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Teure Bewässerung, geringere Ernte – warum steigen die Gemüsepreise nicht?

Mehrkosten, wie für die Bewässerung, müssten abgegolten werden. Aber der Verband Schweizer Gemüseproduzenten (VSGP) und Faire Märkte Schweiz (FMS) sind sich nicht einig, wie das geschehen soll.

Vonseiten der Produzenten ist man sich einig: Die Mehrkosten durch den Extremsommer 2026 müssen vom Markt abgegolten werden. Mit dieser Forderung wenden sich dieser Tage nacheinander der Schweizer Bauernverband (SBV), die Junglandwirt(innen) und auch der Verband Schweizer Gemüseproduzenten (VSGP) an die Medien.

Wirtschaftliche Tragfähigkeit gefährdet

 «Über viele Gemüsearten hinweg sind rückläufige Erntemengen zu verzeichnen», schildert der VSGP. Beim Gemüse, das jetzt wächst und im Herbst fürs Lager geerntet wird, seien kleinere Kaliber und ebenfalls tiefere Erntemengen zu erwarten. Zusammen mit in diesen Wochen massiv gestiegenen Produktionskosten gefährde diese Entwicklung die wirtschaftliche Tragfähigkeit vieler Gemüsebaubetriebe.

Die Wasserrechnungen werden folgen

Auf Anfrage betonen die Detailhändler gegenüber der BauernZeitung zwar ihre Dialogbereitschaft, halten sich aber zu konkreten Preissignalen sehr bedeckt (wir berichteten). «Der VSGP weist seit Jahren darauf hin, dass durch den wirtschaftlichen Druck die Reserven der Betriebe unter Druck geraten», sagt Markus Waber, stellvertretender Direktor des VSGP.

«Wir rechnen damit, dass das wirkliche Ausmass erst verzögert zum Vorschein kommen wird», fährt er fort. Dann nämlich, wenn beispielsweise auch die Wasserrechnungen auf den Betrieben eintreffen.

Mindestens 25 Prozent Mehrkosten laut FMS – Preise bewegen sich kaum

Faire Märkte Schweiz (FMS) verzeichnet seit Beginn der Trockenheit einen merkbaren Anstieg von Meldungen zu existenzbedrohenden Situationen auf den Betrieben, gibt Präsident Stefan Flückiger Auskunft. «Der Kostendruck ist enorm, die Bewässerung horrend teuer», hält er fest. Gemäss FMS haben die meisten Betriebe im Gemüsebau ausserordentliche Mehrkosten von mindestens 25 Prozent.

Ausserdem zeige eine neue Datenanalyse des Vereins, dass bei den meisten Schlüsselprodukten im Feldgemüsebau sowohl die offiziellen Richtpreise als auch die aktuell effektiv ausbezahlten Preise im Vergleich zur Vorjahresperiode kaum oder nur um wenige Prozentpunkte gestiegen seien.

Fixpreise und Marktversagen als Ursachen

Dass trotz knapperem Angebot und Mehrkosten in der Produktion die Preise nicht klettern, führt Stefan Flückiger auf zwei Ursachen zurück. Einerseits, dass immer häufiger Fixpreise vereinbart werden. Damit gebe es keinerlei Spielraum, um auf veränderte Produktionsbedingungen oder Marktlagen zu reagieren, ausserordentliche Kosten und Risiken blieben bei der schwächeren Vertragspartei hängen. Andererseits sei es ein klares Zeichen für strukturelles Marktversagen – Marktmacht setze den Preismechanismus ausser Kraft. FMS fordert daher folgende Korrekturen:

Preise: Richt- und Produzentenpreise müssten die aktuelle Marktlage, die Vollkosten sowie eine angemessene Abgeltung der Produktionsrisiken berücksichtigen.

Verantwortung: Marktmächtige Abnehmer sollen faire Verhandlungen ermöglichen und darauf verzichten, Kosten oder Risiken einseitig auf die Produktion abzuwälzen.

Konventionalstrafen: Sie würden von einigen Abnehmern für ausfallende Ernten verhängt und seien einzustellen.

