«Die vielen Hitzetage forderten sowohl Menschen als auch Pflanzen», erklärt Obstbauer Ramon Staubli. Auf seinem Betrieb in Muri AG hat er viele seiner Kulturen, darunter auch Tafeläpfel, während rund drei Monaten regelmässig bewässert. In der Apfelanlage kam eine fest installierte Tröpfchenbewässerung zum Einsatz, welche auf 80 Zentimeter Höhe angebracht ist. «Damit konnten wir die Baumgesundheit erhalten. Auch die Fruchtqualität stimmt dadurch dieses Jahr. Dank der regelmässigen Bewässerung hatten wir zudem wenig Sonnenbrand zu verzeichnen.»
Die Fruchtgrösse sei aber trotz der Bewässerung eine Herausforderung gewesen. Bei extremen Hitzetagen seien die Bäume zeitweise regelrecht zum Stillstand gekommen, wodurch auch das Fruchtwachstum stockte. «Drei bis vier Millimeter weniger Fruchtgrösse machen pro Hektar schnell mehrere Tonnen Minderertrag aus», so der Aargauer Obstbauspezialist.
Kaum Zeit zum Durchatmen
Zukünftig gehe es im professionellen Obstanbau in seiner Region wohl kaum mehr ohne Bewässerung, meint Ramon Staubli. Der Obstproduzent ist deshalb froh, über eine fest installierte Anlage zu verfügen. Doch trotz der professionellen Einrichtung blickt er auf einen intensiven Sommer zurück. «Über eine so lange Zeit bei mehreren Kulturen die Bewässerung aufrechtzuerhalten, stellt an das Management schon enorme Herausforderungen», betont er. Das ganze Wassermanagement, wie beispielsweise der intensive Austausch mit den Brunnenmeistern und die Überwachung der ganzen Anlage, sei zeitintensiv.
«Es gab im letzten Sommer keine einzige Regenwoche, die richtig zur Entspannung geführt hätte», so Staubli weiter. Die lange Hitzephase und die Tropennächte mit entsprechend geringer Schlafqualität hätten sich natürlich auch auf die Erholung und die Leistungsfähigkeit der Mitarbeitenden ausgewirkt. «Zukünftig wird es noch wichtiger werden, ein nachhaltiges Arbeitsumfeld zu schaffen, damit sich die Mitarbeiter wohlfühlen.»

Druck durch Apfelwickler war hoch
Wohlgefühlt haben sich hingegen dieses Jahr gemäss Ramon Staubli trotz der hohen Temperaturen die verschiedenen Wickler wie der Apfelwickler: «Bisher hatten wir in unserer Bio-Apfelanlage die Wickler meist gut mit der Verwirrungstechnik im Griff. Dieses Jahr mussten wir nun aber vermehrt Schäden beobachten.» Die Wirksamkeit von Granulose-Produkten gegen den Apfelwickler sei bei diesem heissen Wetter ebenfalls eingeschränkt gewesen und habe bereits nach zwei Tagen stark nachgelassen.
Kühle Nächte für mehr Deckfarbe
Einen hohen Druck durch Wickler beobachtete in den letzten Wochen auch Markus Thali in seiner Anlage in Gelfingen LU. Dafür sei dieses Jahr der Pflanzenschutz im Zusammenhang mit der Schorf- und Mehltaubekämpfung gut zu managen gewesen.
Auch Thali hat intensive Wochen hinter sich. Während rund 100 Tagen war er mit der Bewässerung seiner Kulturen beschäftigt. «Die Früchte sind zwar wohl etwas kleiner, weisen dafür aber einen hohen Zuckergehalt auf», so der Präsident des Luzerner Obstbauvereins. Die Erntemengen abzuschätzen, sei immer schwierig. Thali geht aber von rund 20 Prozent weniger Ertrag aus als im hervorragenden Vorjahr.
Offen sei noch, wie sich der Hitzestress auf die Festigkeit und die Lagerfähigkeit der Früchte ausgewirkt habe. Die etwas kühleren Nächte der letzten Wochen hätten die Farbausprägung der Äpfel noch verbessert. Bei den Frühsorten sei diese teilweise zu wenig ausgeprägt gewesen.
Die Birnen hätten die heissen Tage unterschiedlich gut überstanden. Während sich die Sorten Williams und Kaiser Alexander sehr schön entwickelten, habe es bei Conference Verbrennungen gegeben.
Marktbedingungen bereiten Sorgen
Für Markus Thali steht fest, dass die Bewässerung im Obstbau weiter an Bedeutung gewinnen wird. «Ohne Bewässerung wird es zukünftig auf leichten und durchlässigen Böden in unserer Region sicher schwierig, wirtschaftlich Tafelobst anzubauen.» Die Schweizer Obstbaubranche sei entsprechend gefordert.
Auch die Marktbedingungen bereiten Sorgen. «Momentan ist die Stimmung unter den Obstbauern in unserer Region sicher etwas getrübt. Nicht nur die Hitze und die damit verbundenen Herausforderungen haben die Bauernfamilien in den letzten Monaten gefordert. Auch die Schliessung der Obsthalle Sursee, des wichtigsten Vermarktungszentrums der Region, stellt die Zentralschweizer Obstbauern vor einen weiteren Unsicherheitsfaktor», so Thali.

