Die Zirkus-Dynastie Knie reicht bis 1803 zurück, als der Medizinstudent Friedrich Knie in Innsbruck (Österreich) sein Studium für das Artistenleben aufgab und eine Wandertruppe gründete – über 220 Jahre Familientradition. Als «Schweizer National-Circus» mit eigenem Zeltzirkus, wie man ihn heute kennt, gibt es das Unternehmen seit 1919: Die erste Vorstellung im eigenen Zelt fand am 14. Juni 1919 auf der Berner Schützenmatte statt. 2026 feiert der Zeltzirkus damit sein 107. Jahr.
Wer den Circus Knie heute besucht, sieht vor allem Pferde in der Manege – und das ist kein Zufall, sondern das Ergebnis eines langen Wandels. Jahrzehntelang gehörten auch Elefanten, Löwen, Tiger und Giraffen zum festen Programm des Schweizer National-Circus. Bereits in den 1930er-Jahren lernte Rolf Knie senior von einem tschechischen Tierlehrer, und 1956 führte er im Zirkus zum ersten Mal sieben afrikanische Elefanten in der Manege vor. Über Jahrzehnte waren die Dickhäuter das Markenzeichen des Familienbetriebs.
Nur Pferde und Ponys reisen noch mit
Doch der Zeitgeist änderte sich – auch beim Publikum. Im März 2007 demonstrierten in Rapperswil 130 Personen für einen «Zirkus ohne Tiere», und die kritischere Haltung der Öffentlichkeit gegenüber Tieren im Zirkus blieb bestehen. Als Grund für den Verzicht auf Elefanten-Nummern nannte die Familie Knie offiziell, sich auf den Erhalt einer zuchtfähigen, funktionierenden Elefantengruppe konzentrieren zu wollen, und bestritt einen Zusammenhang mit dem Druck von Tierschützern. Seit 2015 stehen beim Circus Knie keine Elefanten mehr in der Manege; sie leben seither im eigens ausgebauten Elefantenpark in Knies Kinderzoo in Rapperswil SG.
Heute reisen mit dem Circus Knie ausschliesslich Pferde und Ponys mit. Kein Löwe, kein Elefant, kein exotisches Wildtier – die einzigen Tiere im Tross sind jene, die auch auf einem Schweizer Bauernhof stehen könnten.

Dieser Wandel – weg von der Dressur exotischer Wildtiere, hin zu einem stärker am Tierwohl orientierten Umgang – liest sich fast wie ein Blick in die eigene Branche: Auch die Landwirtschaft diskutiert seit Jahren intensiv, wie Tierhaltung aussehen soll, die sowohl der Öffentlichkeit standhält als auch den Tieren gerecht wird – von mehr Auslauf über neue Haltungsformen bis zu politischen Vorstössen für bessere Bedingungen bei Kälbern und Mastvieh.
Die neue Show trägt den Anspruch, «Circus in einer neuen Dimension» zu zeigen: Erstmals kommt im Zelt eine Technologie zum Einsatz, die laut Circus Knie noch nie in einem reisenden Betrieb genutzt wurde und Licht, Ton und Artistik zu einem Gesamtbild verschmelzen lassen soll. Verpflichtet wurden unter anderem preisgekrönte Nummern vom Circusfestival in Monte-Carlo, ein Clown aus Chile sowie Akrobatinnen und Akrobaten unter der Zirkuskuppel. Bei aller neuer Technik bleibt die Pferdedressur die tragende Säule der klassischen Zirkuskunst: Ivan, Chanel und Maycol Knie junior führen die edlen Pferde vor – mittlerweile in der achten Generation.
Ein Bauernhof auf Rädern
Was in der Berichterstattung selten vorkommt: Ein Zirkus mit über 20 Pferden und Ponys ist logistisch gesehen auch ein Bauernhof auf Rädern – nur eben einer, der jede Woche an einem neuen Ort steht. Auf Anfrage der BauernZeitung teilte Knie mit, dass allein für die Ställe pro Tag rund 700 kg Stroh benötigt werden, dazu 370 kg Heu, 120 kg gequetschter Hafer und 330 kg Spezialfutter für die Huftiere. Gras und teilweise auch Futterkarotten kauft der Betrieb, wo immer möglich, direkt bei lokalen Produzent(innen) entlang der Tourroute – geliefert an den Spielort.
Das trifft sich in diesem Sommer mit einem Problem, das auch viele Bauernbetriebe kennen: Aktuell sei es wegen der Trockenheit sehr schwierig, frisches Gras zu bekommen, heisst es beim Zirkus – und die Preise stiegen entsprechend.

Rund 7 Kubikmeter Mist fallen beim Circus Knie täglich an, auch dieser geht, wo immer möglich, an lokale Bauernbetriebe zurück. Tierärztlich betreut wird die Truppe unter anderem in Zusammenarbeit mit dem Tierspital Zürich.
So schliesst sich der Kreis: Ein über 100-jähriges Traditionsunternehmen, das sich in Sachen Tierhaltung immer wieder neu erfinden musste, bleibt über den Umweg von Heu, Mist und lokalem Futtereinkauf bis heute eng mit den Bauernbetrieben entlang seiner Tourroute verbunden. Auch wenn die einen unter der Zirkuskuppel auftreten und die anderen im Stall bleiben.

