Herr Müller, wie ist ihr erster Eindruck vom Bericht?
LEO MÜLLER: Auf den ersten Blick erscheint mir der Bericht sehr umfangreich und ausführlich. Das Fazit des Berichts, dass man grundsätzlich am System der SAK festhalten will, beurteile ich als sehr positiv.

Warum?
MÜLLER: Es war nie die Idee meines Vorstosses, etwas zu verkomplizieren. Der administrative Aufwand soll auf keinen Fall weiter zunehmen.

Gibt es noch weitere positive Punkte?
MÜLLER: Ebenfalls als positiv bewerte ich die Aufnahme der landwirtschaftsnahen Tätigkeiten in die SAK-Berechnung. Das war schon seit längerem ein Hauptanliegen. Die Betriebe haben sich im Verlaufe der Zeit verändert und sich neue Zweige aufgebaut. Dem muss man nun Rechnung tragen.

Die landwirtschaftsnahen Tätigkeiten werden nur beim bäuerlichen Bodenrecht und den Strukturverbesserungen berücksichtigt. Nach wie vor nicht berücksichtigt werden sie bei den Direktzahlungen.
MÜLLER: Dafür habe ich bis zu einem gewissen Grad auch Verständnis. Gerade bei sehr kleinen Betrieben läuft man sonst Gefahr, dass die landwirtschaftsnahen Tätigkeiten Überhand gewinnen und der Kern, die Landwirtschaft selbst, immer mehr in den Hintergrund geraten.

Die vorgeschlagenen Änderungen sollen mit dem Herbstpaket 2015 in die Anhörung gehen.
MÜLLER: Und das ist auch gut so. Es ist wichtig, dass die Diskussion angekurbelt wird und breit abgestützt ist. Das habe ich mir ebenfalls von meinem Postulat erhofft.

Was beurteilen Sie eher als negativ?
MÜLLER: Ich würde die Umsetzung der Änderungsvorschlägen in einem, anstatt wie in vorgeschlagen zwei Schritten, bevorzugen. Für mich sind Planungs- und Rechtssicherheit zentral. Ein Vorgehen in zwei Schritten bedeutet zweimal Ungewissheit für die Bauernfamilien. Ich empfand es damals als Chance, dass man die Diskussion um die SAK unabhängig von anderen agrarpolitischen Massnahmen führen wollte. Deshalb bin ich der Meinung, dass man die Zwischenzeit bis zur Agrarpolitik 2018-21 nutzen und die Massnahmen in einem Schritt umsetzen sollte.

In einem weiteren Schritt soll die «wirtschaftliche Förderungswürdigkeit» in die SAK-Berechnung einfliessen.
MÜLLER: Diesen Vorschlag habe ich mit Zurückhaltung gelesen. Dort muss sicher noch intensiv überprüft werden, wie diese Förderungswürdigkeit umgesetzt werden kann, ohne andere Betriebe zu benachteiligen.

Interview Julia Schwery