Schweizer Holz: Industrieholz gefragt, aber schlecht bezahlt

Was der Borkenkäfer dieses Jahr angerichtet hat, kommt erst nächstes Jahr zum Vorschein. Was den Preis des Holzes weiter beeinflusst, besprachen die Berner Waldbesitzer an der Generalversammlung.

Es war wettermässig etwas stürmisch und regnerisch, als es um neun Uhr morgens für die 20. Generalversammlung der Berner Waldbesitzer (BWB) in Tramelan BE in Les Reussilles BE in den Wald ging. Dennoch konnte der Präsident Beat Zaugg an diesem 23. Oktober viele Mitglieder des BWB begrüssen. Der Wald in der Region Tramelan zeigte sich trotz des trockenen Sommers in einem sehr guten Zustand. Der Wald auf einer Höhe von rund 1000 m ü. M. ist hervorragend durchmischt, keine Baumart dominiert.

Buchen, Fichten, Douglasien, Eichen usw. sind die Baumarten, welche hier vorherrschen. «Ein Grund für den guten Zustand des Waldes könnte sein, dass dieser im Berner Jura schon jahrzehntelang mit wenig Humus auskommen muss. Daher ist auch sein Wurzelwerk viel tiefer als zum Beispiel in anderen Wäldern im Mittelland», sagte Claude-Alain Paroz, Präsident des Verbands der Waldeigentümer des Berner Juras.

Auch die Buche sei in dieser Gegend noch stark vertreten. Sie sei so stark dominant, dass man in der Jungwuchspflege sie teilweise sogar eliminieren müsse.

Der alte und neue Vorstand mit dem Präsidenten Beat Zaugg (vorn, zweiter von r.), der Geschäftsführerin Anja Leser und dem Vizepräsidenten Ernst Wandfluh (vorn, zweiter von l.). (Bild: Peter Fankhauser)

Der Hirsch ist noch kein Problem

Auch der Wildverbiss ist bisher nicht, wie in anderen Regionen, ein grosses Thema. Daher müsse man noch keine teuren Gegenmassnahmen ergreifen. In anderen Regionen, wie in Habkern im Berner Oberland, seien die Hirschschäden aus dem Ruder gelaufen.

«Der Wildverbiss ist bei uns massiv, wir wissen gar nicht mehr, wie wir diese Schäden noch korrigieren können», warnt Heinz Tschiemer aus Habkern, der auch Mitglied der Berner Waldbesitzer ist. Wird im Berner Jura der Hirsch auch einmal sesshaft, könnte es hier in ein paar Jahren genau so aussehen wie bei ihnen.

Obwohl der Hirsch im Berner Jura für den Wald noch keine grossen Sorgen bereitet, ist das Eschensterben, das auch andere Regionen stark betrifft, ein ernst zu nehmendes Thema.

Die Waldweiden mit alten Bäumen

Über fast 25 000 ha Waldfläche und Waldweiden verfügt der Berner Jura. «In Zukunft haben wir ein grosses Problem mit den Waldweiden», so Claude-Alain Paroz. Denn die mächtigen Fichten seien massiv überaltert, ihr Holz eher minderwertig. Neupflanzungen seien unumgänglich. Wegen des schlechten Ertrags sind die Eigentümer aber weniger bereit dazu.

Freuen tun sich hingegen die Waldbesitzer rund um Tramelan, da es im Dorf bald ein grosses Heizungsprojekt geben soll. 16 000 m³ Holz würde man dafür jährlich benötigen, das sei immerhin 1/3 des Brennholzes, welches jährlich in der Region geschlagen werde.

Der Wald rund um Tramelan BE ist gesund. Die meisten Baumarten gedeihen hier noch gut. (Bild: Peter Fankhauser)

Importe und Käferholz beeinflussen den Preis

Für die meisten Waldbesitzer sind aber der Holzmarkt und die Preise ausschlaggebend, ob sie holzen werden oder nicht. Hier gab Jonas Lichtenhahn, Holzvermarktungsspezialist beim Staatsforst in Bern, seine Prognosen ab.

