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Porträt: Gemüse statt Blumen verkaufen

Die Bäuerin Heidi Zaugg pflanzt während der Saison rund 25 000 Gemüse-Jungpflanzen und bäckt Freitagnacht gegen 50 Brote im Holzbackofen.

Der 12,5 Hektaren grosse Hof von Heidi Zaugg und ihrem Mann Daniel liegt oberhalb Konolfingen BE. Rundum stehen viel Grasland, gegen 50 Obstbäume, auf 20 Aren Gemüsekulturen und eine prachtvolle Aussicht auf die Berneralpen. «Ich habe gewusst, dass der kleine Betrieb mit 16 Milchkühen, ein paar Kälblein, einem halben Dutzend Schafe und Legehennen nicht ausreicht für eine Familie. Deshalb habe ich mich von Anfang an auf einen Nebenerwerb eingestellt», sagt die gelernte Gärtnerin und ausgebildete Bäuerin.

Hofladen mit Bahnanschluss

Heidi Zauggs Idee einen Blumenhandel aufzuziehen und Blumenläden oder Grossverteiler mit bäuerlicher Blütenpracht zu beliefern, scheiterte. Obwohl sie wusste, was gesucht war – sie verkaufte vor der Geburt ihrer drei Kinder Blumen in einem Einkaufszentrum – ging die Rechnung nicht auf. Die Blumenläden waren fixiert auf die Blumenbörsen, zudem war die Produktion von Blumen sehr zeitintensiv und ein Verkaufslokal fehlte auch.

Neuer Versuch mit Salat statt Blumen

Die Bäuerin liess sich vom ersten Misserfolg nicht entmutigen und schmiedete neue Pläne. «Einen grossen Pflanzplätz gab es schon immer auf dem Hof. Wenn es mit Blumen nicht klappt, dann halt mit Salat», sagte sie sich. Heidi Zaugg lieferte an einen Grossisten und ein paar Jahre ging das auch ganz ordentlich, erzählt sie. Je älter die Tochter und die beiden Söhne wurden, desto mehr liebäugelte sie mit einer neuen Geschäftsidee. Weg von der Monokultur, hin zum diversifizierten Gemüseanbau mit Direktverkauf, war ihr Traum, der genau zum richtigen Zeitpunkt geboren wurde.

Der nahe Bahnhof bringt Kunden

In stark wachsenden Nachbardorf Stalden BE schlossen zur gleichen Zeit die Landi, die Bäckerei, die Metzgerei und der Milchladen. So sah Heidi Zaugg ihre Chance für einen Hofladen mit Frischprodukten aus eigener Produktion. Zuerst war das Verkauflokal ein Baustellenwagen, seit einigen Jahren ist es ein «Chalet auf Rädern». Dieses ist zwei Minuten von der Bahnstation entfernt. «Ich habe wohl den einzigen Hofladen mit Bahnanschluss», sagt sie und erzählt, dass ein pensioniertes Paar aus Thun BE regelmässig bei ihr einkaufe, anschliessend im nahe gelegenen Schloss Hünigen Kaffee trinke und dann wieder mit dem nächsten Zug nach Hause fahre. «Es ist eine Freude, solche Kundschaft zu haben», meint sie und strahlt.

Ein Drittel des Gesamtumsatzes

In den vergangenen zwanzig Jahren hat sich Heidi Zauggs Sortiment stark erweitert. Sie verkauft nur Lebensmittel, die sie selber auf dem Hof produziert. Lediglich drei Ausnahmen erwähnt sie: Rüebli, Erdbeeren und Grünspargeln sind aus der Nachbarschaft. «Ansonsten ist alles von meinem Pflanzplätz.» Zum Verkauf stehen im Moment Kopf- und Endiviensalat, Blumenkohl, Peperoni, verschiedene Tomatensorten, Zucchetti, Kohlraben, Kürbisse, Äpfel, Birnen (auch alte Sorten), Kartoffeln, Eier, Sirup, Süssmost und bald gäbe es eingekochten Randensalat und getrocknete Öpfelringli. Bis zum ersten Schnee sei auch Nüsslisalat zu haben, erklärt die Geschäftsfrau.

Saisonales im Angebot

Am Samstag komme dann noch das selbst gebackene Brot aus ihrem Holzofen und Zöpfe dazu. Zusätzlich ergänzten saisonal auch Osterhäsli, Tübeli und anderes das Verkaufsgestell. Neben ihrem Hofladen beliefert sie den Frischmarkt, einen privaten Detaillisten und bis Ende Jahr bäckt sie auch noch im Turnus mit drei weiteren Bauernfrauen Holzofenbrot für den Wochenmarkt in Konolfingen BE.

Organisation ist wichtig

«Natürlich arbeite ich viel, doch mein Mann unterstützt mich sehr und wenn Jungpflanzen gesetzt werden, sind oft auch die Kinder oder eine Aushilfe aus dem Dorf dabei. Landwirtschaftliche Betriebe in unserer Grösse müssen sich zu organisieren wissen», sagt Heidi Zaugg ernst. Heute mache der Direktverkauf ein Drittel des Gesamtumsatzes aus und darauf sei sie stolz.

Eine Auszeit dank den Jungen

In ihrem Beruf als Bäuerin und Geschäftsfrau geht Heidi Zaugg voll auf. «Als Bauerntochter konnte ich es mir nie vorstellen, selber Bäuerin zu werden». Sie habe genügend Zeit, ihre Kontakte mit Freundinnen und Kolleginnen zu pflegen, auch versäume sie keine Aerobicstunde im Dorf. Auf ihrem Sitzplatz geniesse sie viele Sommerabende mit der Familie und Freunden, erzählt sie. Zudem stehe Skifahren bei Zauggs hoch im Kurs. So verbringen sie öfters Wochenenden, Skiferien oder auch nur einzelne Tage auf der Elsigenalp BE. Da beide Söhne Landwirt gelernt haben, sei es auch möglich, den Hof den Jungen zu überlassen und sich mit dem Mann eine Auszeit zu zweit zu gönnen.

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