Heizen mit Holz: Gut für die Ökologie und für das Gewissen

An einer öffentlichen Veranstaltung informierte Lignum Ost als Dachverband der Thurgauer Holzwirtschaft und Mandatsträgerin von Holzenergie Thurgau über nachhaltige Heizsysteme und die Förderbeiträge, die es dafür gibt.

«Heizen mit gutem Gewissen», so lautete der Titel eines Informationsanlasses, der kürzlich in Eschlikon stattfand. Paul Koch, Präsident des Verbands Lignum Ost, bemerkte, das Thema sei durch den Ukrainekrieg besonders brisant geworden. «Die Versorgungslage von fossilen Brennstoffen hat sich in den letzten Wochen zugespitzt», stellte Koch fest.

Der Holzbedarf fürs Heizen steigt

Im Einführungsreferat legte Andreas Keel dar, wie sich die Holzenergie in der Schweiz entwickelt hat. Keel ist Geschäftsführer des Verbands Holzenergie Schweiz, in dem sich Vertreter von Energietechnik, Wald- und Holzwirtschaft zusammengeschlossen haben. Er bemerkte, dass die Anzahl der Holzheizungen seit 1990 von 690'000 auf 540'000 zurückgegangen ist. Einen grossen Anteil an dieser Entwicklung haben die Stückholzanlagen, die sich auf 497'230 reduzierten. Obwohl der jährliche Holzverbrauch bei den Stückholzheizungen auf 1,1 Mio m³ ­zurückging, stieg der gesamte Holzverbrauch.

Die Anzahl der Hackschnitzelanlagen hat sich seit 1990 mehr als verdreifacht und benötigt mittlerweile rund 1,9 Mio m³ Holz. Der Anteil von Altholzfeuerungen ist von 22 auf 100 Anlagen massiv gestiegen. Ebenso der dafür benötigte Holzverbrauch, der inzwischen 1,5 Mio m³ beträgt.

«Die Holzenergie ist die einfachste und sozialverträglichste Massnahme gegen den Klimawandel.»

Andreas Keel, Geschäftsführer des Verbands Holzenergie Schweiz

Dafür gibt es Subventionen

Simon Biegger gab einen Überblick über die Fördergelder im Kanton Thurgau. Der Geschäftsführer von Lignum Ost bemerkte, dass ein Zuschuss für einen Heizungsersatz nur für mindestens fünf Jahre alte Gebäude mit Heizungsbedarf gezahlt wird. Falls keine Heizöl-, Erdgas- oder Elektroheizung ersetzt wird, reduziert sich der Förderbeitrag des Kantons.

Bei automatischen Holzfeuerungen gibt es über 20 kW Nennleistung für jedes weitere Kilowatt 250 Franken zusätzlich. Partikelabscheider werden mit einem Zusatzbeitrag von 1000 Franken gefördert. Beim Anschluss von einem mindestens fünf Jahre alten Gebäude an ein Wärmenetz gibt es ebenfalls Subventionen. Der Förderbeitrag reduziert sich auf 50 Prozent, wenn keine Heizöl-, Erdgas- oder Elektroheizung ersetzt wird.

Beratung ist im Thurgau kostenlos

Der Kanton Thurgau beteiligt sich bei Machbarkeitsstudien an der Hälfte der Kosten. Bedingung ist, dass die Studie durch eine Fachperson ausgeführt wird, dass sie ein technisches Problem löst und realisierbar ist. Biegger hielt fest, dass Fördergesuche vor dem Baubeginn eingereicht werden müssen. Grundsätzlich sind Erstberatungen zu Themen rund um die Nutzung von Holz als Energieträger durch die Informationsstelle Holzenergie Thurgau kostenlos. Seit dem 1. April werden auch die Kosten für Fachberatungen vor Ort vom Kanton übernommen. Die Beratungen werden durch einen Experten aus der Arbeitsgruppe von Holzenergie Thurgau durchgeführt.

Wer das kantonale Förderprogramm in Anspruch nimmt, hat allerdings keinen Anspruch auf die schweizweite «Klimaprämie» von 1,80 Franken pro eingespartem Liter Heizöl oder ­Kubikmeter Erdgas, was bei korrekter Dimensionierung rund 360 Franken pro kW der neuen Heizung entspricht. Die Klimaprämie ist insbesondere für grosse Anlagen interessant, da sie keine Deckelung hat.

Steigende Nachfrage nach Pellets

In der anschliessenden Podiumsdiskussion wurden die Referenten auf Holzpelletsheizungen angesprochen. Bei diesen hat sich der Bedarf seit 2014 nahezu verdoppelt. Vermutlich werden dieses Jahr 500'000 t Pellets für Holzpelletsheizungen benötigt. Die Schweizer Produktion liegt bei rund 330'000 t, die Lücke wurde bisher durch Importe gedeckt. Zudem sind die Preise für Pellets seit dem letzten Oktober von 300 auf 450 Franken pro Tonne gestiegen.

Ein Besucher erwähnte, dass es in Frauenfeld ein neues Holzkraftwerk gibt, das im letzten Jahr im Umkreis von 50 km sämtliches Restholz verwertete. Grossanlagen haben teilweise Probleme, genügend Altholz zu bekommen und sind dadurch auch abhängig vom Ausland. In Basel wird beispielsweise ein Kraftwerk gebaut, das mit Holz aus Frankreich auch eigene Pellets produziert.

Andreas Keel hielt fest, dass für kleinere Anlagen immer noch genügend Holz verfügbar ist. In der Schweiz gehört der grösste Teil des Waldes den Gemeinden, die eine regionale Versorgung gewährleisten können. «Je kleiner die Anlagen, umso vernünftiger ist der Schritt», sagte Keel und zog das Fazit: «Wenn möglich, sollte immer mit Holz geheizt werden.»