Für Cornelia Hänni-Bussinger ist der Herbst die wichtigste Jahreszeit. Dann läuft die Mosterei, die sie zusammen mit ihrer Schwester Tanja Capuano-Bussinger im thurgauischen Hüttwilen führt, auf Hochtouren.
Dieses Jahr hat die Saison früh begonnen; den ersten Most haben die Schwestern bereits am 19. August gepresst. Das Familienunternehmen ist nicht nur eine Lohnmosterei, es verfügt auch über ein breites Sortiment an eigenen Spezialitäten, welche die Kundschaft im Laden kaufen oder im Eventraum degustieren kann.
Ein gutes Gespür für den Geschmack
Der Grossvater Julius Bussinger hatte die Mosterei 1955 gegründet, ab 1985 führte sie der Vater Bruno Bussinger weiter. «Auf diese Weise bin ich mit Apfelsaft aufgewachsen», sagt Cornelia Hänni-Bussinger lachend. Dazu gehörte nicht nur dessen Genuss, sondern auch die Arbeit, die damit verbunden war. «Wir Kinder waren es gewohnt, mitzuhelfen, wann immer wir gebraucht wurden.»
Später folgte die Zeit der Berufswahl: Ihr Vater, der in die Zukunft schaute, hätte es gern gesehen, wenn seine jüngere Tochter den Beruf der Getränketechnologin erlernt hätte. So hatte er etwa festgestellt, dass sie bei Degustationen ein besonders gutes Gespür zeige. «Doch die Aussicht, in irgendeinem Keller oder in einem Grossbetrieb zu arbeiten, reizte mich überhaupt nicht», sagt die Thurgauerin, die sich für eine Lehre als Pharmaassistentin entschied und später ins Büro einer Krankenversicherung wechselte. Dennoch blieb ihr der elterliche Betrieb weiterhin nah.




Mit der Schwester die Leitung übernommen
Als Cornelia Hänni-Bussinger nach einigen Jahren in Frauenfeld TG wieder nach Hüttwilen zog und als zweifache Mutter den Wiedereinstieg ins Berufsleben erwog, rutschte sie nach und nach in den elterlichen Betrieb hinein. Dieser stand mitten im Wandel: Ihr Vater, der auch ein auf Flur- und Waldstrassenunterhalt spezialisiertes Lohnunternehmen führte, wollte die Mosterei modernisieren.
2007 realisierte er einen Neubau für die Strassenunterhaltsfirma, bei dem auch die Mosterei integriert wurde. 2016 folgten eine vollautomatische Flaschenanlage sowie zwei neue Bag-in-Box-Apparate. «Indem wir etwa verschiedene Varianten an Glasflaschen abfüllen können, sind wir noch effizienter geworden», sagt die Hüttwilerin. Dazu kam 2018 ein neuer Eventraum mit einem Verkaufslokal.
Und indem Cornelia Hänni-Bussinger und Tanja Capuano-Bussinger den Entschluss fassten, gemeinsam die Ruder zu übernehmen, konnte der Generationenwechsel schliesslich vollzogen werden: Die beiden Frauen stiegen als Gesellschafterinnen in die neu gegründete GmbH ein; im August 2018 wurde die «Mosteria» mit einem grossen Mostfest eröffnet.
Aus Äpfeln lässt sich mehr machen als Süssmost
Cornelia Hänni-Bussinger ist hauptsächlich für Marketing, Beratung und Verkauf zuständig. «Dabei profitiere ich von meinem Erstberuf in der Apotheke», sagt sie. Schon damals habe ihr der Kundenkontakt besonders gut gefallen. Gelegenheit dazu hat sie heute nicht nur bei der Beratung, sondern auch im Rahmen von Betriebsführungen und Degustationen. «Es macht mir Freude, Interessierten unsere Philosophie näherzubringen», erzählt sie. Sie wolle zeigen, dass man aus Äpfeln mehr machen könne als herkömmlichen Süssmost.
Entsprechend präsentiert sich das Sortiment der «Mosteria»: Neben verschiedenen Süssmost-Varianten findet man sortenreine Apfel- und Birnensäfte. Dazu kommen Secco (alkoholfrei), Cider (leicht alkoholhaltig) sowie alkoholische Schaumweine. Alle Säfte, die gegärt werden und kohlensäurehaltig sind, werden von einem Kelterer aus der Umgebung verarbeitet. Das gilt auch für Spirituosen, die ebenfalls im Angebot stehen.
Die Spezialität des Hauses jedoch sind die Produkte aus der Apfelsorte Redlove. Diese zeichnet sich durch ihr rotgefärbtes Fruchtfleisch aus. «Meine Lieblingssorte», verrät Cornelia Hänni-Bussinger. Den Redlove-Saft möge sie nicht nur wegen der besonderen Farbe, sondern auch aufgrund des ursprünglichen Geschmacks: «Es ist, als beisse man direkt in einen frischen Apfel.» Alles Obst, darunter auch die Redlove-Äpfel, beziehen die Schwestern von regionalen Produzenten.
Ausbildung zur Most-Sommerlière
Cornelia Hänni-Bussinger ist gern mit dabei, wenn es ums Austüfteln neuer Produkte geht. Sie erwähnt den neuesten Wurf, einen alkoholfreien Quitten-Apfel-Secco. «Quitte ist in der Schweiz als Frucht für Getränke noch wenig bekannt.»
Wichtig sei ihr bei allen Säften, dass der reine Geschmack der Frucht erhalten bleibe und man nicht noch viele Zusätze beimische. Um noch mehr über das Degustieren zu lernen, liess sie sich vor einigen Jahren im österreichischen Vorarlberg zur Most-Sommelière ausbilden. Dabei habe sich unter anderem gezeigt, wie unterschiedlich Most in verschiedenen Ländern daherkomme. Während in Österreich vor allem saurer Most getrunken wird, liegt hierzulande der Schwerpunkt auf Süssmost. Was sie über den Most und seine Kultur gelernt hat, gibt Hänni-Bussinger gern an ihre Kundschaft weiter.
Viel Zeit für Hobbys bleibt der Thurgauer Geschäftsfrau nicht. Wenn sie Zeit dafür hat, geht sie mit ihrer Familie in die Natur, um zu wandern oder Velo zu fahren. Auch der Beruf ist für sie ein Hobby: «Meine Arbeit ist das, was ich gern tue.»
Fünf Fragen
Wenn Sie nochmals anfangen könnten: Welchen Beruf würden Sie wählen?
Nichts anderes, ich würde meine Laufbahn wieder gleich anpacken.
Sind Sie ein Morgen- oder ein Abendmensch?
Eher ein Morgenmensch, in der Frühe bin ich produktiver.
Was tun Sie lieber – kochen oder backen?
Backen.
Ihre Traumferien?
Unsere Hochzeitsreise führte uns nach Westkanada, da würde ich gern nochmals hin.
Haben Sie ein Lebensmotto?
Immer positiv denken und mit Humor durchs Leben gehen.

