Schönes Wetter war im Vorfeld der Feier zur Übergabe der Fachausweise Bäuerin / bäuerlicher Haushaltleiter von den Verantwortlichen gewünscht worden. «Und ich wurde im Übermass angehört.» Dies erklärte Rajka Frei, Mitglied der Prüfungsleitung beim Schweizerischen Bäuerinnen- und Landfrauenverband (SBLV) eingangs der Feier Ende Juni am landwirtschaftlichen Zentrum Liebegg in Gränichen AG schmunzelnd.
Um allen Anwesenden die Hitze ein wenig erträglicher zu machen, lud sie dazu ein, sich gedanklich in die Antarktis zu begeben, und an die Kaiserpinguine zu denken, die dort in eisigem Wasser tauchen. Mit genügend Getränken versorgt, wurden die Leistungen der 160 Absolventinnen und eines bäuerlichen Haushaltsleiters trotz grosser Hitze würdig gefeiert.
Viel Wertschätzung von allen Seiten
Mehrere namhafte Persönlichkeiten liessen es sich nicht nehmen, Grussworte und Gratulationen zu überbringen. So erklärte Anne Challandes, Präsidentin SBLV, dass ohne die Landwirtschaft ohne Frauen weltweit nicht dort wäre, wo sie stehe. Zudem seien sie wichtige Akteurinnen des Wandels.
Dass die Uno das Jahr 2026 zum Jahr der Frauen in der Landwirtschaft ausgerufen habe, sei wichtig. «Frauen zu stärken, bedeutet, die ganze Gesellschaft zu stärken», betonte sie. Für die Zukunft wünschte sie den Absolventinnen und dem Absolventen: «Hört auf euer Bauchgefühl, bleibt neugierig und offen.»
[IMG 2]
Der Aargauer Regierungsrat Markus Dieth (Die Mitte) betonte: «Weiterbildung ist das entscheidende Fundament der Zukunft.» Er schätze es, dass Bäuerinnen Brücken bauen zwischen den Höfen und den Konsumenten. Er forderte aber auch: «Die Landwirtschaft muss Verständnis schaffen und zu den Leuten hingehen.» Dies nach dem Motto: «Wer nicht handelt, wird behandelt. Daher handeln Sie, denn Sie haben das Rüstzeug dazu!»
Colette Basler forderte mehr Miteinander
Das wohl persönlichste Referat an dieser Feier hielt Colette Basler. Sie ist Bäuerin, Präsidentin Bildung Aargau, Grossrätin und Vizepräsidentin des Aargauer Bauernverbandes. Sie ermunterte die Absolventinnen einerseits, ihre Fähigkeiten selbstbewusst einzusetzen – auch ausserhalb der Höfe.
Neben dem erworbenen Fachwissen sei auch die gegenseitige Unterstützung jederzeit wichtig. «Haltet einander die Leiter und helft euch zuoberst auf den Chriesibaum. Glaubt an das, was ihr könnt, nutzt eure Stärken und arbeitet damit. Fordert und fördert einander. Denn ihr könnt mehr, als ihr denkt», betonte sie.
Andererseits erinnerte sie daran, dass sich Frauen auch genügend Pausen für sich nehmen sollen. Jede Bäuerin sollte sich drei Wochen Ferien gönnen können: eine Woche als Familie, eine Woche mit dem Partner und eine Woche ganz allein für sich, das sei ihr Wunschtraum. Denn Basler weiss: «Erfolg kommt nur, wenn wir die Arbeit meistern können.» Zudem zeigte sie anhand persönlicher Erfahrungen auf, wie wichtig es ist, Dinge nicht aufzuschieben, sondern bewusst zu erleben und Erfolge, seien diese noch so klein, zu feiern.
Auch Daniela Lobsiger, Verwaltungsrätin der Fenaco, liess es sich nicht nehmen, den Absolventinnen zu gratulieren.
[IMG 3]
Zahlen zur Prüfung vom Frühling
Bevor die Fachausweise schliesslich übergeben wurden, präsentierte die Prüfungs-Chefexpertin Christine Gerber ein paar Zahlen. So waren zur Prüfung im Frühling 2026 gesamthaft 183 Personen angetreten.
160 Frauen und ein Mann haben die Anforderungen erfüllt und die Prüfung bestanden. Die Absolventinnen stammen aus 20 Deutschschweizer Kantonen, zwei Personen kommen aus Liechtenstein und eine Person ist in Deutschland wohnhaft. Das Durchschnittsalter betrug 29,3 Jahre, wobei die jüngste Absolventin 22 und die älteste 52 Jahre alt ist. Sie alle weisen gesamthaft nicht weniger als 47 vorherige Berufsabschlüsse vor. Zum Abschluss betonte Christine Gerber: «Ihr könnt alle stolz sein!»
[IMG 4]
Die besten Abschlüsse eines Jahres erhalten einen Preis der Schweizer Agrarmedien AG
[IMG 5]
Einmal pro Jahr vergibt die Schweizer Agrarmedien AG einen Preis an diejenigen Absolventinnen, die bei der Prüfung im Herbst des Vorjahres und derjenigen im Frühling die besten Prüfungen abgelegt haben. Damit würdigt der Verlag, der die BauernZeitung herausgibt, die Leistung der Bäuerinnen mit Fachausweis. Denn auch die BauernZeitung weiss, dass die Frauen auf den Höfen wichtige Stützpfeiler sind.
Das sind die Ausgezeichneten mit den besten Noten
Von der Frühlingsprüfung konnten Brigitte Meier, Gränichen AG, mit der Note 5,6, sowie Katja Aregger aus Willisau LU und Stephanie Lötscher aus Greppen LU, beide mit der Note 5,8 ausgezeichnet werden. Drei Frauen erhielten eine Auszeichnung, die ihre Prüfung im Herbst 2025 erfolgreich abgelegt und ihren Abschluss im Januar gefeiert hatten. Alle drei schlossen mit der sagenhaften Höchstnote 6 ab. Es sind dies: Veronica Oberholzer- Oertly aus Altendorf SH; Stefanie Schori aus Madiswil BE und Tamara Bieri aus Oberembrach ZH. Sie alle erhielten eine Auszeichnung und 500 Franken für ihre herausragende Leistung.