bodens
Was die Bodenbearbeitung betrifft, konnten auf einem Simulationsstand der Schweizerischen Vereinigung für bodenschonende Landwirtschaft (Swiss No-Till) die Auswirkungen eines starken Regens oder Gewitters auf vier landwirtschaftliche Praktiken nachvollzogen werden: Dauergrünland, Direktsaat, Mulchsaat und gepflügte Böden. Ausserdem konnten sich die Besucher anhand eines «Slake-Tests» (siehe Foto) von der besseren Widerstandsfähigkeit eines Direktsaatbodens, im Vergleich zu einem gepflügten Boden, betreffend der Auflösung der Partikel überzeugen.
Dank Bodenprofil eine umfassende Diagnose
Darüber hinaus wurden drei Möglichkeiten zur Beobachtung des Bodens vorgestellt. Den Landwirten wird empfohlen, die Spatenprobe regelmässig durchzuführen, um schnell einen Einblick in den Oberboden zu gewinnen. Das 3D-Profil, das mit der Gabel eines Teleskoparms erstellt wird, kann bei optimalen Bedingungen bis zu 50 Zentimeter tief gehen. Es wird empfohlen, pro Saison ein solches Profil zu erstellen. Ein Bodenprofil ist zwar aufwändig, bietet aber eine umfassende Diagnose und sollte im Laufe des Berufslebens ein- bis zweimal pro Parzelle durchgeführt werden.
Sogar Besucher aus Frankreich
400 Personen aus der gesamten Westschweiz und auch aus Frankreich nahmen am Flurgang teil. «Die Landwirte werden die Experimente fortführen und den Spaten in Reichweite halten», so Amélie Fietier. «Die Böden im Jura und im Berner Jura haben keine grossen Probleme mit Verdichtungen, allerdings können der Gehalt an organischer Substanz und die grobe Porosität verbessert werden», schliesst sie.

