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Traktor ohne Diesel: Welcher Antrieb künftig zu welchem Betrieb passt

Diesel raus. Elektro, Biomethan, HVO, Biodiesel, Pflanzenöl und Wasserstoff bieten Alternativen – doch welcher Antrieb passt zu welchem Betrieb? Eine Befragung von über 1300 Landwirten in Deutschland zeigt: Das Interesse ist gross, aber hohe Kosten, mangelnde Verfügbarkeit und fehlende Planungssicherheit bremsen den Umstieg.

Kurz & bündig

  • Bei einer Umfrage in Deutschland zeigen Landwirte Interesse an alternativen Antrieben.
  • Wichtig ist den Landwirten eine gute Planungssicherheit.
  • Elektroantriebe sind bei hofnahen Arbeiten gut geeignet.
  • Für schwere Zugarbeiten braucht es flüssige Kraftstoffe mit hohen Energiedichten.

Der Abschied vom fossilen Diesel ist auch in der Landwirtschaft ein Thema. Verschiedene Alternativen stehen bereit, sind jedoch noch wenig verbreitet. Das Forschungsprojekt «TrAkzeptanz» hat untersucht, unter welchen Bedingungen Landwirte bereit wären, umzusteigen.

«Eine zentrale Erkenntnis der Untersuchung ist, dass Landwirte erneuerbare Antriebe nicht grundsätzlich ablehnen», sagt Thomas Decker, Projektleiter von «TrAkzeptanz» und wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf (D).

Der Preis entscheidet mit

Der wichtigste Hinderungsgrund für einen Umstieg ist die Wirtschaftlichkeit. Alternative Antriebe sind in der Anschaffung teilweise teurer. Gleichzeitig stellen sich Fragen zu Betriebskosten, Reichweite, Lade- und Tankmöglichkeiten sowie zur Verfügbarkeit geeigneter Maschinen.

«Für einen Landwirt ist es schwierig, heute eine Investition zu tätigen, wenn er nicht weiss, welche Antriebstechnik sich langfristig durchsetzen wird», sagt Thomas Decker. Ein Traktor wird schliesslich über viele Jahre eingesetzt. Diese Unsicherheit bremst die Nachfrage und damit auch das Angebot. Denn wo wenig Nachfrage besteht, investieren die Hersteller weniger in entsprechende Maschinen.

Projekt TrAkzeptanz

Das Forschungsprojekt TrAkzeptanz (gefördert vom deutschen Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat) untersucht seit April 2024 und bis März 2027, warum alternative Antriebe in der Landwirtschaft bisher wenig verbreitet sind und unter welchen Bedingungen Landwirte bereit wären, auf klimafreundliche Antriebssysteme umzusteigen. Für die Studie wurden knapp 40 Expertinnen und Experten interviewt, Workshops mit Landwirten durchgeführt und mehr als 1300 Landwirte in Deutschland online befragt. Die Hochschule Weihenstephan-Triesdorf (HSWT) leitet das Verbundprojekt. Weitere Partner sind das Technologie- und Förderzentrum (TFZ).

Der elektrische Rigitrac hat seinen Einsatzbereich bei kommunalen wie auch bei landwirtschaftlichen Aufgaben. (Bild: Rigitrac / Edith Knüsel)

Es wird nicht nur einen Nachfolger geben

Einen direkten Nachfolger für den Diesel sehen die Forschenden momentan nicht. Vielmehr dürfte sich künftig je nach Einsatz die passende Antriebstechnik durchsetzen. «Es wird nicht den einen Antrieb für alle Arbeiten geben. Entscheidend ist, wo und wie ein Traktor eingesetzt wird», sagt der Projektleiter Thomas Decker.

