Seit Anfang Jahr haben Sie auf einen Schlag die Ober­herrschaft über drei firmen­eigene AGs, über einen 30 Prozent grösseren Mit­arbeiterbestand sowie eine massiv höhere Umsatzer­wartung. Was hat sich für Sie geändert?

Markus Angst: Die Verantwortung ist grösser geworden, denn zur Landtechnik sind nun die Weinproduktion sowie der Getränkehandel und die Landi im Kanton Schaffhausen inklusive Getreidesammelstellen sowie Dünger- und Agrohandel dazugekommen. Der Arbeitsalltag ist vielseitiger und das gefällt mir.

Welches sind Ihre Ziele als Geschäftsführer?

Ich will die Marke GVS stärken. Wir arbeiteten bisher in den drei Teilbereichen, aber ich möchte noch vermehrt als Gesamtunternehmen GVS auftreten. Dafür ist eine strategische Weiterentwicklung nötig.

AboFirmenübernahmeDie GVS Agrar Gruppe übernimmt Hadorns's GülletechnikFreitag, 24. Februar 2023

Was heisst das konkret?

Über die ganze GVS-Gruppe Strategien und Visionen zu entwickeln und in einem Leitbild festzuhalten, wofür wir stehen und was wir wollen. Da zugleich auch ein grosser Investitionsbedarf besteht, müssen wir wissen, in welchen Bereichen wir uns stärker engagieren wollen und wo wir vielleicht Partnerschaften anstreben sollten. Ein aktuelles Beispiel ist das Projekt der Modernisierung unserer Getreidesammelstellen.

Arbeiten Sie dabei mit der Fenaco zusammen?

Unterhalt und Modernisierung der Getreidesammelstellen erfolgt in Absprache mit der Fenaco, denn im Getreidehandel arbeiten wir mit Fenaco Getreide, Ölsaaten, Futtermittel (GOF) zusammen. In der GVS Landi AG arbeiten wir in den Bereichen Agro sowie im Bereich Konsumenten mit Landi-Läden und Agrola-Tankstellen intensiv mit Fenaco zusammen. In der Agrartechnik sind wir Marktbegleiter und verfolgen individuelle Strategien.

Gibt es im Genossenschaftsverband Schaffhausen GVS Bereiche, die Sie zurückfahren oder abstossen wollen?

Markus Angst: Nein, zurzeit haben wir diesbezüglich keinen Bedarf.

Die Swiss Future Farm ist kein Thema?

Ausgeschlossen. Die Zusammenarbeit läuft gut. Wir wollen sie sogar verstärken. So haben wir vertraglich die Partnerschaft Swiss Future Farm mit dem Kanton Thurgau und Agco um weitere sechs Jahre verlängert. Damit haben wir einen Testbetrieb für Kundenschulungen und Anbauversuche. Das ist eine einmalige Chance für unsere Beraterinnen und Verkäufer, die Agrartechnik mit den Herausforderungen im Feld zu ergänzen. Die Technik zu beherrschen, ist das eine, bringt aber nur Erfolg, wenn die agronomischen Voraussetzungen wie Sortenwahl, Standortgegebenheiten, Wetterverhältnisse etc. damit in Übereinstimmung gebracht werden können.

Die Swiss Future Farm setzt vor allem auf GPS-gesteuerte Spurführungssysteme und Feldrobotik. Wie gross ist aber in der Praxis die Nach­frage nach diesen Systemen?

Es gibt unzählige sehr interessante Technologien. In der Praxis ist die Anwendung aber oft nicht so einfach, wie es immer dargestellt wird. Bei den Testfahrten auf der Swiss Future Farm zeigt sich, dass diese digitalen Technologien manchmal sehr kompliziert sind oder nur unter Top-Bedingungen gut funktionieren. Auch, dass die verschiedenen Systeme nicht miteinander verknüpfbar sind und Daten jeweils umgewandelt werden müssen. Vieles punkto Digitalisierung wäre sehr sinnvoll, aber die Praxisreife fehlt. Aber heute kaufen die meisten Landwirte bei einem Traktor schon die GPS-Vorausrüstung mit, damit sie dann ungehindert einsteigen können. Diese Technologien werden in Zukunft aber sicher zum Standard werden, so wie die Klimaanlagen in den Traktorkabinen.

"Die Investitionsbereitschaft ist momentan etwas gesunken, das nehme ich schon wahr."

Markus Angst

Wie steht es denn mit der Investitionsbereitschaft der Schweizer Landwirtschaft?

