«Chum nume ine», bittet Sara Flühler. Sie hat eine Wohnung auf dem Bauernhof ihrer Eltern am Waltersberg in Oberdorf NW. Sie sei noch am Teigen, entschuldigt sie ihre mit Mehl bestäubten Hände. «Die Leute lieben unsere Brätzili. Schon wieder sind sie ausverkauft. Nachschub muss her», erklärt sie. Aber da seien sie flexibel.

Mit «sie» meint Sara Flühler sich, ihre Mutter Lucia und ihren Vater Walter Flühler. Zusammen führen sie den 14 Hektaren grossen Betrieb in dritter und vierter Generation. «In der Coronazeit hatte ich keine Anstellung mehr und habe meine Eltern bei den Arbeiten auf dem Hof unterstützt», erzählt die gelernte Restaurationsfachfrau. Bald habe sie herausgefunden, dass die bäuerliche Arbeit sie viel mehr befriedige als ihr erlernter Beruf. Sie absolvierte die Bäuerinnenschule in Gurtnellen und ist nun zu 100 Prozent auf dem elterlichen Betrieb angestellt.

Eine Familie, viele Ideen, viel Arbeit. Gibt es eine Arbeitsaufteilung? «Mein Dädi ist vor allem für die Hühnerversorgung und die Arbeiten auf dem Feld verantwortlich, meine Mutter und ich für den Hofladen, die Alpakas, Direktvermarktung und das Eiereinsammeln», sagt Sara Flühler. Jeder könne auch die Arbeit des andern ausführen. «Es ist so schön, wenn wir zusammenarbeiten. Im Sommer helfen auch meine drei Brüder, die sonst auswärts arbeiten.» Zudem stehen zwei Teilzeitangestellte auf Abruf bereit.

Grossvater setzte Meilenstein

«Mein Grossvater hat schon vor 50 Jahren mit der Legehennen-Zucht begonnen», erklärt die 23-Jährige. Die Eierproduktion ist der Hauptbetriebszweig. Im Schnitt leben auf dem Hof 5000 Legehennen in Bodenhaltung mit Wintergarten. 40 Prozent der Eier gehen direkt zum Konsumenten und der Rest wird an einen Händler verkauft, der an Grossisten liefert.

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Auch Restaurants und Altersheime im Kanton Nidwalden sind Kunden. Zudem steht noch ein Eierautomat neben dem Hofladen. «Just vor Corona haben wir ihn installiert. Der ist Gold wert», sagt Sara Flühler. Anderthalb Jahre dürfen die Hühner Eier legen. «Wir möchten die Tiere nicht wie üblich nach einem Jahr ausstallen und geben ihnen länger Zeit zum Legen und Leben.» Ältere Hühner legen brüchigere Eier, dafür sind diese etwas grösser.

Stammkunden pflegen

Der Hof liegt nicht an einer frequentierten Strasse, dafür am Ennerberg, wo viele Freizeitler vorbeispazieren, -radeln oder -joggen. «Der Hofladen ist bedient. Das schätzen unsere Kunden. So können wir Fragen beantworten und unsere Stammkunden pflegen.» Darauf legt die ganze Familie Flühler grossen Wert.

Ein weiterer Betriebszweig ist die Alpakazucht. Die Familie startete 2015 mit vier Alpakas, zwei Stuten waren schon trächtig. «Die Tiere waren anfangs nicht ans Halfter gewöhnt. Sie waren scheu und wir mussten ihr Vertrauen gewinnen», blickt Sara Flühler zurück. Um alles richtigzumachen, besuchten sie und ihre Mutter Lucia Flühler Kurse.

Über 40 Tiere

Die Herde umfasst heute über 40 Tiere. Sara Flühler und ihre Mutter sind inzwischen erfahrene Alpakazüchterinnen, ihre Tiere erreichten kürzlich an einer Show mehrere sehr gute Ränge. Bei der Namensgebung ist die Familie einfallsreich: «Wir haben pro Jahr immer ein bestimmtes Thema. Dieses Jahr sind es Namen von Süssigkeiten.» So heissen die Tiere etwa Rafaello, Ragusa, Daim. Flühlers bieten diverse Events mit ihren Alpakas an, wobei nur die Hengste involviert werden. «Die sind unkompliziert und lieben es, beschäftigt zu werden», weiss die Alpakaexpertin. Die Stuten möchten sie schonen, da sie fast ein Jahr trächtig sind.

Im Sommer sind Spaziergänge mit Alpakas gefragt. «In dieser Zeit könnten wir unsere Tiere täglich mehrmals verbuchen. Das wollen wir aber nicht.» Sogar in Altersheimen trifft man Flühlers mit ihren Alpakas an. «Wir wurden angefragt und fanden die Idee toll.» Es gäbe immer wieder schöne Begegnungen, schwärmt Sara Flühler. «Die Tiere sind neugierig, klug, zutraulich, haben einen liebenswerten Charakter. Diese Eigenschaften tun den Bewohnern sehr gut.»

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Nur in der Schweiz

Einmal im Jahr, im April, werden die Tiere geschoren. Die Wolle wird ausschliesslich in der Schweiz weiterverarbeitet. Die erste Qualität ergibt Strickwolle und aus der zweiten Qualität entstehen Duvets. Zudem «verlismet» Sara Flühlers Grossmutter die Wolle zu Produkten wie Kinderfinkli, die sie im Hofladen anbieten. Neu gibt es auch Naturkosmetik aus dem Keratin der Alpakawolle.

In ihrer Freizeit spielt Sara Flühler Theater und Unihockey und ist bei der Jungmannschaft Stans-Oberdorf. Sie lebt und liebt die Tradition und näht viel. Als Nächstes möchte sie den Fachausweis Bäuerin erlangen und dann nach Peru reisen, ins Ursprungsland der Alpakas, auch um die Landwirtschaft kennenzulernen. Denn diese habe einen anderen Rhythmus. «Gelassener. Nicht so hektisch.»

Wer später den Familienbetrieb übernehmen wird, sei noch offen. «Meine Brüder haben noch kein Interesse. Ich möchte es ihnen offenlassen.» Sie könnte es sich jedoch auch vorstellen, den Betrieb selbst zu übernehmen und ihre Brüder anzustellen.

Website des Betriebs

Fünf Fragen
Worüber können Sie lachen?
Ich kann über sehr vieles lachen. Aber am liebsten lache ich über lustige Katzenvideos oder über mich selber.
Welches Alltagsritual gehört für Sie dazu?
Kaffee am Morgen und am Abend zusammen mit meinen Eltern am Zabigtisch.
Was rührt Sie zu Tränen?
Wenn meine gute und schon sehr lange Freundin ein selbst komponiertes Lied singt, das sie für mich persönlich schrieb. Ohne dass ich wusste, dass sie ein solches Lied für mich schrieb.
Von welchem Erlebnis erzählen Sie immer wieder?
Definitiv von dem halben Jahr Bäuerinnenschule in Gurtnellen, welche für mich Lebensschule war, mich Freundschaften fürs Leben schliessen liess und so viele schöne, lustige und für immer bleibende Erinnerungen weckt.
Was ist Ihre schönste ­Kindheitserinnerung?
Wenn an einem heissen Sommertag nach dem Heuen ein Sommergewitter aufzog und wir mit den kurzen Hosen in den Regenpfützen herumsprangen und den herrlichen Duft von Heu und heissem, verregnetem Asphalt rochen.