«Alle Landwirte müssen helfen, das Erdmandelgras zu bekämpfen»

Heisse Sommer passen dem invasiven Erdmandelgras. Wichtig ist die Prävention weiterer Verschleppung, die seit diesem Jahr eine gesetzliche Pflicht ist.

Erdmandelgras (EMG) ist wie Mais eine C4-Pflanze und damit gegenüber anderen Arten bei Hitze und Trockenstress im Vorteil. Das heisst, das Ungras dürfte vom Sommer 2026 profitiert haben, bestätigt Alexandra Schröder von der Fachstelle Pflanzenschutz des Kantons Bern. «Es ist prinzipiell davon auszugehen, dass das EMG die heissen und trockenen Bedingungen gut verträgt», sagt auch Judith Wirth, die bei Agroscope die Gruppe Malherbologie leitet. «Wenn die Knöllchen allerdings vertrocknen, werden sie dadurch abgetötet und sind dann nicht mehr keimfähig», ergänzt sie.

Bisher 22 neue Befälle gemeldet

Seit Jahren breitet sich das EMG in den Schweizer Acker- und Gemüsebauregionen aus. Vor allem in Sommerkulturen kann es zu grossen Ertrags- bzw. Qualitätseinbussen führen, denn es gilt als sehr konkurrenzstark und behindert Erntearbeiten.

Laut Alexandra Schröder stimmen die Befallsmeldungen seit Einführung der Meldepflicht im Januar 2026 etwa mit den Erwartungen überein. Es seien keine neuen Regionen dazugekommen. 2025 war ein neuer Befall bekannt geworden, bis zum 18. August 2026 allerdings schon deren 22.

Pflichten für Bewirtschafter und Lohnunternehmer

Die Melde- und Bekämpfungspflicht regelt insbesondere die Prävention der Verschleppung des EMG, der aufgrund seiner Hartnäckigkeit eine grosse Bedeutung zukommt. Wer Erdmandelgras auf seinem Land entdeckt, muss die kantonalen Pflanzenschutzdienste darüber informieren, ebenso allfällige beauftragte Lohnunternehmer.

Wer mit Arbeiten auf der befallenen Parzelle beauftragt ist, hat diese in den betroffenen Zonen als letztes auszuführen, um die Pflanze nicht weiter zu verbreiten. Mit demselben Ziel ist das Waschen von Maschinen und Fahrzeugen vorgeschrieben, die mit kontaminierter Erde in Berührung gekommen sind. Dies kann auf dem Feld erfolgen, oder auf einem Waschplatz – wobei die Erde nicht in die Güllegrube gelangen darf.

Der Kanton Bern hält in einem Merkblatt fest, dass ein Maschinenwaschplatz mit einem Tank ideal wäre, in dem die Erde gesammelt und anschliessend entsorgt wird. Bei einem Abfluss ins Gülleloch könnte allenfalls ein feines Sieb helfen, die Knöllchen zurückzuhalten.

Bewirtschafter sind im Weiteren dazu verpflichtet, Massnahmen zu ergreifen, um die Population von EMG gemäss den kantonalen Empfehlungen zu reduzieren.

Erstbefälle ausgraben oder dämpfen

Ist das EMG einmal eingeschleppt, beschäftigt es in der Regel lange. Denn die Bekämpfung ist schwierig. Die Strategien unterscheiden sich je nach Schwere und Geschichte des Befalls: Wird ein EMG‑Herd früh genug entdeckt, lasse er sich – wenn auch mit beträchtlichem Aufwand – noch relativ einfach tilgen, ist in einem Merkblatt von Agroscope zu lesen.

Die Methoden für begrenzte Erstbefälle reichen vom grosszügigen Ausgraben mit Entsorgung im Kehricht über Ausbaggern (in Absprache mit den kantonalen Fachstellen) bis zum Dämpfen der verseuchten Erde. Für Letzteres gibt es verschiedene Maschinen und Verfahren.