Der T7 Methane Power von New Holland kann mit Biomethan aus Biogasanlagen betrieben werden. (Bild: New Holland)

Besonders viel wird derzeit über den Elektroantrieb gesprochen. Er eignet sich vor allem für leichte, kurze Einsätze wie Hofarbeiten, Fütterung, Stallarbeiten, kurze Transporte oder kleinere Grünlandarbeiten. «Wo ein Traktor regelmässig zum Hof zurückkommt, kann Elektro gut funktionieren.» Leiser Betrieb und keine lokalen Abgase sind weitere Vorteile. Bei langen Einsätzen mit hoher Leistung werden dagegen Batteriekapazität, Ladezeit, Gewicht und Investitionskosten zum Problem. Interessant ist der Elektroantrieb deshalb vor allem dort, wo eigener Solarstrom zur Verfügung steht und direkt genutzt werden kann. «Damit wird der Traktor Teil des Energiesystems des Hofes», so Decker. Die Traktorbatterie könnte künftig sogar zeitweise als flexibler Stromspeicher dienen.

Für mittelschwere Arbeiten mit längeren Einsatzzeiten kommt Biomethan infrage. Denkbar sind beispielsweise Transporte, Gülleausbringung oder die Futterernte. Voraussetzung ist eine Tankmöglichkeit in Hofnähe. Für Betriebe mit eigener Biogasanlage oder Biomethan-Tankstelle in der Nähe kann Biomethan deshalb besonders interessant sein. Eine eigene Biogasaufbereitungsanlage ist jedoch mit hohen Investitionskosten verbunden.

Bei schweren Zugarbeiten und langen Einsätzen bleibt die hohe Energiedichte flüssiger Kraftstoffe ein grosser Vorteil. Beim Pflügen, Grubbern, Säen oder bei langen Transportfahrten können deshalb Pflanzenöl, Biodiesel oder Hydriertes Pflanzenöl (engl. Hydrotreated Vegetable Oil = HVO) ihre Stärken ausspielen. «Wenn eine Maschine über viele Stunden viel Leistung bringen muss, wird die Energiedichte entscheidend», erklärt Decker.

Biokraftstoffe bleiben im Rennen

Bei den Biokraftstoffen gibt es verschiedene Ansätze. Pflanzenöl lässt sich beispielsweise aus selbst angebautem Raps gewinnen. Das Projekt TrAkzeptanz nennt dabei einen möglichen Kreislauf: Der Betrieb baut Raps an, verarbeitet ihn zu Pflanzenöl und nutzt den Rapskuchen als Futtermittel. Auch Biomethan kann wirtschaftlich interessant sein, wenn die nötige Infrastruktur vorhanden ist und zum Betrieb passt. Biodiesel und HVO haben wiederum den Vorteil, dass sie bei entsprechender Herstellerfreigabe auch in bestehenden Traktoren eingesetzt werden können (siehe Kasten). «Das ist für die Landwirtschaft interessant, weil nicht gleich die ganze Flotte ersetzt werden muss», sagt Decker. Entscheidend sei letztlich, dass Kraftstoff, Infrastruktur und Einsatz zum jeweiligen Betrieb passen.

Wasserstoff ist noch weit weg

Weniger Potenzial sieht das Projekt derzeit bei grünem Wasserstoff. Neben den hohen Kosten wäre vor allem die notwendige Infrastruktur eine Herausforderung. Im ländlichen Raum müssten erst entsprechende Tankmöglichkeiten aufgebaut werden. Im Projekt TrAkzeptanz wird erwähnt, dass grüner Wasserstoff auch in anderen Bereichen unter hohem Nutzungsdruck steht, insbesondere in der Industrie. Diese hat eine viel höhere Zahlungsbereitschaft für grünen Wasserstoff als die Landwirtschaft.

Der Wasserstoff-Traktor von Fendt speichert das Gas in Tanks auf dem Dach. Die Energieumwandlung zu Antriebsstrom erfolgt in einer Brennstoffzelle. (Bild: Fendt)

Die Rechnung über die ganze Nutzungsdauer

Wer heute einen Traktor kauft, sollte deshalb nicht nur auf den Anschaffungspreis schauen. Entscheidend ist, wie die Maschine während ihrer gesamten Nutzungsdauer eingesetzt wird:

  • Wie viele Stunden läuft sie?
  • Welche Arbeiten erledigt sie?
  • Wie lange sind die Einsätze?
  • Welche Energie steht auf dem Betrieb zur Verfügung?
  • Welche Kosten entstehen über die Jahre?

