Die Monate April und Mai 2021 zeigten sich zu nass und zu kalt. Der Reifeprozess verzögerte sich oder es konnte aufgrund der Nässe nicht angepflanzt werden. Anfang April 2021 ereignete sich nach 2017 erneut eine insbesondere für Steinobst sehr ausgeprägte Frühlingsfrostphase. Rekordwärme in den Jahren 2018 und 2020 mit Hitzewellen und Niederschlagsdefiziten in den Sommermonaten verursachten Trockenheitsschäden an Ackerkulturen.
Die Wetterextreme haben in den vergangenen Jahren an Intensität und Häufigkeit deutlich zugenommen und vielen Landwirtinnen und Landwirten macht dies mehr und mehr zu schaffen. Die im Rahmen des Klimawandels prognostizierte Zunahme von Extremwetterlagen führt zu einem deutlichen Anstieg der Ertragsvolatilität und des Liquiditätsrisikos für die Landwirtschaftsbetriebe.
Die parametrische Versicherung erfordert keine Abschätzung vor Ort
Die Agrarversicherer reagieren auf diese Problematik mit dem Ausbau der bestehenden schadenbasierten Versicherungsprodukten sowie teils auch mit neuen indexbasierten, parametrischen Versicherungsdeckungen. Parametrische Versicherungen erfordern keine Abschätzung vor Ort. Die Entschädigung erfolgt auf Basis eines vordefinierten Indexwertes respektive beim Eintritt eines Wetterereignisses.Wird ein im Voraus festgelegter Schwellenwert über- resp. unterschritten, erfolgt eine Auszahlung (z. B. eine Niederschlagssumme in einem vereinbarten Zeitfenster).
Es besteht ein Basisrisiko
Hierbei ist es notwendig, dass die Korrelation zwischen dem festgelegten Index und der agronomischen Realität (effektive Erntemenge) möglichst hoch ist. Ansonsten wird die Versicherungsleistung dem entstandenen Schaden nur teilweise oder im Extremfall gar nicht entsprechen. Eine solche Diskrepanz zwischen Versicherungsauszahlung und entstandenem Schaden wird als Basisrisiko bezeichnet. Da die Realität im Feld äusserst komplex ist und sehr viele Faktoren berücksichtigt werden müssen, ist trotz neuen und besser auflösenden Messmöglichkeiten die Reduktion des Basisrisikos nach wie vor ein sehr anspruchsvolles Unterfangen. Die gegenwärtig getesteten Anwendungen bilden Pilotversuche im Zusammenhang mit Niederschlägen.
Die verschiedenen Pauschalversicherungen
Im Rahmen der Gras-Pauschalversicherung «Klima» wird in der Schweiz bereits seit 2016 ein Produkt angeboten, welches Dürreschäden anhand eines Trockenheitsindexes (Berechnung anhand lokaler Niederschlagsmenge und täglicher Verdunstung) berechnet. Zusätzlich hat die Schweizer Hagel Anfang 2021 im Rahmen eines Pilotprojektes, unter der Marke Swiss-Agro-Parametrics, weitere Indexprodukte wie «Gras-Qualität» (Minderung der Grasqualität aufgrund von anhaltenden Niederschlägen, ungenügenden Sonnenscheinstunden und fehlender Erntefenster) und «Gemüse-Regen» (z. B. Entschädigung aufgrund übermässigem Niederschlag im Gemüsebau) lanciert.
Indexbasierte Versicherungen lösen die schadenbasierten Versicherungslösungen nicht ab
Indexbasierte Versicherungen lösen die schadenbasierten Versicherungslösungen mit professioneller Schadenabschätzung vor Ort, welche weltweit immer noch über 90 % des Angebots bilden, keinesfalls ab. Sie sind jedoch für gewisse Risiken eine zu prüfende Ergänzung oder Alternative (z. B. Dürre). Im Gegensatz zu anderen Gefahren wie Hagel tritt Dürre meistens sehr grossflächig auf und es kommt oft vor, dass umfangreiche Ernteausfälle in kurzer Zeit abgeschätzt werden müssen.
Im Übrigen reagieren nicht nur die Agrarversicherer auf die Klimaerwärmung. Auch die Landwirtschaft selbst trifft Massnahmen und die Staaten fördern im Rahmen von Public Private Partnership (PPP) Lösungen zur Risikovorsorge der Landwirtschaft bzw. Finanzierung der Prämien für Mehrgefahrendeckungen.

Esther Böhler ist Mediensprecherin bei der Versicherung Schweizer Hagel.

