Sobald sie den Ring betritt, richten sich immer alle Augen auf sie: Die Rede ist von der wunderschönen Swiss Fleckviehkuh Bond Arnika der Familie Heidi und Ferdinand Bergmann aus Abländschen. Neben dem Schöneutersieg am Jungkuhchampionat in Thun, waren ihr SF-Titel an der VSA-Ausstellung und besonders der Rassensieg an der Bernischen Eliteschau 2017 ein grosses Highlight. «Ja, sie ist schon etwas Besonderes für uns», sagt Ferdinand Bergmann am Küchentisch. Die aus der Zucht von Hansueli Bütschi aus Eriswil stammende Arnika hat als trächtiges Rind den Weg nach Abländschen gefunden und seither der Züchterfamilie viel Freude bereitet und ihr schon zwei Kuhkälber von den Stieren Cocorossa und Tornado geschenkt. Mit ihrer Eleganz und dem tadellosen Euter verkörpert Arnika, die mit dem Maximum von 44 44 94 punktiert ist, das Zuchtziel der Swiss Fleckviehkuh auf eindrückliche Art und Weise.

Ihr Herz schlägt für zwei 

Die Familie Bergmann ist keine «gewöhnliche» Züchterfamilie, denn in ihrem Stall stehen zwei Farben. Von den 20 Kühen sind zirka zwölf OB- oder zurückgekreuzte Brown-Swiss-Kühe (ROB) und der Rest gehört der Swiss Fleckviehrasse an. «Unser Herz schlägt halt für beide Rassen», lachen die Bergmanns. «Ich bin zu Hause im Fermeltal mit braunen Kühen aufgewachsen und habe seinerzeit meiner Frau zuliebe, die aus dem Zürcher Oberland stammt, zwei rote Kühe zugekauft», sagt der Landwirt schmunzelnd. Seither hat sich über die Nachzucht dieser zwei Pickel-Kühe ein roter Faden durch den Stall gezogen. Und welche Rasse ist letztlich besser? «Der Unterschied ist viel kleiner, als immer behauptet wird», weicht Bergmann elegant aus. Auf jeden Fall konnte die Züchterfamilie auch mit ihren Braunen schon Siege, wie an der Regionalschau, feiern. Und mit ihrem OB-Stier Herbi konnte sie sogar eine männliche Halteprämienschau mit 22 Nachkommen durchführen. Nicht nur schöne Kühe sind ihre grosse Leidenschaft; auch die Ziegenzucht und vor allem die Pfauenziege haben es den Bergmanns angetan. 15 Milchgeissen sind es zurzeit, und Ferdinand Bergmann ist seit drei Jahren auch als Experte an den Ziegenausstellungen anzutreffen.

Wie ein Wunder

Dass die Bergbauerfamilie mit ihren vier Kindern Martin, Daniela, Toni und Andrea überhaupt einen Betrieb bewirtschaftet, grenzt schon fast an ein Wunder. So verfügen der gelernte Zimmermann und die gelernte Bäcker-Konditorin über keine landwirtschaftliche Ausbildung. Auch einen familiären Betrieb hatten sie nicht in der Hinterhand, den sie übernehmen konnten. «Unser Traum war es aber immer, einen eigenen Betrieb zu führen», sagen Heidi und Ferdinand Bergmann. «Vor allem die fehlende Ausbildung war bei der Suche sicher nicht hilfreich», stellen sie rückblickend fest. Auch als der Betrieb in Abländschen zur Pacht ausgeschrieben wurde, bekamen Bergmanns zuerst eine Absage. Erst als der auserwählte Pächter das Inventar nicht bezahlen konnte, kamen sie durch glückliche Umstände doch noch zum Zuge und konnten den Betrieb am 1. Mai 1998 pachten; elf Jahre später, 2009, ihn sogar käuflich erwerben. «Wir haben praktisch mit Null angefangen, nur ein paar Maschinen konnten wir vom Verpächter übernehmen.» Der Viehbestand musste gänzlich durch Zukäufe aufgebaut werden. «Wir haben praktisch mit einer Kuh, die Ferdinand von zu Hause mitgebracht hat, angefangen», erinnert sich das Betriebsleiterehepaar an die Anfänge zurück. 

Wölfe und Lüchse

Abländschen liegt in einem Seitental bei Jaun. Buchstäblich dort, wo sich Wölfe und Luchse gute Nacht sagen. Auf 1300 m ü. M. in der Zone IV bewirtschaften Bergmanns einen 30-Hektaren-Betrieb. Die Hänge sind steil, die Arbeit ist hart. «Wegen dieser Topografie bevorzugen wir eine robuste Rasse, wie wir sie züchten», halten Ferdinand und Heidi Bergmann fest. Den Sommer verbringen die Kühe auf verschiedenen Alpen, die Nachzucht frisst an den eigenen Steilhängen. «Früher gingen wir mit unserem Vieh auf eine gepachtete Alp selber z Bärg», sinnieren sie. «Unser Traum ist es, wieder eine Alp zu finden, auf der wir den Sommer mit unserem Vieh verbringen können.»

Peter Fankhauser