«Holz ist und bleibt ein wertvoller Rohstoff», sagt der Fachmann. Importe und das viele Käferholz werden in Zukunft den Preis beeinflussen. «Es heisst, wachsam bleiben auf dem Holzmarkt. Mit den Verarbeitungsbetrieben sind wir aber gut aufgestellt», hält Lichtenhahn fest.

Relativ spät wurde dieses Jahr das viele Käferholz angeliefert. Vor allem alte Fichten seien vom Käfer betroffen gewesen. «Den grössten Teil dieses Holzes konnten wir blank (weiss) verkaufen», sagt Lichtenhahn. Dennoch bleibe das Risiko beim Borkenkäfer gross, so auch nächstes Jahr. «Die Käferbekämpfung im Wald lohnt sich allemal», ist er überzeugt. Die befallenen Bäume müssten so schnell wie möglich raus.

Erfreulich sei aber die Nachfrage nach Industrieholz, doch werde dieses schlecht bezahlt. Energieholz werde wegen der aktuell hohen Temperaturen noch wenig nachgefragt. Weiter empfahl Lichtenhahn, das Laubholz nicht zu spät auf den Markt zu bringen.

Die Schweiz ist ein Erdbebenland

Im Referat von Martin Geiser vom Institut Holzbau, der Berner Fachhochschule, zeigte er auf, wie die Erdbebensicherheit in der Schweiz aktuell aussehe. Und eines vorneweg: «Die Schweiz ist ein Erdbebenland», sagt Geiser. Alle 70 bis 100 Jahre gebe es hierzulande ein stärkeres Erdbeben.

Oft höre man, dass Basel und das Wallis am meisten von Erdbeben gefährdet seien. «Das stimmt, doch auch das Mittelland bleibt davon nicht verschont», warnt der Experte. Erdbebengerechte Wohnbauten seien daher wichtige Massnahmen, um später möglichst grosse Schäden verhindern zu können. Das Ziel in Zukunft werde deshalb sein: sämtliche Holz-Neubauten erdbebensicher zu gestalten.

Auch in Zukunft die wichtigsten Baustellen

Der Präsident vom BWB, Beat Zaugg, eröffnete am 23. Oktober die anschliessende Generalversammlung mit einer Ansprache. In den statutarischen Geschäften wurde der Geschäftsbericht von der Geschäftsführerin Anja Leser vorgestellt. Waldwirtschaft und Entwicklungsstrategie, Wald-Wild-Lebensstrategie seien dabei die wichtigsten Baustellen des letzten Jahres. Und werden es auch in Zukunft sein.

«Wir haben ein intensives Jahr hinter uns», sagt Leser zusammenfassend. Die Jahresrechnung musste mit einem leicht negativen Ergebnis (–1042 Franken) abschliessen. Der Mitgliederbeitrag bleibt aber von 1.40 Fr./ha pro Mitglied unverändert. Alle vier Jahre gibt es im BWB Gesamterneuerungswahlen. So wurden der Präsident Beat Zaugg, wie auch der Vizepräsident, der SVP-Nationalrat Ernst Wandfluh, wiedergewählt.

Die anderen Vorstandsmitglieder wurden in globo im Vorstand bestätigt. Als neues Vorstandsmitglied aus der Region Emmental kommt neu Beat Reber aus Trub BE in den Vorstand. Für den Oberaargau kommt der SVP-Grossrat Ruedi Sommer aus Wynigen BE neu dazu. Als BHFF-Kommissionsmitglied Landesteil Mittelland wurde Daniel Winzenried aus Herzwil BE einstimmig gewählt. Vom Landesteil Emmental kommt neu Ueli Aebi aus Wasen BE in die Kommission vom BHFF. Die anderen BHFF-Kommissionsmitglieder wurden in globo wiedergewählt.

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