Es ist halb elf Uhr in der Nacht. Mit der Zahnbürste im Mund sitze ich auf dem Sofa, schaue die letzten Minuten eines Films, von dem ich fast nichts mehr weiss, und freue mich auf die Federn. Mehrmals bin ich an diesem Abend bereits auf dem Sofa eingenickt. Vielleicht ist genau das auch der Grund, warum mir weitgehend nichts davon hängenbleibt.

Apropos hängen: Mein Freund Matthias hat mich um halb neun auf dem Sofa zurückgelassen und sich in Richtung Schlafzimmer verzogen. Glück gehabt, denke ich: Ansonsten hätte ich mir ein weiteres Mal anhören müssen, dass man mit mir nicht einen einzigen Film schauen kann, ohne dass ich einschlafe.

Sturzflug der Begeisterung

Warum bin ich noch wach? Ich muss für die Zeitung einen Artikel über Pferdetransporte schreiben. Nicht etwa über Quälfleisch, das quer durch die Staaten nach Mexiko gekarrt wird, nein, nein, es geht um ganz gesittete Schweizer Verältnisse. Am Anfang war ich noch guter Dinge. Schliesslich bin ich ein «Haflinger». So nennen meine Kollegen hier bei der BauernZeitung die Leute, welche die HAFL in Zollikofen gemacht haben. Klar, ich liebe Pferde. Und sollte ich irgendwann einmal die Anhängerfahrprüfung absolvieren, weil ich mir statt eines Plüschpferds ein richtiges Pferd leisten kann, bin ich bereits bestens informiert, um samt Pferd verreisen zu können.

So einfach geht es aber nicht. Nachdem mir das Bundesamt zwar auf meine gestellten Fragen geantwortet hatte, ich aber statt weniger Fragen nur noch mehr hatte, schwand meine Begeisterung drastisch. «Daher rührt also diese verhaltene Begeisterung meiner Kollegen über diese Ämter», murmelte ich um halb zehn auf dem Sofa vor mich hin.

Nächtliches Telefonat mit dem Tierarzt

Ich schalte den Fernseher aus. Der Film und ich sind fertig, da leuchtet plötzlich eine Nachricht auf meinem Handy auf: «Notfälle erledigt, ich wäre noch gesprächsbereit», schreibt mir der Tierarzt. Wäre ich doch nur auch schon früher ins Bett, denke ich. Wie schön hätte ich mich in meine Decke einkuscheln und noch gut sieben Stunden schlafen können, bis mich am nächsten Morgen um sechs Uhr der Wecker aus meinen Träumen gerissen hätte. Na, das sollte wohl ein Traum bleiben. Würde ich vielleicht nicht erst seit meinem abgeschlossenen Agronomiestudium an der HAFL diesen Sommer bei der Zeitung arbeiten, hätte ich diese Nachricht vielleicht ignoriert, doch mein Eifer ist noch zu gross. Ich kann mich doch nicht bereits jetzt, nach so kurzer Zeit in der Arbeitswelt, vor einem späten Anruf drücken. Da hätte ich wohl besser an einem dieser Ämter angeheuert. Auf jeden Fall darf man auch nicht Tierarzt werden, wenn man zeitig ins Bett will.

Schnarchkonzert zum Einschlafen

Das Telefonat mit dem netten und hilfsbereiten Tierarzt ist fertig, und ich gehe ins Bett und schliesse meine Augen. Da fängt es doch tatsächlich neben mir an zu schnarchen. Ausgerechnet er, der sich regelmässig über meine nächtlichen Gespräche im Schlaf beschwert, erlaubt sich nun, mich beim Einschlafen zu stören. In Zukunft schaue ich, dass Matthias erst nach mir ins Bett geht und ich bereits bevor er anfängt zu schnarchen wie ein Stein schlafe. Gibt es hier Tierärzte, die auch am Vormittag telefonieren können?