Die hohe Inflationsrate im Ausland verteuert ja auch unsere importierten Maschinen und Geräte. Wir hatten das Glück, dass mit dem tiefen Eurokurs die Teuerung etwas gedämpft werden konnte. Dennoch stiegen die Preise bis zu 20 Prozent. Die Investitionsbereitschaft ist momentan etwas gesunken, das nehme ich schon wahr. Fendt-Traktoren konnten wir im vergangenen Jahr aufgrund von Lieferproblemen weniger ausliefern, aber bei Massey Ferguson und Valtra steigerten wir den Absatz, so dass wir unseren Marktanteil halten konnten. [IMG 3]

Seit einigen Jahren steigt die Nachfrage nach Striegeln oder Hackgeräten. Hält das an?

Unkrautbekämpfung ist ein gros­ses Thema für die Bauern, vor allem, da herbizidfreier Anbau nicht nur vom Bund gefördert, sondern auch am Markt nachgefragt wird. Das wird auch noch eine Weile so bleiben. Striegel und Hackgeräte, auch kameragesteuerte, laufen sehr gut. Auch im Bereich Spritztechnik mit punktgenauer Erkennung läuft die Nachfrage gut. Auch erledigen mehr und mehr die Lohn­unternehmer die Spritzarbeit.

Welche Bedeutung haben die Lohnunternehmer im Verkauf?

Das ist eine wichtige Kundengruppe. Die meisten von ihnen sind sehr «pioniermässig» unterwegs und schaffen gerne mal etwas Neues und Innovatives an.

Kürzlich haben Sie mit GVS Agrar AG die Firma Hadorn’s Güllentechnik übernommen. Welche Strategie verfolgen Sie damit?

Wir sind mit unserer Eigenmarke Agrar schon seit Jahrzehnten im Hofdüngerbereich aktiv. Mit der Integration der Firma Hadorn als eigenständige Tochterfirma in unsere GVS-Agrar-Gruppe können wir zusätzlich auf ein extrem hohes Hofdünger-Know-how zurückgreifen und uns als Hofdünger-Full-Liner in der Schweiz positionieren. Wir glauben aufgrund der globalen Situation und der Nachhaltigkeitsbemühungen der Schweizer Landwirtschaft, dass Hofdünger je länger je wichtiger werden und wir uns in diesem Bereich sehr kompetent platzieren können. AboFirmenübernahmeDie GVS Agrar Gruppe übernimmt Hadorns's GülletechnikFreitag, 24. Februar 2023

Wie lief es im vergangenen Jahr mit der französischen Firma Agro Rhin SAS, die zur Hälfte dem GVS gehört?

Sehr gut. In Frankreich sind die Preise für Weizen, Raps oder Sonnenblumen zum Teil massiv gestiegen. Dadurch stieg die Investitionsbereitschaft der französischen Landwirte. Zum Teil konnten wir die steigende Nachfrage aufgrund von Lieferschwierigkeiten aber nicht in allen Fällen befriedigen.

Was wollen Sie in der Landwirtschaft bewegen?

Ich finde, dass die Landwirtschaft eine bessere Verankerung in der Gesellschaft nötig hätte. Früher halfen zehn Leute aus dem Dorf einem Landwirt beim Strohladen. Heute sind wir in der Gesellschaft nicht mehr so gut abgestützt – und oft wird nur der Lobbyismus wahrgenommen, was die Landwirtschaft auch nicht sympathischer macht. Als landwirtschaftliche Genossenschaft gehört es zu unserem Auftrag, zusammen mit den Landwirten und Bäuerinnen, das Bewusstsein für Nahrungsmittelproduktion in der Schweiz zu fördern. Trotz aller Unterschiede müssen wir diesbezüglich mit allen Mitbewerbern an einem Strick ziehen und die Bauernfamilien unterstützen.

Kennzahlen der GVS Gruppe
[IMG 2] Die GVS Gruppe ist der landwirtschaftliche Genossenschaftsverband Schaff­hausen und hat rund 480 Mitglieder, die vorwiegend aus der Landwirtschaft ­stammen. Präsident der GVS ist Cyril Tappolet. Zur GVS Gruppe gehören drei Aktiengesellschaften: die GVS Landi AG, die GVS Schachenmann AG (Weinproduktion und -handel) sowie die GVS Agrar AG (Agrartechnik) mit ihren Tochterfirmen. Insgesamt beschäftigt der GVS rund 300 Mitarbeitende in der Schweiz. Im Schnitt erzielte die GVS Gruppe in den vergangenen Jahren über alle Geschäfts­felder hinweg einen konsolidierten Umsatz von rund Fr. 250 Mio. Die definitiven ­Geschäftszahlen für das ­Geschäftsjahr 2022 gibt das Unternehmen am 30. Mai 2023 bekannt.