Die Käseausfuhren gingen mengenmässig im ersten Halbjahr des laufenden Jahres weiter zurück (vgl. Kasten). Doch jetzt tun sich in Russland neue Exportchancen auf. Russland importierte 2013 rund 260'000 Tonnen Käse aus der EU. Damit ist nach der Importsperre für Nahrungsmittel aus der EU, den USA, Australien, Kanada und Norwegen mindestens ein Jahr lang Schluss. Und Russland sucht Ersatz. Auch in der Schweiz gingen Anfragen ein.

Emmi-Sprecherin Sibylle Umiker spricht von Anfragen, die «über verschiedene Kanäle» eingegangen seien. Beim führenden Schweizer Milchkonzern gibt man sich aber zurückhaltend. Bei den russischen Käseimporten handle es sich «primär um billigen Industriekäse». In diesem Segment sei Emmi «aus gutem Grund» nicht tätig. Umiker: «Die Schweizer Milchwirtschaft ist nicht in der Lage, auf diesem Gebiet mit der ausländischen Konkurrenz mitzuhalten.»

Absatzmöglichkeiten für Sortenkäse «bescheiden»


Billigen Industriekäse wird in der Schweiz zwar auch hergestellt, aber lediglich in kleinen Mengen. Und was ist mit den traditionellen Schweizer Käsesorten wie Gruyère, Emmentaler und Appenzeller?

Die Nachfrage nach ihnen sei «kurzfristig» auch angestiegen, so Sibylle Umiker. Emmi werde hier mit bestehenden Kunden die Möglichkeiten «sicher» ausloten. Aufgrund des Preises von Schweizer Sortenkäse seien die Absatzmöglichkeiten in Russland «jedoch bescheiden», schätzt Umiker die Situation ein. Schweizer Käse bewege sich in einer «sehr kleinen Marktnische». Durch den Wertverlust des Rubels sei die Zahl der Russinnen und Russen, die sich Schweizer Käse leisten können, noch kleiner geworden. Emmi setzt in Russland heute lediglich einen einstelligen Millionen
betrag um.


Nach Russland dürften insgesamt 22 Unternehmen Schweizer Käse und Milchprodukte nach Russland ausführen, wie auf der Website der dafür zuständigen russischen Behörde «Rossel-khoznadzor» nachzulesen ist. Darunter befinden sich neun Emmi-Firmen.


Umgehungsgeschäfte werden unterbunden


In der Exportstatistik der TSM  Treuhand GmbH werden die Exporte nach Russland bis anhin den «anderen Ländern» in Europa zugeordnet. Im ersten Halbjahr 2014 gingen in diese Märkte 2227 von insgesamt 25'198 Tonnen auf diesen Kontinent ausgeführten Schweizer Käse. Ob und wie stark sich das russische Handelsembargo auswirken wird, lässt sich frühestens im Herbst sagen.


Die Schweiz ist von den Russland-Sanktionen nicht betroffen, und deshalb sind auch neue Exportgeschäfte mit Schweizer Nahrungsmitteln mit diesem Land rechtens, wie Bundesrat Johann Schneider-Ammann festhielt. Anders sieht es mit den sogenannten Umgehungsgeschäften aus. Händler aus der EU versuchen das Embargo über die Schweiz zu unterlaufen. Die Anfragen, EU-Ware in der Schweiz zertifizieren zu lassen, würden nicht bewilligt, hielt BLW-Sprecher Jürg Jordi gegenüber «Blick am Abend» fest.

hag