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Der Branchenverband Deutschschweizer Wein wächst über die Landesgrenze hinaus

An der Delegiertenversammlung wurde der Weinbauverband Fürstentum Liechtenstein aufgenommen. Es drängte sich zudem eine Statutenänderung auf: Nun haben Mitglieder des BDW ab 20 ha Anbaufläche Anspruch auf einen Sitz im Vorstand.

Für einmal zog es den Branchenverband Deutschschweizer Wein (BDW) in die Innerschweiz nach Luzern, um die ordentliche Delegiertenversammlung mit 26 Vertretern aus den Deutschschweizer Weinbaugebieten abzuhalten. Dem Verband gehören die Kantone ZH, SH, GR, AG, TG, SG, beide Basel, SO, beide Appenzell, LU, SZ, UR, ZG, Nid- und Obwalden, GL sowie die Berner Weinbaugebiete ohne Bielersee an.

«Die Corona-Pandemie war für das Gastgewerbe eine schwierige Situation, während der Detailhandel profitieren konnte», hielt BDW-Präsident Martin Wiederkehr rückblickend auf das schwierige 2021 fest. Nach 13 Jahren musste im vergangenen Jahr erstmals auch eine Beitragserhöhung von 30 Franken je Hektare vorgenommen werden, um die Finanzen des BDW im Lot zu halten.

Zugleich fand ein erster Weingipfel statt, welcher in diesem Jahr am 10. Juni in Landquart zum Schwerpunktthema Nachhaltigkeit stattfinden wird. «Wir stellen bezüglich der Aktivitäten fest, dass der traditionelle Tag der offenen Weinkeller am 1. Mai Jahr für Jahr immer wichtiger wird», hielt Wiederkehr weiter fest. Zugleich kündigte er Bestrebungen an, die Kommunikation zu den Weinbauern zu verbessern. «Dies ist für einen Schulterschluss sehr wichtig. Neid und Missgunst sind schlechte Ratgeber», so Wiederkehr abschliessend.

Verbandsrechnung

Die von GeschäftsführerJürg Bachofner präsentierte Verbandsrechnung schloss bei einem Ertrag von 738'500 Franken miteinem Ertragsüberschuss von 11'350 Franken ab. Dabei haben die Kantonalverbände je 262'600 Franken als Branchen beigesteuert. Dies entspricht 200 Fran­ken je Hektare Reben. Für Events und Werbung sind 236'600 Franken eingesetzt worden. Zudem sind vom Swiss Wein Promotion (SMP) 142'000 Franken an die Werbekosten des BDW zurückerstattet worden. 

Fürstentum Liechtenstein einstimmig aufgenommen

Bereits seit zwei Jahren ist der mögliche Anschluss des Fürstentums Liechtenstein an den BDW ein Thema. «Der Weinbau hat in unserem Fürstenland seit den Römern Tradition», führte Winzer Norbert Goop vor den Delegierten aus. Die Gesetzgebung sei rund um den Weinbau und auch im Lebensmittelrecht analog zur Schweiz, so dass es bezüglich Vorschriften keine allzu grossen Abweichungen gibt.

Aktuell weisst Liechtenstein eine Anbaufläche von rund 23 ha auf, welche mit 16 ha Rot- und 7 ha Weissweinsorten bestockt sind. «Auch die Schweizer Dachorganisationen zeigten sich für eine mögliche Aufnahme offen», führte Martin Wiederkehr aus. Die dafür geforderte Auflagemit der Gründung einer Trägerorganisation wurde erfüllt und im vergangenen Herbst der neue Landesverband im Fürstentum gegründet. Ihm gehören vier Berufswinzer und weitere 125 Mitglieder an, welche in fünf Weinbauvereinen oder Genossenschaften organisiert sind. Die Aufnahme in den BDW wurde einstimmig beschlossen.

Statutenänderung des BDW

Im vergangenen Jahr drängte sich eine Statutenänderung des BDW auf, weil die Aktivitäten von Schweizer Wein Promotion (SMP) ergänzt worden sind und die Aufnahme des FL bereits ein Thema war. Damit die Kommunikation zu den kleineren Regionen sichergestellt werden können, waren auch hier konkrete Anpassungen nötig: Der Vorstand wurde erweitert und die Zahl der Delegierten mit je einem Sitz für Luzern und Aargau aufgestockt, so dass es zukünftig 34 Delegierte sein werden.

Aufgrund der erfolgten Statutenänderung haben nun Mitglieder des BDW ab 20 ha Anbaufläche Anspruch auf einen Sitz im Vorstand. Dies ermöglicht es nun, dass aus dem Kanton Schwyz neu Kathrin von Arx und aus der Region Bern—Thunersee (ohne Bielersee) Ursula Iron mit 25 ha als neue Mitglieder in den Vorstand einziehen werden. Zugleich wird Uwe Hoop das Fürstentum im Vorstand vertreten. Ebenfalls wählten die Delegierten mit Ueli Liesch, Malans GR, den ersten und Urs Jauslin, Muttenz BL, den zweiten Vizepräsidenten.

Der Branchenverband Deutschschweizer Wein wächst über die Landesgrenze hinaus
Ueli Liesch (links) und Urs Jauslin (rechts) stossen als neue Vizepräsidenten mit BDW-Verbandspräsident Martin Wiederkehr an.

Weinbauzentrum Wädenswil als Fachgruppe anerkannt

Von einem erfolgreichen Geschäftsabschluss sprach Martin Wiederkehr mit Blick auf das Weinbauzentrum Wädenswil (WBZW). Die Agroscope hat sie kürzlich auch als Fachgruppe Weinbau für die Deutschschweiz anerkannt. Zugleich wird sich das WBZW im Fachbereich Weinbereitung verstärkt beschäftigen. Dazu gehört beispielsweise die Problematik um Stickstoffmangel in Piwi-Sorten, welcher sich vor allem in der Gärung auswirkt.

Projekt Swiss Wine Tour erfolgreich angelaufen

«In der Westschweiz ist das Projekt Swiss Wine Tour (SWT) bereits erfolgreich angelaufen. Erste Interessenten in der Ostschweiz sind auch aufgerufen, ihre Weinerlebnisse einzubringen», führte Beat Hedinger vom Branchenverband Schaffhausen aus. Mit diesem Projekt will man die Wertschöpfung mit neuen touristisch geprägten Dienstleistungen auf den Weingütern und auch Kellereien steigern.

Es wird nun konkret geprüft, sie sich der BDW auch hier einbringen kann. «Jeder kann mitmachen, welcher ein Weinerlebnis anbieten kann», fügte Hedinger bei. Dafür ist aber eine einfache Zertifizierung nötig, damit man bei dieser Mehrwertstrategie mitwirken kann. Pauschal wird sich der BDW mit 5000 Franken für alle Verbandsmitglieder an den Kosten beteiligen.

Neues Gütesiegel für mehr Nähe und Transparenz

Zugleich ist auch das vom BDW angestossene neue Gütesiegel in der Testphase als Pilotprojekt gut unterwegs. «Wir beabsichtigen damit mehr Nähe, Transparenz und Authentizität für unsere Weine zu schaffen», sagte BDW-Geschäftsführer Jürg Bachofner.

Keller- und Rechtsberatung wird neu angeboten

Zudem bietet der Verband auch im Bereich der Dienstleistungen neu eine Keller- und Rechtsberatung an, welche durch Muriel und Franco Pedol – Durieux erfolgen. Es zeigt sich aktuell, dass die meisten Fragen und Probleme rund um die Weinetiketten Verbandsmitglieder profitieren dabei von einem günstigeren Tarif.

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