Dampf dringt in den Boden ein und zerstört so die Knöllchen des Erdmandelgrases. Anders als beim Ausgraben bleibt die Erde an Ort, ausserdem ist die Methode herbizidfrei. Dafür braucht es zum Dämpfen aber viel Energie. Das Bodenleben soll sich innerhalb weniger Wochen regenerieren, schreibt Agroscope in einem Merkblatt. (Bild: Jil Schuller)

Schwarzbrache hilft bei flächiger Verseuchung, den Knöllchenvorrat zu reduzieren

Bei grossflächiger Verbreitung von EMG hat sich gemäss Fachleuten in mehrjährigen Praxisversuchen die Schwarzbrache als wirksam erwiesen. Dabei zerstört eine wiederholte Bodenbearbeitung zwischen Mitte Mai und September die jungen Pflanzen, bevor sie neue Knöllchen bilden. Das reduziere den Vorrat an Erdmandeln im Boden, die für die Verbreitung besonders kritisch sind. Dazu trage auch bei, dass durch die Bodenbearbeitung verbleibende Knöllchen eher keimen.

Generell wird eine Kombination verschiedener Massnahmen zur Bekämpfung des EMG empfohlen, da keine allein ausreiche. Dazu zählen unter anderem eine Fruchtfolge mit konkurrenzstarken Kulturen (etwa Winterweizen oder dichte, geschlossene Kleegrasbestände) oder eben wieder Ausgraben und Dämpfen.

Anderer Wirkstoff per Notfallzulassung

Um chemisch gegen das Ungras vorzugehen, gibt es für 2026 erneut eine bis Ende Oktober befristete Notfallzulassung für Dimethenamid-P in Mais, Sonnenblumen, Soja, Ackerbohnen und Bohnen in Hülsen. Früher wurde S-Metalochlor gegen EMG eingesetzt, dieser Wirkstoff ist mittlerweile aber nicht mehr zugelassen.

Zur Wirksamkeit von Dimethenamid-P führe Agroscope aktuell Versuche durch, gibt Judith Wirth Auskunft. «Die Ergebnisse liegen erst im Herbst vor, nach der Beprobung und dem Auswaschen der Knöllchen», so Wirth. Ihr Kollege Patrick Delévaux ergänzt, nach ersten Beobachtungen auf Schwarzerde würde Dimethenamid-P allein offenbar nicht ausreichen. Auch sei es wohl für eine zufriedenstellende Wirksamkeit notwendig, nach dem Auflaufen der Kultur weitere Herbizide auszubringen.

Verbreitung via Samen kommt selten vor

Zwar sind die Knöllchen hauptsächlich für die Verbreitung des EMG verantwortlich, das Gras kann aber auch Samen bilden. Prinzipiell könnte es sich dadurch ebenfalls ausbreiten, meint Judith Wirth. Doch Alexandra Schröder schränkt ein: «Die Verbreitung von EMG via Samen ist selten.» Sie sieht in den Knöllchen definitiv die grössere Gefahr. Neue Erdmandeln würden zahlreich gebildet, wenn man die Pflanze wachsen lässt.

Was dagegen hilft: «Das EMG mechanisch zerstören, sobald es das 2- bis 5-Blatt-Stadium erreicht hat. Dies nach 2–3 Wochen nochmals wiederholen. Das ist das Prinzip der Schwarzbrache», erklärt Schröder.

Mehr Regionen für EMG geeignet

Die beiden Fachfrauen sind sich einig, dass das EMG vom Klimawandel profitiert. «Tendenziell ist in der Schweiz mit einer weiteren Ausbreitung zu rechnen, da es sich um eine wärmeliebende C4-Pflanze handelt», gibt Judith Wirth zu bedenken. Der Klimawandel werde voraussichtlich die Eignung von mehr Regionen erhöhen. «Entscheidend für die Verbreitung sind aber wahrscheinlich menschliche Aktivitäten – vor allem Verschleppung und mangelnde Bekämpfung», sagt sie.

Wenn es nicht bekämpft werde, breite es sich weiter aus, lautet ebenfalls die Prognose von Alexandra Schröder. «Daher müssen alle Landwirte helfen, das Erdmandelgras zu bekämpfen», so ihr Appell.  

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