Das Forschungsprojekt TrAkzeptanz verweist dafür auf einen Rechner zur Wirtschaftlichkeit und zu den Treibhausgasemissionen sowie auf eine Marktübersicht zu verfügbaren Landmaschinen mit erneuerbaren Antriebsenergien.

Was gilt für die Schweiz?

Die Befragung wurde in Deutschland durchgeführt. Die Ergebnisse lassen sich deshalb nicht einfach eins zu eins auf die Schweiz übertragen.

Die grundsätzlichen Fragen beschäftigen jedoch auch Schweizer Landwirte:

  • Was kostet der Antrieb?
  • Ist die Maschine verfügbar?
  • Funktioniert sie im vorgesehenen Einsatz?
  • Gibt es die notwendige Infrastruktur?
  • Wie sicher kann ein Betrieb heute planen?

Bei Energiepreisen, Förderungen, Steuern und Betriebsstrukturen gibt es dagegen Unterschiede zwischen den Ländern. Diese können entscheidend dafür sein, welche Lösung sich für einen einzelnen Betrieb rechnet.

Die wichtigsten Alternativen zum Diesel

Elektro: Der Traktor wird mit einem Elektromotor und einer Batterie angetrieben. Der Strom kann aus dem Netz oder einer eigenen PV-Anlage kommen.

Biomethan: Biomethan entsteht aus der Vergärung von organischen Stoffen wie Gülle, Reststoffen oder Energiepflanzen. Aufbereitet kann es als gasförmiger Kraftstoff für entsprechend ausgerüstete Motoren dienen.

Pflanzenöl: Pflanzenöl, etwa Rapsöl, kann direkt als Kraftstoff genutzt werden. Dafür müssen Motor und Kraftstoffsystem entsprechend angepasst sein.

Biodiesel: Biodiesel entsteht durch eine chemische Umwandlung von Pflanzenölen oder Fetten. Dadurch erhält der Kraftstoff dieselähnliche Eigenschaften und kann bei entsprechender Freigabe in Dieselmotoren eingesetzt werden.

HVO: HVO steht für «Hydrotreated Vegetable Oil». Der synthetische Biokraftstoff wird aus pflanzlichen oder tierischen Ölen und Fetten hergestellt und ähnelt chemisch stark dem fossilen Diesel. Er kann bei entsprechender Freigabe in (neueren) Dieselmotoren eingesetzt werden.

Wasserstoff: Wasserstoff kann in speziell dafür ausgelegten Verbrennungsmotoren oder Brennstoffzellen genutzt werden. Er muss jedoch unter hohem Druck gespeichert und über eine entsprechende Tankinfrastruktur bereitgestellt werden.

Quelle: www.erneuerbar-tanken.de

Die Schweiz fördert Elektrotraktoren

Geht es nach dem Bundesamt für Landwirtschaft (BLW), sollen in Zukunft vor allem Traktoren mit einem Elektroantrieb als Dieselersatz zum Einsatz kommen. Gemäss Strukturverbesserungsverordnung (SVV) werden bei alternativen Antrieben nur Traktoren, die mit einem Elektromotor betrieben werden, gefördert. Die Förderung ist im Sinne einer Kampagne zur rascheren Einführung einer neuen Entwicklung bis Ende 2028 befristet, wie das BLW auf Anfrage mitteilt.

Der Bundesbeitrag beträgt 100 Franken pro kW Nennleistung des Elektromotors. Gefördert werden neue landwirtschaftliche Traktoren mit Elektromotor ab 30 kW. Bei einem Traktor mit beispielsweise 100 kW Elektroantrieb sind es also 10 000 Franken. Interessenten müssen vor dem Kauf ein Gesuch beim kantonalen Landwirtschaftsamt einreichen. Kantone können die Förderung zusätzlich unterstützen.

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