Hitzestress und Futtermangel wegen Trockenheit – aber keine Entspannung auf dem Milchmarkt

Das heisse und trockene Wetter drosselt die Milchproduktion. Nach wie vor liegen die Einlieferungen laut Branchenorganisation Milch (BOM) trotzdem noch immer über dem Vorjahr. Es sei damit zu rechnen, dass ab Herbst ungestützte C-Milch zum Thema wird.

Die Kühe leiden unter der Hitze und auf den Weiden wächst kaum mehr etwas. Wer angesichts dieser seit Wochen andauernden Wetterlage zumindest auf eine Entspannung auf dem Milchmarkt hofft, wird enttäuscht. Eine solche zeichne sich nicht ab, hält die Branchenorganisation Milch (BOM) in einer Mitteilung fest: «Die Situation mit Milchüberschüssen ist anhaltend und unverändert prekär.» 

Noch immer volle Butterlager

Zwar führten Hitze und Trockenheit derzeit tatsächlich zu einer Reduktion der Milchproduktion, räumt BOM-Geschäftsführer Stefan Kohler auf Anfrage der BauernZeitung ein. Von einer wirklichen Entspannung könne man aber noch nicht sprechen: «Die uns zur Verfügung stehenden Zahlen zeigen zwar einen Rückgang, aber immer noch Werte über dem Vorjahr», so Kohler. Man sei in den ersten Monaten mit einem Plus von bis zu neun Prozent gestartet, erinnert er. Weil auch die Gehalte an Milchfett und Milchprotein hoch waren, sind die Butterlager aktuell mit über 7000 t sehr hoch – trotz Entlastungsexporten im Umfang von bisher über 5000 t Butteräquivalenten in Form von Butter und Rahm.

Die Versorgung mit Schweizer Milch ist gemäss BOM nach wie vor «sehr gut». Vor allem ab dem Herbst 2026 werde wieder mit einem deutlichen Marktungleichgewicht gerechnet, falls keine Drosselung der Produktion erfolgt. Daher seien Massnahmen unabdingbar.

«Wenn es anders kommt, umso besser»

Die BOM teilt mit, am 2. Juli habe die neue Kommission «Marktanalyse Milchbranche und Massnahmen» ihre Arbeit aufgenommen. In den kommenden Wochen solle sie verschiedene Optionen zur Reduktion der Schweizer Milchproduktion prüfen. Zunächst habe diese Kommission eine umfangreiche Auslegeordnung gemacht mit einer kurz- und langfristigen Beurteilung der Situation.

Basierend darauf folgen Gespräche über Massnahmen in den kommenden Sitzungen. «Wenn sich im Verlauf des Spätsommers jedoch zeigen wird, dass Massnahmen nicht mehr nötig sind, können wir immer noch darauf verzichten», bemerkt Stefan Kohler. Bis definitive Entscheide gefällt würden, vergingen schliesslich noch ein paar Wochen. «Wir gehen jetzt von einem Szenario mit Überschüssen aus. Wenn es dann anders kommt, umso besser.»

Bei den Massnahmen will die BOM nicht nur über die Produktion sprechen. Die verbesserte Nutzung der Verarbeitungskapazitäten soll ebenfalls zur Abfederung des Problems beitragen. Konkrete Schritte dazu bespreche die Kommission in den kommenden Sitzungen, sagt Stefan Kohler. Es gehe aber darum, besser mit Produktionsspitzen umgehen zu können.

Der Detailhandel sitzt in der Kommission mit am Tisch

«Gleichzeitig will die Milchbranche alle Möglichkeiten ausschöpfen, um dem Importdruck zu begegnen, damit mehr Wertschöpfung aus Schweizer Milch hergestellt und die Importe zurückgedrängt werden», heisst es in der Mitteilung der BOM weiter.

Unter den Kommissionsmitgliedern seien auch Vertreter des Detailhandels, bestätigt der Geschäftsführer. Er hält das aus verschiedenen Gründen für wichtig: «Der Detailhandel ist in Aktionen zur Förderung des Absatzes bereits einbezogen, wie zum Beispiel in den Milchwochen, die von Swissmilk initiiert worden sind.» Bei den Milchwochen gibt es Aktionen und ein Gewinnspiel, gekoppelt an den Kauf von Schweizer Milchprodukten. Beteiligt daran sind neben Coop und Migros u.a. auch Denner, Aldi und Volg. «Dann ist es wichtig, dass wir vom Detailhandel aus erster Hand erfahren, was ihre Vorschläge zur Minderung des Problems sind», fährt Stefan Kohler fort. Zudem sei die direkte Mitsprache an Massnahmen der Milchbranche ebenfalls wichtig.

Stärkung der Segmentierung steht im Zentrum

Trotzdem stehen Massnahmen, damit weniger Milch produziert wird, nach wie vor im Zentrum. Die Milchproduzenten seien die Hauptleidtragenden im Marktungleichgewicht, ist sich Kohler bewusst. Er sagt aber: «Um eine temporäre Reduktion der Produktionsmenge kommen wir nicht herum bei Überschusssituationen.» Primär geht es um eine Stärkung der Segmentierung. Zur Diskussion stehen in der Kommission eine höhere Verbindlichkeit durch verpflichtende Massnahmen und mehr Transparenz. Das heisse auch mehr Solidarität unter den einzelnen Erstmilchkäufern. «Eine verbesserte Transparenz soll dafür sorgen, dass wir jederzeit wissen, wer wie viel C-Milch ein- und verkauft hat», erklärt Kohler.

Im Herbst möglicherweise Tiefstpreise für gewisses Marktsegment

Es ist laut BOM damit zu rechnen, dass ab Herbst ungestützte C-Milch zum Thema wird. Das bedeutet Tiefstpreise für ein gewisses Marktsegment, was insbesondere stark spezialisierte Milchwirtschaftsbetriebe in finanzielle Not bringen könnte. Massnahmen zu deren Unterstützung thematisiert die neue BOM-Kommission indes nicht. «Wir haben mit dem Fonds Regulierung das Bestmögliche getan und helfen denjenigen Handelsorganisationen mit hohem C-Milch-Anteil mit einer sehr hohen Stützung der Milch», gibt Stefan Kohler zu bedenken. Im Juni habe man die C-Milch mit 24 Rp./kg Milch gestützt.

Die Milchproduktion in der Schweiz lag auch im Mai über dem Vorjahr, wie die aktuelle Monatstatistik von TSM Treuhand zeigt.(Bild: TSM Solutions)

Auch im Mai über dem Vorjahreswert

Während die monatliche Milchproduktion hierzulande im April noch 2 Prozent über dem Vorjahr lag, waren es laut der aktuellen Marktstatistik von TSM Solutions im Mai 2,1 Prozent. Im Vergleich zur Vorjahresperiode wurden von Januar bis Mai rund 16 Prozent mehr Butter und in etwa gleich viel Milchpulver hergestellt. Der Käseexport stieg in dieser Zeit um rund 7 Prozent, die Käseimporte gingen um 1,6 Prozent zurück. Frischkäse ist nach wie vor mengenmässig mit deutlichem Abstand das wichtigste Importprodukt beim Käse.

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