Nach knapp zwei Stunden landet der Flieger in Barcelona – der kosmopolitischen Millionenmetropole direkt am Meer. Von der Hauptstadt Kataloniens geht es direkt weiter nach Lloret de Mar. Die Stadt an der Costa Brava wird im Sommer zur Partyhochburg, im Frühling zeigt sie sich jedoch von ihrer ruhigen, milden Seite und erweist sich als idealer Ausgangspunkt, um den Nordosten Spaniens zu entdecken. Am nächsten Tag steuert der Reisebus «Mas Bes» an – einen Familienbauernhof in der Provinz Girona, der auf Milchwirtschaft spezialisiert ist. Er gehört zu einer Kooperative von sieben katalanischen Bauernhöfen, deren Milch unter dem Namen «ATO Natura» vermarktet wird. Die Produkte stehen für hohe Qualität, regionale Herkunft und strenge Tierschutzstandards.

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Tradition und Moderne

Was im Jahr 1950 mit vier Milchkühen begann, präsentiert sich heute als hochmoderner Grossbetrieb mit fast 1200 Tieren. Der Hof befindet sich noch immer in Familienbesitz – mittlerweile in vierter Generation. Aleix, zuständig für das Tierwohl, zeigt in seiner Präsentation auf, welche Transformationen der Betrieb in den vergangenen Jahrzehnten durchlaufen hat und welche Probleme es derzeit bei den Hörnern zu packen gilt.

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Auf «Mas Bes» sind nachhaltige Kreisläufe Programm: Der Kuhmist wird in einer betriebseigenen Biogasanlage vergoren und zur Stromerzeugung genutzt, die Gärreste dienen als Kompost für den Feldfutteranbau. Zu den grössten Herausforderungen zählen derzeit Seuchen und die sengende Sommerhitze. Damit die rund 550 Milchkühe und ihre Jungtiere Temperaturen von bis zu 40 Grad bei hoher Luftfeuchtigkeit schadlos überstehen, wurden die Ställe aufwändig modernisiert – mit riesigen Deckenventilatoren, Kuhduschen und XLarge-Bürsten.

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Um die Gesundheit des Viehs weiter zu verbessern, arbeitet der Betrieb eng mit universitären Einrichtungen zusammen. Ziel ist es, den Einsatz von Antibiotika durch Anpassungen in der Kälberernährung langfristig überflüssig zu machen. Gemolken wird dreimal täglich – im Schnitt ergibt das 44 Liter Milch pro Kuh. Spitzenkühe liefern gar über 60 Liter. Doch «Mas Bes» setzt längst nicht nur auf Milchproduktion. Führungen durch die Ställe und das Museum mit landwirtschaftlichen Geräten, ein Hofladen, Stellplätze für Wohnmobile, Ferienhäuser und ein Streichelzoo machen Landwirtschaft hier für ein breites Publikum erlebbar.

Nach einem üppigen Dreigänger mit lokalen Delikatessen direkt ab Hof führt die Reise weiter nach Girona. Die mittelalterliche Stadt begeistert mit ihrer malerischen Altstadt, engen Gassen, der römischen Stadtmauer und der imposanten Kathedrale, deren Hauptschiff als das breiteste der Welt gilt. Ebenfalls sehenswert: die bunten Häuser aus dem 18. Jahrhundert entlang des Onyar. Über den Fluss führt auch die von Gustave Eiffel entworfene rote Brücke, die den Schlusspunkt des Rundgangs bildet.

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Die Korken knallen lassen

Katalonien ist nicht nur Spaniens zweitgrösste Weinregion, sondern mit rund 42’000 Hektar Korkeichenwald auch ein Zentrum der Korkindustrie. Die nächste Exkursion beginnt vor einem dieser dürreresistenten Bäume, die nach rund dreissig Jahren erstmals geschält werden. Beim Rundgang durch die Korkfabrik wird rasch klar: Der Aufwand hinter dem kleinen Flaschenverschluss ist enorm. Waschanlagen schäumen und rattern neben unzähligen Stanz- und Sortiermaschinen, die aus dem Naturmaterial ein elastisches und wasserabweisendes Endprodukt fabrizieren. Nur die besten Exemplare gelangen bis zur letzten Station, wo die Sekt- und Weinkorken im Labor einem finalen Qualitätscheck unterzogen werden.

