"Auch bei uns steigt die Nachfrage nach Melkrobotern stark an", sagt Pius Muff, Verkaufsleiter bei Lemmer-Fullwood AG in der Schweiz. "Sicher nicht zuletzt, um das Tierwohl zu verbessern", hält er fest. Weitere Gründe dürften die Flexibilität in der Arbeitszeit sein. Ausserdem lässt sich mit einem Roboter gut ein Angestellter einsparen. In der Zwischenzeit liegt bei Lemmer Fullwood beim Verkauf von Melktechnik das Verhältnis bei 80% zu 20% zugunsten des Roboters gegenüber herkömmlicher Technik.

Keine Roboter im Angebot

Obwohl der Trend zu Melkrobotern spürbar ist, hat die Firma Dairymaster keine herkömmlichen Roboter in ihrem Angebot: "Der Einbox-Roboter ist nicht wirtschaftlich und Mehrboxanlagen für Grossbetriebe werden nicht nachgefragt", sagt Philipp Meier, Verkaufsleiter Schweiz bei Dairymaster. Der Fokus gehe bei ihnen klar in Richtung automatisierte Melkstände und -Karusselle. "Vor allem die Side-by-Side Swing-Over-Melkanlage mit irischer Hochvakuumtechnik, wird bei uns am meisten verkauft", sagt Meier. Der Side-by-Side sei im Stande, 140 Kühe pro Stunde zu melken und das mit einer Person. Zudem seien bei dieser Melkanlage der Service und die Reparaturkosten sehr tief.

Über 1000 Roboter

Schon über 1000 Melkroboter sind in der Schweiz im Einsatz und es werden immer mehr. Nicht nur die Akzeptanz hat sich in den letzten Jahren stark verändert, auch die Roboter-Technik ist massiv besser geworden. So ist es heute auch kein Problem mehr, einen Melkroboter im Weidebetrieb anzuwenden. Zudem werden die Melkroboter, auch dank freiem Kuhverkehr, immer effizienter. So beträgt die durchschnittliche Tagesleistung pro Roboter weltweit um die 1600 kg, während es schon Betriebe gibt, die sogar mehr als 3000 kg erreichen. Die Roboter sind zwar überall gleich, der Unterschied liegt hier im Management. Vor allem der wachsende Strom an Informationen, die die verschiedenen Sensoren liefern, um die Viehhalter beim Management zu unterstützen, hat beim automatischen Melksystem stark zugenommen. Um Kosten sparen zu können, wird weiterhin effizienter gearbeitet. Dieser Effekt lässt sich verstärken, indem die Leistung pro Melkroboter weiter-hin gesteigert wird. Und das ist möglich, denn die Unterschiede zwischen den Betrieben sind gross, wie verschiedene Zahlen belegen.

Keine Technik unter der Kuh

Auch System Happel bietet mit dem automatischen Melksystem Tim Aktiv-Puls Robot einen zuverlässigen Melkroboter an. So befindet sich bei diesem Roboter beim Melken unter der Kuh überhaupt keine Technik mehr. Das bedeutet weniger Stress, aber auch ein geringeres Risiko von Schäden durch die Kuh und Störungen der Hardware. Vor 20 Jahren wurde in der Schweiz der erste Lely-Melkroboter installiert. Heute verkauft Lely pro Jahr schon gegen 100 Roboter. "Ein wichtiger Grund für diese Marktakzeptanz war die Einführung des Lely-I-Flow-Konzeptes", sagt Marcel Schwager, Verkaufsleiter Lely Schweiz. «Dank dem vielen Platz in den Lely-Astronaut-Modellen sowie dem geraden Ein- und Ausgang (I-Flow) für die Kühe hat sich der freie Kuhverkehr endgültig als einziges funktionierendes Kuhverkehrssystem erwiesen", hält Schwager fest. Auch die Ein-satzmöglichkeiten des Roboters haben sich stark verändert: "Unsere Kunden melken im Durchschnitt 40 Kühe pro Roboter", sagt Schwager. Aber auch auf Grossbetrieben mit über 100 Kühen werden immer öfters zwei oder gleich noch mehr Lely-Astronauten installiert.

Geeignet für viele

"Man sieht, dass der Roboter für den Familienbetrieb geeignet ist und die Technik zusammen mit den Kühen funktioniert", sagt Urs Schmid, Produktleiter bei DeLaval. «Jedes Jahr verkaufen wir mehr Roboter. Mit dem neusten VMS V300 Modell hat dieser Trend noch zugenommen», freut er sich. Momentan hat DeLaval 480 Melkroboter in der Schweiz im Einsatz. "Der Roboter hat auf einem kleinen Raum Platz. Es müssen in Umbauten weniger bauliche Massnahmen getroffen werden, um den VMS Melkroboter einzubauen", sagt Schmid. "Seit der Einführung des DairyRobot R9500 (Monobox), Ende 2016, hat sich die Nachfrage nach Melkrobotern auch bei GEA stark erhöht", bestätigt Thomas Schmid von GEA Schweiz AG. Zurzeit seien doch schon mehr als 60 GEA-Melkroboter in der Schweiz im Einsatz.

Die richtige Kuhrasse

Die Menge Milch pro Kuh und Tag ist weltweit auf den Roboterbetrieben sehr unterschiedlich. In Weissrussland liegt sie bei 24,8 kg und in Spanien bei 34,9 kg. Auch unter den Betrieben herrscht ein grosser Unterschied. So sind die Topbetriebe auf dem Weg dazu, die Millionengrenze in Kilogramm pro Roboter und Jahr zu knacken. Die Kunst ist es, möglichst viel Milch pro Minute zu erzielen, der Roboter muss daher richtig eingestellt sein. Deshalb ist nicht nur das Betriebs-Management von Bedeutung, auch die richtige Kuhrasse kann zum schnelleren Melken beitragen. Kühe mit guten Fundamenten, welche ein gutes Euter, eine ideale Zitzenverteilung und -länge vorweisen können, eignen sich viel besser in Roboterställen als Kühe mit zu kurzen Zitzen und einer engplatzierten Zitzenstellung.