Es passt nicht zusammen, und doch steht es so in der Statistik. Von Januar bis September wurden laut den Monatsstatistiken von TSM Solutions rund 800 Tonnen Rahm in die Schweiz eingeführt, etwa gleich viel wie im Vorjahr. Im selben Zeitraum gingen 4706 Tonnen Butter ins Ausland, fast zehnmal so viel wie ein Jahr zuvor, zum Teil gestützt mit Mitteln aus dem Fonds der Branchenorganisation Milch. Und das in einem Jahr, in dem die Zahl der Kühe so tief liegt wie nie seit Beginn der Auswertung von Identitas im Jahr 2010 und die Milchmenge bis August trotzdem 2,5 Prozent über dem Vorjahr lag.
Kein Rahm im aktiven Veredelungsverkehr
Naheliegend wäre die Erklärung, der Rahm werde nur zur Verarbeitung eingeführt und als fertiges Produkt wieder exportiert. Beim sogenannten aktiven Veredelungsverkehr bleibt der Rohstoff nicht im Land. Doch die Erklärung trifft nicht zu. Im laufenden Jahr sei bislang kein Rahm im aktiven Veredelungsverkehr importiert worden, schreibt das Bundesamt für Zoll und Grenzsicherheit (BAZG) auf Anfrage. 2025 waren es 5 Tonnen.
2026 war eine einzige Bewilligung für Rahm gültig, über 50 Tonnen. Sie wurde nicht genutzt und ist inzwischen nicht mehr gültig. Ein weiteres Gesuch für Rahm wurde abgelehnt, noch bevor die Branche dazu befragt wurde. Die Gesuchstellerin konnte keinen konkreten Bedarf ausweisen.
Es gibt kein Zollkontingent
Die rund 800 Tonnen kamen also auf dem regulären Weg in die Schweiz. Ein Zollkontingent für Rahm gibt es laut dem Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) nicht. Für Rahm mit mehr als zehn Prozent Fett, der weder eingedickt noch gesüsst ist, gilt laut BAZG ein Normalzoll von 1340 Franken pro 100 Kilo Bruttogewicht. Wer den Rahm einführt und wofür, geht aus den Antworten der Ämter nicht hervor.
Gemessen am Schweizer Markt ist die Menge klein. Allein an Konsumrahm wurden in der Schweiz bis August rund 41 900 Tonnen hergestellt. Exportiert wurden bis September 2577 Tonnen Rahm, mehr als dreimal so viel, wie eingeführt wurde. Die Butterimporte haben sich im gleichen Zeitraum auf 170 Tonnen mehr als halbiert.
Milch für den Export
Anders sieht es bei der Milch aus. Für den aktiven Veredelungsverkehr mit Milch sind 2026 laut BAZG vier Bewilligungen gültig, zusammen für 14 000 Tonnen über zwei Jahre, also 7000 Tonnen pro Jahr. Die bewilligte Menge entspricht etwa 0,2 Prozent der Schweizer Verkehrsmilch. Wie viel davon tatsächlich eingeführt wurde, gab das BAZG nicht an. Die Einfuhren im Veredelungsverkehr mit Milch und Rahm stammten 2026 laut BLW ausschliesslich aus Deutschland und Italien. Abgelehnt wurde 2026 kein Gesuch für Milch.
Über die Gesuche entscheidet das BAZG. Vorher befragt es die Branche: den Schweizer Bauernverband, die Branchenorganisation Milch, die Schweizer Milchproduzenten (SMP), die Vereinigung der Schweizerischen Milchindustrie und die Föderation der Schweizerischen Nahrungsmittel-Industrien (fial). Geht es um Käse, wird zusätzlich Fromarte befragt, bei Bioprodukten Bio Suisse.
Zwei Fragen entscheiden
Das BAZG stellt den Organisationen zwei Fragen: Gibt es gleichartige Schweizer Erzeugnisse in genügender Menge? Und wird ein allfälliger Preisnachteil des Schweizer Rohstoffs ausgeglichen? Trifft beides zu, wird die Bewilligung nicht erteilt. Ist nur eine der beiden Bedingungen erfüllt und stehen keine anderen überwiegenden öffentlichen Interessen entgegen, wird sie erteilt. Genug Schweizer Milch allein reicht nach dieser Regel also nicht, um ein Gesuch zu stoppen.
Das BLW wird im Verfahren ebenfalls angehört, hat bei der Bewilligung selbst aber keine aktive Rolle. Die Marktlage zu beurteilen, sei in erster Linie Sache der Branchenorganisationen, die den Markt und die aktuellen Entwicklungen am besten kennen, schreibt das Amt. Es verweise den Zoll deshalb regelmässig auf deren Einschätzung.
Wie die angehörten Organisationen zu den Gesuchen Stellung genommen haben, bleibt offen. Das BAZG gibt dazu keine Auskunft.

