Die Zahlen passen auf den ersten Blick nicht zusammen. Ende August standen laut Identitas 644 665 Kühe in der Tierverkehrsdatenbank, so wenige wie nie seit 2010. Im September waren es gemäss Identitas 2,9 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Bis Mitte Oktober wurden laut Proviande 132 636 Kühe geschlachtet – 15,6 Prozent mehr als 2025. Und doch lag die Milchproduktion laut TSM Treuhand von Januar bis August 2,5 Prozent über dem Vorjahr. Auf den Kuhbestand umgerechnet sind das 3,7 Prozent mehr Milch pro Kuh.
«Für uns nicht überraschend»
Wie erklärt die SMP das? Die Antwort liegt im Futter. Die Produktion habe in den ersten Monaten über dem Vorjahr gelegen, schreibt Christa Brügger, Leiterin Kommunikation der SMP: «Für uns nicht überraschend, das Winterfutter war sehr gut.» Auch bis zur Trockenheit sei 2026 ein gutes Futterjahr gewesen.
Dann kam der Sommer: Im Juli und August lag die Produktion laut SMP mindestens 2,5 Prozent unter dem Vorjahr. Die Gründe: weniger Tiere, Hitze, kranke Kühe. Wie stark die einzelnen Faktoren wirkten, sei regional sehr unterschiedlich.
Auch die Schlachtungen folgten dem Wetter. Den Höhepunkt erreichten die zusätzlichen Schlachtungen laut SMP während der Sommerhitze: Fast zwei Drittel der Mehrschlachtungen gegenüber dem Vorjahr fielen auf Juli und August. Mit Regen und nachwachsendem Futter fiel die Zahl kurzzeitig unter das Vorjahr.
Seit fünf Wochen liegt sie gemäss SMP wieder darüber, weniger stark als im Sommer, aber deutlich. Für die SMP ein Signal: Die höhere Zahl deute darauf hin, «dass die Problematik des trockenen Sommers noch nicht gegessen ist». Es fehlt Futter.
Knapp oder zu viel?
An der Basis heisst es, die Milch sei wegen der Trockenheit knapp. Manche Produzenten fühlen sich angelogen. Hat die Schweiz also noch zu viel Milch? Die SMP verweist auf das Plus von 2,5 Prozent, das sei eine Tatsache. Und das Minus im Sommer? «Nach dem letzten Jahr sind minus 2,5 Prozent aus Sicht der SMP okay.» Die hohe Produktion habe zudem die Lager mit Milchprodukten gefüllt.
Ganz ausschliessen will die SMP eine Wende aber nicht: «Es ist schon möglich, dass die tieferen Kuhzahlen sich erst im Winter respektive Frühjahr auf die Produktion auswirken werden.»
Was von den 4 Rappen bleibt
Ab wann spüren die Produzenten die Richtpreiserhöhung um 4 Rappen im Portemonnaie? Hier gehen die Einschätzungen auseinander. «Grundsätzlich kommt die Richtpreiserhöhung mit dem A-Milch-Anteil direkt beim Produzenten an», schreibt die SMP. Dieser Anteil liege bei rund 80 Prozent, je nach Milchkäufer unterschiedlich.
Mooh sieht das anders: Marktanteilsverluste und tiefe Exporterlöse würden die Erhöhung vollständig auffressen. Die SMP kündigt an: «Die SMP wird dies im Rahmen des Milchpreismonitorings genau prüfen.»
Mengenreglemente statt Kuhzahlen
Wenn ein kleinerer Bestand die Menge nicht senkt, womit dann? Die SMP setzt auf zwei Instrumente. «Die Segmentierung soll konsequenter umgesetzt werden», heisst es. Dazu sollen verbindliche Mengenreglemente dafür sorgen, dass die Milchmengen wirksam gesteuert werden.
Und: Regulierungskapazität habe für den Milchmarkt einen Wert – und ihren Preis. Was seit September bei der Prüfung der Segmentierung in der Branchenorganisation Milch (BOM) konkret passiert ist, sagt die SMP nicht.
Rahm aus dem Ausland, Butter ins Ausland
Heikel ist der Veredelungsverkehr. Laut Bundesamt für Landwirtschaft werden bei Gesuchen die betroffenen Kreise angehört, darunter die Milchbranche. Bis die neue Zollverordnung in Kraft tritt, die derzeit in der Vernehmlassung ist, läuft das Verfahren laut SMP wie bisher: Teils gibt es die Möglichkeit zur Stellungnahme, teils werden die Akteure nur informiert und können der Gesuchstellerin ein Angebot machen.
Die Wirkung ist begrenzt: «Auch wenn dieses zu einem konkurrenzfähigen Preis gemacht wird, gibt es keine Garantie, dass zum Beispiel Schweizer Milchpulver den Veredelungsverkehr ersetzt.»
Wie passt das zusammen: Rahm wird eingeführt, während die Produzenten über den BOM-Fonds Butterexporte mitfinanzieren? Die SMP unterscheidet. Veredelungsverkehr gebe es auch für Produkte, die in der Schweiz nicht hergestellt werden, etwa mit Halal-, Koscher-, Bioland- oder US-Bio-Zertifizierung, oder für Kolostralmilchpulver. «Dass unsere Milchverarbeiter solche Produkte verarbeiten können, ist auch im Sinn der SMP.»
Für Produkte, die in der Schweiz verfügbar sind und mit Geld der Produzenten auf das erforderliche Niveau gebracht werden, soll es hingegen keinen Veredelungsverkehr mehr geben. Diesen Schweizer Vorrang soll die neue Zollverordnung bringen. Bei der vorgängigen Revision des Zollgesetzes habe sich die SMP erfolgreich eingebracht.
In der BOM werde derzeit intensiv an Lösungen gearbeitet, um Situationen wie in den letzten zwölf Monaten zu verhindern, schreibt die SMP.

