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Pensioniert: Wo ist mein Netzwerk, wenn das berufliche Umfeld wegfällt?

Nach der Hofübergabe benötigen beide Generationen klare Rollen. Werden Auszeiten und Kontakte gepflegt, hilft das beiden Seiten.

«Wie schnell die Zeit vergangen ist. Nun wohnen wir im Stöckli und haben Verantwortung abgegeben. Die neu gewonnene Zeit müssen wir nun bewusst nutzen.» Das sagte eine Teilnehmerin des Klassentreffens der ehemaligen Schwand-Schülerinnen Sommer 1978.

Und die Frauen waren sich damit einig. Mit Blick auf den Bodensee genossen sie das fröhliche Zusammensein an zwei Tagen. Die 47 Schülerinnen, die die bäuerliche Haushaltsschule besuchten, erlebten diverse Lebensmuster. Sie waren damals zwischen 19 und gut 30 Jahren alt. Aus den «Girls» von damals sind nun Grossmütter und ältere Frauen geworden. Das Schicksal war auch nicht bei allen gnädig, denn einige Schwand-Frauen sind bereits verstorben.

Sich bewusst Zeit nehmen

Vor einiger Zeit kam bei einigen der Wunsch auf, einmal ein längeres Klassentreffen zu machen. Andere Klassenkolleginnen teilten die Euphorie für diese Idee nicht und blieben dem zweitägigen Anlass fern. Alle, die die sogenannten Spasstage am Bodensee mitmachten, spürten aber, dass sich Fäden auch nach fast 50 Jahren wieder knüpfen lassen.

Es gab mit Lydia sogar eine ehemalige Schülerin, die erstmals am Klassentreffen war und ihre ehemaligen Zimmergenossinnen sofort erkannte. Sie hat die früheren Beziehungen erfolgreich wieder aktiviert und will diese künftig vermehrt pflegen.

Sich mit der Vergangenheit zu beschäftigen und dafür auch Zeit einzusetzen, lohnt sich. Bei den Pensionierten rufen Gespräche über das Vergangene oft Erinnerungen daran wach, was sie einst planten und wie sie damals planten, ihren dritten Lebensabschnitt gestalten zu wollen.

Auch wenn die Mithilfe der älteren Generation nach ihrer Pensionierung geschätzt wird, tut eine Auszeit vom Hof beiden Parteien gut. (Bild: Barbara Heiniger)

Hier gibt es Angebote

Für Menschen über 60 gibt es viele Angebote, um die Zeit auszufüllen. Organisationen und auch Firmen bieten Programme an. Diese reichen von Reisen über Kurse bis hin zu geselligen Anlässen. Bei viel Verlockendem entscheidet jedoch oft der Geldbeutel, was machbar ist. Unter den Anbietern ist auch die schweizweit tätige Pro Senectute ,die Hilfestellungen bietet.

Sorgentelefon bei Notfällen

Trotz der grossen Palette an Angeboten gibt es immer wieder Frauen und Männer, die sich fragen: «Wo ist mein Netzwerk in der Pension?» Da kann der Schweizerische Bäuerinnen- und Landfrauenverband ein Ansprechpartner sein. Auf der Website www.landfrauen.ch gibt es Ratgeber und Merkblätter, Hilfe und Unterstützung, sowie auf weiteren Seiten zahlreiche wichtige Informationen. Fällt buchstäblich die Decke auf den Kopf, gibt es für Notfälle das Bäuerliche Sorgentelefon (www.baeuerliches-sorgentelefon.ch) mit der Nummer 041 820 02 15. Alle Frauen und Männer ab 65 Jahren sollten das Leben nach ihren Wünschen gestalten, versuchen, Angebote zu nutzen, und, wenn nötig, Hilfe suchen. So ist die Zeit als Pensionierte wunderbar.

Frauen beschäftigen sich

Für viele Frauen, Bäuerinnen und Landfrauen geschieht der Übergang in die Pensionierung fast fliessend. Auch wenn die Kinder längst erwachsen sind, gibt es weiterhin den Haushalt zu erledigen, manchmal einen Garten zu pflegen und eventuell sogar Grosskinder zu betreuen. So sind die Tage vielfach strukturiert und es gibt immer etwas zu tun.

Da ist es wichtig, sich freie Momente oder Stunden zu gönnen und kleine Träume zu verwirklichen. In der fröhlichen Apéro-Runde am Klassentreffen wurden solche Auszeiten thematisiert. «Ich gehe einmal in der Woche schwimmen, manchmal alleine und oft mit einer Kollegin», erzählte Hanni. «Ich habe mir vorgenommen, meine betagte Nachbarin regelmässig zu besuchen und Kaffee zu trinken», sagte Elisabeth. Von zahlreichen Beschäftigungen, die Freude machen, berichtete Kathrin. Sie produziert regelmässig Gebäck für einen Hofladen und hilft aktiv in den Reben eines befreundeten Winzers mit. «Wieder mehr im Landfrauenverein mitzumachen, ist mein Ziel. Dabei schätze ich den Austausch mit jüngeren Frauen aus dem Dorf speziell», erkannte Rosmarie.

Eine Reise zu unternehmen, egal, ob einen Tag lang oder länger, im In- oder Ausland, ist ein gutes Mittel, um sein Netzwerk nach der Pensionierung zu pflegen und allenfalls neue Kontakte zu knüpfen. (Bild: Barbara Heiniger)

Männer lernen neue Situationen

Die pensionierten Männer wissen sich meistens gut mit der neuen Situation zu arrangieren – oder sie lernen es. Wichtig ist für beide Geschlechter, sich frühzeitig mit den Veränderungen im Leben zu beschäftigen.

In vielen Berufen ist der Schnitt bei der Pensionierung ganz klar: Von einem Moment auf den anderen ist die bisherige Arbeit weg. Die Schlüssel werden abgegeben und eine neue Person übernimmt den Posten. In der Landwirtschaft und in KMU, besonders in Familienbetrieben, wird das oft anders gehandhabt. Da sind die pensionierten Leute als Mitarbeitende bei der nachfolgenden Generation willkommen. Wichtig ist da, klare Regeln und Vereinbarungen zu treffen.

Mitdenken ja, aber nicht mitentscheiden

Wenn ein bisheriger Chef seine Funktion verliert, vergisst er manchmal, dass er mitdenken darf, aber nichts mehr zu sagen hätte. Da werden Auszeiten vom Hof für alle wichtig, für die ältere aber genauso für die jüngere Generation. Einen Beitrag zu diesen Auszeiten vom Hof leistet die Klassenzusammenkunft der Handelsschule «Schwanengasse Winter 1976/77.»

Die jährlich stattfindenden Treffen werden an einem Tag unter der Woche organisiert. Diese finden immer abwechselnd bei den ehemaligen Schülerinnen und Schülern statt. Bei runden Schul-Jubiläen besuchen die Ehemaligen an zwei Tagen den Klassenkollege im Kanton Schaffhausen. Zu Beginn der Treffen findet eine Besichtigung statt, danach bleibt viel Zeit, in Erinnerungen zu schwelgen und Neuigkeiten auszutauschen. Im Laufe der Jahre haben sich die Themen geändert – aktuell sind es die neuen Lebensstrukturen.

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