Derzeit treten im Sarganserland massenhaft Eulenraupen auf. Bislang war die Ausbreitung der Raupen auf das Sarganserland und das Seeztal begrenzt. Dass eine weitere Verbreitung jedoch durchaus möglich sei, sagte Daniela Büchel-Marschall, Leiterin Ressort Acker und Spezialkulturen am Landwirtschaftlichen Zentrum St. Gallen (LZSG) , kürzlich gegenüber der Bauernzeitung. Dies bestätigte sich nun.
Auch die Gemeinde Balzers in Liechtenstein informierte über erste Ansammlungen der Einpunkt-Graseule jenseits des Rheins. Auf Schweizer Seite reiche die Ausbreitung von Wartau bis zum Walensee, wie das St. Galler Amt für Natur, Jagd und Fischerei (ANJF) gegenüber dem «SRF» mitteilt.
Ein weiterer harter Schlag
Urs Horni, Landwirt aus Bad Ragaz SG, ist ebenfalls stark von der Raupenplage betroffen. Seine nach dem Getreide frisch angesäten Kunstwiesen und auch die alten Kunstwiesen, die nach der Trockenheit im Sommer nun wieder grün wurden, seien komplett kahl gefressen.
«Man konnte zuschauen, wie die Raupen über die Strasse auf die Wiesen kamen. Bei uns haben sie 12 bis 15 ha gefressen. Wir hatten zwar noch Futter vom letzten Jahr vorrätig, müssen nun aber auch zukaufen für den Winter», erzählt der Milchviehhalter.
Urs Horni hat auf die Raupenplage hin seine Fruchtfolge angepasst. Er hat die kahlen Flächen gepflügt und Weizen angesät. Nach dem trockenen Sommer und den bereits damit verbundenen Einbussen beim Futter war die Raupenplage jetzt ein weiterer harter Schlag. «In normalen Jahren haben wir ausreichend Herbstfutter. Dieses fehlt in diesem Jahr komplett», sagt Urs Horni klar.
Keine systematische Überwachung
Weil es sich nicht um eine gebietsfremde Art handelt, werden derzeit auch keine kantonalen Strategien zur Bekämpfung ausgearbeitet. Auch eine systematische Überwachung findet nicht statt.
Im Vordergrund stehe aktuell die fachliche Beurteilung der Situation und ihrer Entwicklung, gibt das ANJF gegenüber der stark von der Plage betroffenen Gemeinde Wartau Auskunft.
Beratung vor Bekämpfung
Das Amt gibt zudem Hinweise zum bestmöglichen Umgang mit den Raupen. Im privaten Bereich sei von einer Bekämpfung derzeit abzusehen. Bei landwirtschaftlichen Kulturen könne demnach je nach Kultur, Befallsstärke und Entwicklungsstadium der Raupen eine Behandlung sinnvoll sein.
Ob und mit welchem Mittel eine Bekämpfung sinnvoll ist, sollten betroffene Landwirte jedoch mit dem LZSG abstimmen. Das LZSG könne die Situation anhand der betroffenen Kultur und des erwarteten Schadens beurteilen und zu geeigneten Massnahmen beraten.
Eine spezielle finanzielle Unterstützung des Kantons für die Bekämpfung der aktuellen Eulenraupen-Massenvermehrung sei ebenfalls nicht vorgesehen. Die betroffenen Gemeinden können jedoch eine Beratung in Anspruch nehmen.
Insbesondere bei einem grösseren Auftreten auf landwirtschaftlichen Flächen sei eine fachliche Beurteilung sinnvoll, da dort je nach Kultur und Schadensausmass andere Massnahmen infrage kommen können, unterstreicht das ANJF.

Ausfall geht an die Substanz
Ruedi Thomann, Präsident des St. Galler Bauernverbandes, bestätigt, dass die Plage ein massives Schadensausmass erreicht habe. «Mittlerweile geht der durch die Raupen verursachte Ausfall den betroffenen Betrieben an die Substanz», ordnet er ein und blickt vor diesem Hintergrund kritisch auf den kommenden Frühling.
Landwirtinnen und Landwirte, die die kahl gefressenen Wiesen frisch einsäen mussten, verzeichnen dadurch finanzielle Einbussen, die gegebenenfalls durch externe Hilfeleistungen ausgeglichen werden müssen, so Thomann. In Hinblick auf Bekämpfung sei nicht viel zu machen, man könne derzeit nur auf Wetterbedingungen hoffen, die die Raupenplage eindämmen.

