Zwei knusprige Japonais-Herzen, dazwischen eine luftig-süsse Füllung aus Praliné-Crème, das Ganze überzogen mit feinen Schokolade-Linien. "Maya’s Herzli-Guetzli" halten auch geschmacklich, was bereits ihr Anblick verspricht. Am Morgen frisch gebacken, vergeht diese Köstlichkeit beinahe auf der Zunge.
Zuhause ist es am besten
In der offenen, lichtdurchfluteten Küche hantiert Maya Herger routiniert mit dem Spritzsack. Eines ums andere bekommen die letzten Herzen ihre Füllung, dann fehlt nur noch die Dekoration. Und die ist aus Schokolade, das Fachgebiet der gelernten Konditor-Confiseurin. Sie ist die einzige, die für "Ürner Hüsgmachts" Schokoladiges herstellt. Ein Vorteil, wie sie findet. Und sie verwendet nicht irgendwelche Zutaten, sondern "Felchlin-Schoggi, die beste weltweit." Teil von "Ürner Hüsgmachts", dem Vermarktungsprojekt von Urner Bäuerinnen, ist die 34-Jährige seit fünf Jahren. Nach der Geburt des ältesten Sohns Mike (6) war das die ideale Lösung: Ein schöner Zustupf für das Haushaltbudget, freie Zeiteinteilung und die Familie leidet nicht unter der Nebenbeschäftigung: "Mit Kindern ist es zuhause am einfachsten, alle anziehen und weggehen ist für mich der grössere Stress." So aber bringt Maya Herger alles unter einen Hut: Die Töchter Larissa (4) und Selina (2) beschäftigen sich auf Mamis Rat hin mit ihrem Spielzeugbauernhof, während sie Marco, den jüngsten Spross, aus seiner Wiege im Wohnzimmer hebt und dabei erzählt.
Echte Zufriedenheit
"Ich habe meine Erfüllung gefunden", bestätigt die Urnerin beim Blick über den See und in die umliegenden Berge. "Markus und ich standen bisher wirklich auf der Sonnenseite." Ihr Rezept: Ohne grosse Erwartungen, dafür mit positiver Einstellung durchs Leben gehen. Als Bauerntochter mit neun Geschwistern im Schächental aufgewachsen, wollte sie nie mitten im Dorf leben. Der Flecken Land ob Seedorf, den Hergers auf ein Inserat hin besichtigten, liess vorerst keine grossen Erwartungen zu: Etwas mehr als eine Hektare, "stotzige" Hänge, ein uraltes Haus, keine Zufahrtsstrasse, dafür der unmittelbare Blick hinunter auf die Autobahn.
Für den Traum arbeiten
Mit viel Eigenleistung machten Maya und Markus Herger das Heimet "Biel" zu einem richtigen Zuhause. "Ohne öffentliche Gelder, da wir zu klein sind." 2010 stand der Einzug ins neue Haus an, eine Strasse erleichtert die Zufahrt und später folgte noch ein Stall, der heute das Zuhause von rund 20 Burenziegen ist. Während ihr Mann Markus Vollzeit als Baumaschinenmechaniker arbeitet, betreut die vierfache Mutter die Tiere. "Wir sind nur Hobbybauern", betont sie. Dass die Kinder im "Gadä" helfen und beim Heuen ihren eigenen Rechen tragen können, ist der grösste Gewinn. Die vierjährige Larissa sei eine richtige Tierärztin, sie führe bei den Gitzi eine regelmässige Klauen- und Zahnkontrolle durch.
Das lebhafte blonde Mädchen weiss wie das Bauern läuft, in diesem Moment kommt sie mit einem Spielzeugbecher angelaufen: "Mami probier, ich habe meine Kuh gemolken." Wenig später entspringen ihrer Fantasie auch noch Ziegen- und sogar Reh- und Gemsmilch, aus der sie übrigens feinen Käse machen will. "Ihr Dädi ist halt noch Jäger", erklärt Maya Herger lachend.
Die Geschenke-Saison naht
Der Ideenreichtum scheint offensichtlich in der Familie zu liegen – bei "Ürner Hüsgmachts" sowie in ausgewählten Geschäften gibt es auch "Maya’s" Salatsauce, Apfelchips in Schokolade, Rahm-, Champagner- und Baileystruffes. "Momentan läuft die Produktion auf Hochtouren und wir müssen teils Interessenten absagen." Ihr Pensum schätzt Herger im Jahresdurchschnitt auf rund 25 Prozent. Dazu kommen vereinzelt Kurse wie jener zur Tortenherstellung an der Bäuerinnenschule. "Ich suche es nicht, solche Sachen kommen manchmal auf einen zu", berichtet Maya Herger ebenso gelassen wie über berufliche Zukunftspläne. "Das überlasse ich dem Schicksal", gibt sie ihrem Optimismus Ausdruck.
Nicht mal von der rauschenden Autobahn lässt sich die Bäuerin stören: "So höre ich den Alltag und fühle mich überhaupt nicht alleine hier, obwohl wir keine unmittelbaren Nachbarn haben", streicht sie das Positive hervor.
ag
Dieser Artikel ist aus der Printausgabe vom 24. November: Lernen Sie die BauernZeitung jetzt 4 Wochen kostenlos kennen und gewinnen Sie einen Reisegutschein im Wert von 3000 CHF