Jahrzehntelang prüfte die Forschungsanstalt Agroscope in Tänikon TG Traktoren auf Schweizer Bedürfnisse hin. Der letzte Test wurde 2015 veröffentlicht, schreibt Thomas Anken von Agroscope auf Anfrage. Gelesen werden die alten Berichte aber bis heute. Weil viele Traktoren über 30 Jahre im Einsatz stehen, würden sie immer wieder konsultiert. Neue kommen keine dazu: «Routinemässige und umfassende Prüfstandmessungen werden in der Schweiz keine mehr durchgeführt.»
Geprüft wird dafür weiterhin in Deutschland, von der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG). Mit deren Zahlen wirbt der Motorenhersteller AGCO Power für den Fendt 832 Vario, das grösste Modell der neuen 800er-Reihe. Mit 235 Gramm Diesel pro Kilowattstunde hat kein anderer Traktor seiner Leistungsklasse im DLG-Test weniger gebraucht. Auch andere Fendt-Traktoren mit den neuen Motoren hätten in ihrer Klasse führende Werte erreicht, heisst es in der Mitteilung, die AGCO Power zur Forstmesse Interforst in München DE verschickte.
Die Motoren stecken unter anderem in den Baureihen Vario 500 und Vario 800, die Fendt im Herbst 2025 vorgestellt hat. Sie kommen ohne Abgasrückführung aus. Ein Vario 500 ist in der Mitteilung nicht aufgeführt.
Was zehn Prozent ausmachen
Der Wert in Gramm pro Kilowattstunde gibt an, wie viel Diesel ein Traktor für eine bestimmte Menge geleisteter Arbeit braucht. Was heissen einige Gramm weniger im Portemonnaie? Marco Landis vom Strickhof rechnet es vor: Ein Unterschied von 23,5 Gramm entspricht bei einem Verbrauch von 235 Gramm rund 10 Prozent. Bei 2000 Litern Diesel im Jahr sind das theoretisch 200 Liter. Bei einem Dieselpreis von derzeit rund Fr. 2.30 pro Liter macht das 460 Franken im Jahr.
Landis betont, dass diese Rechnung nur theoretisch sei. Wie viel tatsächlich hängen bleibt, hänge vom effektiven Minderverbrauch und von der jährlichen Dieselmenge ab.
Ein Test ist kein Hofalltag
Die DLG vergleicht nur Traktoren, deren Leistung höchstens 20 kW auseinanderliegt. Das sei «zwingend erforderlich, um nicht Äpfel mit Birnen zu vergleichen», sagt Marco Landis. Ein grosser Motor arbeite effizienter als ein kleiner, weil der Anteil der Reibungsverluste sinke. Fair sei ein Vergleich nur zwischen gleich starken Traktoren mit möglichst gleicher Ausstattung.
Kleine Parzellen, Hanglagen und viele Transportfahrten bildet ein genormter Test nicht eins zu eins ab. Er versuche, den Einsatz möglichst realitätsnah nachzustellen, sei aber immer ein Kompromiss, sagt Landis. Jeder Traktor werde anders eingesetzt, der eine nur auf der Strasse, der andere nur im Ackerbau oder auf einem Gemischtbetrieb.
Der Wert des Tests liege darin, dass alle Traktoren unter den gleichen Bedingungen geprüft würden. Wie gut die Zahlen zum eigenen Betrieb passen, sei sehr individuell. Es hänge davon ab, wofür der Traktor gebraucht wird, wie sparsam er gefahren wird und wie er ausgerüstet ist, etwa bei den Reifen.
Weniger Diesel, mehr Adblue?
Neben Diesel braucht der Fendt 832 laut Test auch 29 Gramm Adblue pro Kilowattstunde. Ob ein Hersteller auf die Abgasrückführung setzt oder nicht, sei ihm überlassen, solange die Abgasgrenzwerte eingehalten werden, sagt Marco Landis. Die Abgasrückführung senkt den Ausstoss von Stickoxiden schon im Motor. Ohne sie müsse der Katalysator mehr leisten, indem er Adblue in die Abgase einspritzt. «Je mehr Stickoxide nach dem Motor reduziert werden müssen, desto höher wird der Adblue-Verbrauch.»