Fairness: Wettbewerbsbehörden und Politik müssten strukturelle Probleme konsequenter angehen, die Marktbeobachtung stärken und wirksame Regeln gegen unfaire Handelspraktiken schaffen.

«Viele der Aussagen können wir nicht einordnen»

Der VSGP mahnt seine Mitglieder per Newsletter bei Ausschreibungen von Fixpreisen zur Vorsicht. Die Empfehlung lautet, keine Offerten auf derlei Ausschreibungen mit tiefen Fixpreisen einzureichen.

Von Verbandsmitgliedern höre er, dass vor allem Jahresfixpreise problematisch seien, erklärt Markus Waber. Es gebe aber auch Produzenten, die aktuell auf dem Markt ihre Mehrkosten nicht decken könnten. «Der VSGP erachtet Jahresfixpreise, Konventionalstrafen und Rückvergütungen als problematisch und lehnt diese ab», erläutert er die Haltung des Verbands.

Gleichzeitig könne man viele der Aussagen von FMS nicht einordnen und habe dazu offene Fragen. «So ist unklar, bei welchen Kulturen gegenüber welcher Basis die Produktionskosten um mindestens 25 Prozent gestiegen sind», so Waber. Der VSGP lehne derlei pauschale Aussagen ab, weil sie suggerierten, dass ein Aufschlag von 25 Prozent eine korrekte Abgeltung wäre. «Was nicht zutreffen muss», bemerkt Waber.

VSGP will Mehrkosten nicht in Richtpreise integrieren

Der Verband erachte es weiter nicht als zielführend, die diesjährigen aussergewöhnlichen Aufwände in Richtpreise zu integrieren. «Das kann den effektiven Kosten nicht gerecht werden», findet der stellvertretende Direktor Markus Waber. Zumal die Effekte zum Teil, wie erwähnt, mit Verzögerung auftreten würden. Auch könnte die Marktsituation diese Mehrkosten übersteuern.

«Der VSGP sucht nach einem anderen Weg, wie diese Kosten den Produzenten abgegolten werden können», so Markus Waber.

Anonyme Systeme fördern das Liefern zu Tiefstpreisen

FMS-Präsident Stefan Flückiger beobachtet, dass es immer mehr Ausschreibungen im Gemüsebereich gebe. Sie liefen über anonyme digitale Systeme. Deshalb – und nicht zuletzt aus wettbewerbsrechtlichen Gründen – konnten sich die Produzenten als Anbieter der Ware nicht zusammenschliessen bzw. absprechen. «Irgendwann wird jemand zu tiefen Preisen liefern, weil das Feld geräumt werden muss», schildert er.

Dieses Problem soll ein Vorstoss von Nationalrat Hans Jörg Rüegsegger (SVP, BE) angehen. Er verlangt, im Landwirtschaftsgesetz eine Regelung für Kooperationsmöglichkeiten von Produzent(innen) zu schaffen. Dies mit dem Ziel, eine «Gegenmacht» gegenüber hochkonzentrierten Abnehmerseiten aufzubauen.

Das biete eine «echte Chance für die Erzielung fairer Preise», schreibt Rüegsegger in seiner Motion. Der Bundesrat ist überzeugt, es gebe bereits genügend rechtliche Möglichkeiten zur Angebotsbündelung. Im Nationalrat hatte Rüegseggers Vorschlag aber bereits Erfolg und wird im Parlament weiter beraten.

Wettbewerb unter Produzenten würde trotzdem spielen

«Der Vorstoss geht in die richtige Richtung», stimmt auch Markus Waber zu. Der Produktion müsse es möglich sein, unter Wahrung ihrer unternehmerischen Freiheit mehr Transparenz untereinander zu schaffen, ohne dabei kartellrechtliche Konsequenzen fürchten zu müssen. «Wir sind überzeugt, dass in einem solchen System der Wettbewerb unter den Produzenten ausreichend spielen würde», stellt er klar. Aus seiner Sicht würden die Konsumenten dadurch keinen Schaden erleiden.

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