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Flaschen stehen auch bei der nächsten Besichtigung im Mittelpunkt: Vichy Catalan ist nicht nur ein traditionsreicher Kurbetrieb, sondern auch eine moderne Abfüllanlage für mineralreiches Quellwasser. Dieses entspringt nördlich von Barcelona mit rund 60 Grad aus unterirdischen Thermalquellen, ist von Natur aus stark kohlensäurehaltig und besitzt einen unverkennbaren Geschmack. Beim Rundgang fällt der Blick auf die zahlreichen Automaten, die in rasendem Tempo Etiketten und Deckel auf die Flaschen pressen und sie versandbereit machen. Den krönenden Abschluss bildet eine Degustation der vor Ort produzierten Erzeugnisse – von edlen Weinen bis zu fruchtigen Softdrinks in knalligen Farben. Salut! 

Süsse Früchte, schäumende Weine

Tag vier beginnt mit dem Besuch einer kleinen Erdbeerfarm auf hügeligem Gelände und endet mit einer Stadtrundfahrt in Barcelona – dem Ausgangspunkt für die kommenden Tage. Von dort führt die Reise weiter zu einem Bio-Betrieb südlich der Metropole, wo Obst und Gemüse nach den Grundsätzen der Permakultur angebaut werden. Auf den weitläufigen Feldern wachsen Artischocken Seite an Seite mit Hülsenfrüchten. Auch hier gilt: Probieren geht über Studieren. Die gedünsteten Artischocken werden zusammen mit aromatischen Erdbeeren direkt ab Feld serviert. Zweite Station des Tages ist ein familiengeführtes Weingut in der Region Penedès, wo «Cava» – der berühmte spanische Schaumwein – produziert wird. Daneben reifen Rot-, Weiss- und Dessertweine in Bioqualität in grossen Holzfässern heran. Wie könnte es anders sein: Auch hier wird direkt vor Ort  degustiert und dabei den fachkundigen Ausführungen zu Anbau, Lagerung und Vertrieb gelauscht.

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Am Samstag steht Barcelona auf dem Programm. Zu Fuss geht es durch das «Barri Gòtic», einen der grössten erhaltenen mittelalterlichen Stadtkerne Europas, und über die «La Rambla», Barcelonas berühmteste Flaniermeile. Auch ein Besuch des bekanntesten Marktes der Stadt, des «Mercat de la Boqueria», darf nicht fehlen. Hinzu kommen die einzigartigen Bauwerke von Antoni Gaudí, der sich bei seinen Entwürfen von organischen Formen und der Natur inspirieren liess. Was zu Lebzeiten nicht immer auf Gegenliebe stiess, zählt heute zum UNESCO-Weltkulturerbe und zieht jedes Jahr Millionen Besucher an.

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Etwas ruhiger geht es tags darauf in Tarragona zu und her – der historischen Hafenstadt an der «Costa Dorada». Sie weist eine aussergewöhnlich hohe Dichte an römischen Fundstätten auf, darunter ein Amphitheater, ein Zirkus und ein Aquädukt. Ebenfalls zum UNESCO-Weltkulturerbe gehören die sogenannten Castells – Menschentürme, die bei Festen errichtet werden und bis zu zehn Stockwerke hoch sein können. Das Prinzip ist einfach: Unten stehen die kräftigsten Personen, nach oben hin werden die Kletterer leichter. Die Spitze bilden meist Kinder. Ein ebenso riskantes wie imposantes Unterfangen, das nicht immer glimpflich endet. Dabei ist allen Beteiligten laut der Reiseführerin stets bewusst: «Wenn wir nicht zusammenhalten, können wir nicht wachsen.» Ein Satz, der auch Wochen nach der abwechslungsreichen Reise nachhallt.

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