Ohnehin sei ein sparsamer Motor nur ein Puzzlestück, sagt Marco Landis. Ebenso wichtig seien die Fahrweise, die richtig eingestellten Maschinen und die Art der Bewirtschaftung (siehe Kasten).
Aus Spargründen eingestellt
Die Traktorentests in Tänikon fielen den Sparrunden und der Neuausrichtung von Agroscope zum Opfer. Der Prozess sei vom Bundesamt für Landwirtschaft geleitet und von zahlreichen Parlamentariern begleitet worden, so Thomas Anken.
Die DLG-Ergebnisse liessen sich auf die Schweiz übertragen, auch wenn sie etwa bei den Abgasmessungen Lücken hätten. Praxistests und einzelne Studien machen laut Anken unter anderem die HAFL in Zollikofen, Landtechnik Schweiz und AM Suisse. Agroscope selbst veröffentlicht zum Traktor heute vor allem noch die Maschinenkosten.
So lässt sich Diesel sparen
Marco Landis vom Strickhof nennt diese Punkte:
- Die Bewirtschaftung anpassen, zum Beispiel den Boden nicht unnötig tief bearbeiten oder einen Messerbalken statt eines Rotationsmähwerks einsetzen.
- Im optimalen Verbrauchsbereich fahren, also mit tieferer Drehzahl: rechtzeitig hochschalten oder die Eco-Zapfwelle nutzen. Gleichzeitig muss die Motorbelastung stimmen, der Traktor muss also zur Arbeit passen.
- Den Reifendruck für Feld und Strasse anpassen.
- Den Traktor passend ballastieren.
- Die Maschinen richtig einstellen, etwa scharfe Messer am Mähwerk oder den korrekten Zugpunkt beim Pflug.
- Kühler und Luftfilter warten und passende Öle verwenden.

Gemessen wird in Deutschland
Kommentar von Simone Barth
Ich habe bei Agroscope nachgefragt, ob es Schweizer Verbrauchsmessungen für Traktoren gibt. Die Antwort war kurz: Agroscope ist auf diesem Gebiet nicht mehr tätig. Der letzte Traktorentest aus Tänikon stammt von 2015. Gestrichen wurde er in den Sparrunden, unter der Leitung des Bundesamts für Landwirtschaft und begleitet von zahlreichen Parlamentariern. Mir war das nicht bewusst. Ich vermute, vielen Bäuerinnen und Bauern geht es gleich.
Die alten Berichte werden noch heute gelesen. Viele Traktoren stehen über 30 Jahre im Einsatz, deshalb würden die Tests immer wieder konsultiert, schreibt Agroscope selbst. Für neue Modelle gibt es nichts mehr.
Was das bedeutet, zeigt Fendt. Der Hersteller wirbt mit Bestwerten beim Dieselverbrauch, gemessen von der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft. Alle genannten Werte stammen von grossen Traktoren. Zum Vario 500, der auf vielen unserer Betriebe eher infrage käme, nennt die Werbung keine Zahl. Genau diese Zahl bräuchten wir.
Agroscope hält die deutschen Resultate für übertragbar. Für den Prüfstand mag das gelten. Unser Alltag aber spielt sich auf kleinen Parzellen ab, am Hang und auf vielen Fahrten zwischen Hof und Feld. Marco Landis vom Strickhof sagt es selbst: Jeder Test ist ein Kompromiss. Nur bestimmt diesen Kompromiss die DLG, nicht wir.
Wir haben uns angewöhnt, deutsche Forschung so zu lesen, als wäre sie für die Schweiz gemacht. Das ist bequem und billig. Was es kostet, zeigt der Traktor: Wir geben die Deutungshoheit über unsere eigenen Verhältnisse aus der Hand. Und gespart wird weiter. Im Juni 2026 hat Agroscope den Abbau von 58 Vollzeitstellen angekündigt.
Den alten Prüfstand einfach zurückzufordern, greift trotzdem zu kurz. Forschung, die bei den Bauern ankommen soll, muss bei ihnen anfangen. Welche Traktoren laufen auf unseren Betrieben? Welche Arbeiten brauchen am meisten Diesel? Was will ich wissen, bevor ich einen Traktor kaufe? Diese Fragen müssten von den Höfen kommen, und die Bauern müssten mitreden, was gemessen wird. Eine solche Forschung hätte einen Rückhalt, den man in Bern nicht so leicht wegspart.

