Der Boden ist ein vielschichtiges Ökosystem. Dazu gehören neben der organischen Bodensubstanz (Humus) unter anderem auch Nähr- und Schadstoffe, Mikroorganismen, Bodentiere wie Regenwürmer, Insekten und Milben und Wurzeln der Pflanzen. «Dabei sind Böden sehr individuell und verhalten sich je nach Aufbau, Klima, Witterung, Kultur etc. unterschiedlich», betonte Peter Weisskopf Anfang September in seinem Inputreferat am Herbstbodentag des Verbands Thurgauer Landwirtschaft (VTL) auf der Swiss Future Farm in Tänikon TG.
«Den Boden zu bewirtschaften bedeutet, lenkend in diesen Lebensraum einzugreifen», sagte der ehemalige Leiter der Agroscope-Forschungsgruppe Bodenqualität und Bodennutzung weiter. Ziel sei beispielsweise, optimale Bedingungen für Pflanzenbestände zu schaffen, indem man Widerstandsfähigkeit und Anpassungsvermögen des Bodens stärke.
Langfristige Ziele im Auge behalten
Weisskopf sprach die Rolle des Pfluges an: «Sein Einsatz ist eine Chance, um die Bodenstruktur durch Lockern und Zerkleinern zu verbessern.» Auch sei der Pflug eine Massnahme, um unerwünschte Pflanzen zu beseitigen und Krankheiten und Schädlinge zu bekämpfen.
Das Ergebnis sei von zahlreichen Faktoren abhängig, unter anderem von Typ, Einstellung und Einsatz des Pfluges wie auch von Bodenfeuchte und Pflanzenresten. Gleichmässiges Verteilen von Pflanzenresten (Einmischen) fördere die Bodenaktivität, während ein Vergraben von organischem Material zu Fäulnis führe und die Bodenaktivität hemme. «Wichtig ist eine umsichtige, konsequente und situationsangepasste Bewirtschaftung mit langfristigen Zielen», betonte Peter Weisskopf.



Möglichst sorgfältige Bewirtschaftung des Bodens
«Eines der Ziele des Bodentages ist es, Erfahrungen untereinander auszutauschen, um für Neues offen zu sein», sagte Peter Haldemann vom VTL-Vorstand. Im praktischen Teil der Veranstaltung folgte daher eine Präsentation verschiedener Pflugsysteme. Allen gemeinsam ist eine möglichst sorgfältige Bewirtschaftung des Bodens. Beispiele sind:
Schälpflug: Toni Seeholzer bewirtschaftet in Engwilen TG einen Ackerbaubetrieb, auf dem früher ein hoher Anteil Mais angebaut wurde. Das Maisstroh wurde jeweils untergepflügt. «Mir wurde klar, dass sich etwas ändern musste», erzählte Seeholzer. So begann er vor vier Jahren mit dem Einsatz eines Schälpflugs. Seine Erfahrung: Mit dem System lasse sich der Acker flacher bearbeiten und bleibe dennoch sauber. Zudem sei es energiesparender. Er setzt den Schälpflug vor allem bei Zuckerrüben, Körnermais und Maisstroh ein. Bei der aktuellen Trockenheit sei es schwierig, dass der Pflug einzieht, da er eher leicht ist. Bei nassen Böden soll auch der Schälpflug nicht eingesetzt werden.
- Anschaffung: ca. 18000 Fr.
- Leistung/h: ca. 2 ha
- Zugkraftbedarf: 100-140 PS
- Kosten/ha (inkl. Traktor): 72 Fr.
Schichtenpflug: Ralph Bötsch und Yves Fankhauser von der Bötsch Gemüsebau AG in Salmsach TG stellten einen Schichtenpflug vor. «Einst fragte ich mich, warum ich zuerst grubbern und dann pflügen soll, wenn beides in einem einzigen Durchgang möglich ist», so Bötsch. Das war vor rund 30 Jahren. Seither setzt er einen Schichtenpflug ein. Damit wird die oberste Schicht flach gewendet, während die Untergrundschare die Unterkrume aufbricht und belüftet, ohne sie komplett umzubrechen. Ein Nachteil sei, so Bötsch, dass das System mehr PS erfordere und die Steinsicherung nicht zu 100 Prozent funktioniere.
- Anschaffung: ca. 18000 Fr.
- Leistung/h: ca. 0,55 ha
- Zugkraftbedarf: 125-150 PS
- Kosten/ha (inkl. Traktor): 97 Fr.
Standardpflug mit GPS: David Ohlmann vom Kuhn Center Schweiz präsentierte den Kuhn Vario Master M 5 Schar. Dieser verfügt unter anderem über das «Work & roll»-Konzept: «Dieses ermöglicht einen raschen Wechsel vom Transport- in den Arbeitsmodus, ohne den Einsatz von Werkzeug», hielt Ohlmann fest. Zudem findet sich hinter dem Trecker eine Umlenkung, wodurch der Pflug nicht ausschert. Die Section-Control-Funktion ermöglicht den GPS-gesteuerten Einsatz der einzelnen Pflugkörper am Vorgewende. Die Schnittbreite lässt sich scharindividuell hydraulisch verstellen. Die Kosten für das Smart-Farming-Gerät sind entsprechend höher als für konventionelle Pflüge, ausserdem setzt es mehr Zugkraft voraus.
- Anschaffung: 43000 Fr.
- Leistung/h: ca. 0.8 ha
- Zugkraftbedarf: ab 160 PS
- Kosten/ha (inkl. Traktor): 178 Fr.

