Kanada – das ist doch dieses riesige Land im Norden mit endlosen Wäldern, glasklaren Seen, wilden Bären, schneebedeckten Bergen und der berühmten Eishockey-Leidenschaft. Oder woran hätten Sie gedacht? Dieses Jahr hatte ich die Gelegenheit, gemeinsam mit 19 Landwirtinnen und Landwirten Kanada zu erkunden und tiefe Einblicke in Natur, Kultur und Landwirtschaft zu gewinnen.
Ankommen und dem Jetlag trotzen
Bereits bei unserer Ankunft in Vancouver begann das Abenteuer. Nach dem langen Flug landeten wir gegen Mittag an der Westküste Kanadas. Obwohl uns der Jetlag deutlich anzumerken war, versuchten wir alle, möglichst lange wach zu bleiben, um uns schnell an die neue Zeitzone zu gewöhnen. Das war leichter gesagt als getan, doch die Vorfreude auf die kommenden Tage half dabei, die Müdigkeit zu verdrängen.
Empfangen wurden wir von unserer Reiseleiterin Martina Graf. Die gebürtige Schweizerin lebt seit rund zehn Jahren in Kanada und führte uns mit viel Herzblut durch ihre Wahlheimat.
Was uns während eines Grossteils der Reise begleitete, war allerdings nicht die Sonne. Bis auf die letzten beiden Tage zeigte sich Kanada von seiner nassen und eher kühlen Seite. Regenjacken gehörten deshalb fast zur Standardausrüstung. Die gute Stimmung in unserer Reisegruppe konnte das Wetter jedoch nicht trüben. Im Gegenteil: Die gemeinsame Zeit im Car, die vielen Gespräche und der Austausch untereinander sorgten dafür, dass die Gruppendynamik vom Regen völlig unbeeindruckt blieb.
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Vancouver Island und die Kraft des Pazifiks
Nach zwei Tagen in Vancouver ging es mit der Fähre weiter nach Victoria auf Vancouver Island. Dort stand eines der Highlights der Reise auf dem Programm: Whale Watching.
Der Pazifik zeigte sich an diesem Tag allerdings von seiner rauen Seite. Die Wellen waren hoch und das Boot wurde kräftig durchgeschüttelt. Einige Teilnehmende der Reisegruppe – mich eingeschlossen – mussten dabei feststellen, dass sie nicht ganz seefest sind. Trotz des kräftigen Wellengangs war die Sichtung der Wale ein eindrückliches Erlebnis und zweifellos einer der Höhepunkte unserer Reise.
Einen ganz anderen Eindruck hinterliessen am nächsten Tag die berühmten Butchart Gardens. Die weitläufige Gartenanlage beeindruckte mit ihrer Farbenpracht und den liebevoll gestalteten Anlagen.
Bären, Berge und Geschichte
Weiter führte uns die Reise nach Whistler. Der bekannte Bergort versprüht eine besondere Atmosphäre und bietet auch im Sommer zahlreiche Möglichkeiten, die Bergwelt zu erleben. Bei einer Gondelfahrt eröffneten sich beeindruckende Ausblicke auf Wälder, Täler und schneebedeckte Gipfel.[IMG 3]
Ein ganz besonderer Moment war die erste Sichtung von Schwarzbären in freier Wildbahn. Die Tiere in ihrer natürlichen Umgebung beobachten zu können, gehörte für viele von uns zu den schönsten Erlebnissen der Reise.
Ein Zwischenhalt bei der historischen Hat Creek Ranch brachte uns zudem die Geschichte Westkanadas näher und vermittelte einen spannenden Einblick in das Leben der frühen Siedler.
Die majestätischen Rocky Mountains
Danach begann eines der landschaftlichen Höhepunkte unserer Reise: die Fahrt durch die kanadischen Rocky Mountains.
In Jasper besuchten wir den Maligne Lake, dessen türkisfarbenes Wasser von beeindruckenden Bergketten umgeben ist. Die Landschaft wirkte beinahe unwirklich schön.
Über den berühmten Icefields Parkway ging es weiter Richtung Banff. Unterwegs reihten sich spektakuläre Ausblicke aneinander. Besonders der Lake Louise begeisterte mit seinem milchig-blauen Gletscherwasser und der eindrücklichen Bergkulisse.
Am Columbia Icefield wurden die Dimensionen der Gletscherlandschaft sichtbar. Die gewaltigen Eismassen hinterliessen bei vielen von uns grossen Eindruck und zeigten gleichzeitig, wie wertvoll und schützenswert diese Naturgebiete sind.
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Gastfreundschaft auf den Landwirtschaftsbetrieben
Nach den vielen Naturerlebnissen rückte die Landwirtschaft stärker in den Fokus.
Der erste Betriebsbesuch führte uns zu LS Land & Cattle, einem Familienbetrieb mit Nutz- und Zuchtrindern sowie Saatgutproduktion. Besonders in Erinnerung bleibt die herzliche Gastfreundschaft der Familie. Bei selbstgebackenem Kuchen entwickelten sich schnell angeregte Gespräche. Es wurde gefachsimpelt, gelacht und sogar das eine oder andere Rezept ausgetauscht.
Anschliessend besuchten wir einen modernen Milchviehbetrieb mit rund 600 Holstein-Kühen. Betriebsleiterin Andrea Verhoef, die ursprünglich aus den Niederlanden stammt, gewährte uns spannende Einblicke in die kanadische Milchproduktion und die Herausforderungen ihres Betriebs.
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Landwirtschaft im grossen Stil
Fast schien es, als hätte Kanada sein schönstes Wetter bis zuletzt aufgehoben. Nach vielen Regentagen zeigte sich die Sonne auf dem Weg nach Calgary endlich ausgiebig. Auf dem Weg machten wir Halt bei der Barr AG. Der Betrieb produziert Maissilage, Stroh und Heusilage und exportiert seine Produkte unter anderem nach Europa, Japan, Korea, Taiwan und in die USA.
Beeindruckend waren nicht nur die Betriebsgrösse, sondern auch die professionellen Abläufe und die internationale Ausrichtung des Unternehmens.
Ein gemeinsames Essen auf einer kleinen Schaffarm bildete schliesslich einen gemütlichen Abschluss unseres landwirtschaftlichen Programms.
Sonne zum Abschied
Zum Ende der Reise erreichten wir Calgary. Vom Calgary Tower aus bot sich uns ein fantastischer Blick über die Stadt und die weiten Ebenen Albertas.
Zurück bleiben unzählige Eindrücke, spannende Begegnungen und viele gemeinsame Erinnerungen. Trotz Regen, kühlen Temperaturen und manchem Kampf gegen den Jetlag war die Reise ein voller Erfolg. Vielleicht waren es gerade die gemeinsam gemeisterten Herausforderungen, die unsere Gruppe zusammengeschweisst haben. Sicher ist: Kanada hat uns mit seiner beeindruckenden Natur, seiner Gastfreundschaft und seiner vielfältigen Landwirtschaft nachhaltig beeindruckt.