Obwohl Lionel Stalder aus Oberthal BE im September erst 16 Jahre alt wird, hat er doch schon genaue Vorstellungen für seine Zukunft. Der junge Mann will Landwirt lernen, ein anderer Beruf ist für ihn nie infrage gekommen.
Ein Betrieb ist schon in Aussicht
Das ist umso erstaunlicher, weil seine Eltern weder einen Bauernhof besitzen noch aus der Landwirtschaft stammen. «Ich wusste schon als Fünfjähriger, dass ich einmal Bauer werden möchte», sagt Lionel überzeugt. Aufgewachsen ist er mit seinem Bruder und den Eltern in einem Bauernstöckli am Dorfrand von Oberthal. Schon früh zog es ihn in den Stall der Nachbarn Ursula und Bernhard Zürcher.
«Kaum konnte ich laufen, war ich schon bei ihren Kühen im Stall anzutreffen», erzählt der junge Mann von seiner Faszination für die Landwirtschaft. Da Zürchers keine eigenen Kinder haben, wurde schnell klar, dass Lionel einmal den Betrieb übernehmen kann. «Ich verspüre hier aber keinen Druck», sagt er bestimmt.
Die drei Lehrstellen hat er schon
Für Lionel Stalder heisst es zuerst einmal, die landwirtschaftliche Lehre zu absolvieren. «Meine drei Lehrstellen habe ich schon», sagt er stolz. Er habe sich selbst darum bemüht. «Ich wusste, auf was für Betrieben ich lernen wollte, und griff dabei selbst zum Telefon, als es darum ging, ein paar Schnuppertage zu absolvieren.»
Alle drei Betriebe mussten dabei nicht nur Ackerbau, sondern vor allem auch Milchwirtschaft betreiben. «Ich wollte einen Betrieb mit einer jungen Betriebsleiterfamilie, einen Betrieb mit Roboter und einen Betrieb, wo die Kühe noch in einem Anbindestall mit Absauganlage gemolken werden», hält er fest. Ab August wird Lionel nun sein erstes Lehrjahr bei Familie Kiener in Habstetten BE beginnen. Das zweite Lehrjahr soll bei Familie Wüthrich in Landiswil BE starten. Seine Lehre will Lionel schliesslich nach dem dritten Lehrjahr bei Familie Blaser in Schüpbach BE beenden. «Beim Schnuppern haben mir alle drei Betriebe sehr gut gefallen», sagt er zufrieden.
Den KB-Katalog stundenlang studiert
Ins Welschland habe es ihn nie gezogen. «Ich hatte schon in der Schule nicht gerne Französisch», sagt Lionel Stalder bestimmt. Dafür wusste er schon in der fünften Klasse, welche Kuh mit welchem Stier zu besamen ist. «Bernhard Zürcher hat mir da schon freie Hand gegeben», sagt der 16-Jährige stolz.
Er studiere dann stundenlang den KB-Katalog, um den passenden Muni zu finden. «Der Stier muss mir auf Anhieb gefallen», betont er. Die Vererbung des Charakters des Stieres stehe dabei im Vordergrund: «Ich habe nicht gerne Kühe, die nervös sind», sagt er über sein Zuchtziel.

Mit Rindern an die Ausstellung
Auch in der Schule hätten ihn die Lehrer unterstützt, als er gesagt habe, er wolle Landwirt lernen. Was die Mädchen sagten, sei ihm egal gewesen. «In meiner Klasse machen drei Buben die landwirtschaftliche Ausbildung», sagt Lionel Stalder stolz. «Ich habe zwar noch als Mechaniker geschnuppert, doch schon nach ein paar Tagen wusste ich: Das ist nichts für mich», sagt er gelassen.
Ohne Kühe könne er sich aber nicht vorstellen, einen Betrieb zu führen. «Die Viehzucht ist meine Leidenschaft», erzählt er. So durfte er schon zweimal mit Rindern von Familie Zürcher an einer Ausstellung teilnehmen. «Gut, eine bessere Platzierung hätte ich mir schon gewünscht, doch ich stehe erst am Anfang mit meinen züchterischen Erfolgen», hält er fest.
Für ihn sei aber auch die Viehschau in Oberthal BE jedes Jahr ein grosses Highlight. Im Herbst laufe man mindestens mit zehn Kühen auf den Schauplatz. «Ich sage dann zu Bernhard Zürcher, dass wir diese und jene Kuh mitnehmen sollten.» Erst einmal habe er die Herbstviehschau verpasst. Da gingen er und seine Eltern nach Ägypten in die Ferien. «Hatten wir aber Schule, sagte ich der Lehrerin, ich würde am nächsten Tag nicht kommen, sondern freinehmen.»
Ein Fan von Swiss Fleckvieh
Auf dem Betriebsrundgang geht es mit Lionel Stalder zuerst in den Stall von Familie Zürcher. Auf zwei Lägern finden die 16 Kühe ihren Platz, alles ist blitzblank sauber. Gemolken wird mit einer Absauganlage. «Wir füttern keine Silage, die Tiere müssen während der Vegetation ihr Futter auf der Weide selbst suchen», erzählt Lionel. Im Stall wird nur noch wenig Heu nachgefüttert.
Vor allem die SF-Kuh hat es Lionel angetan: «Diese Rasse passt perfekt in diese hügelige Region», ist er überzeugt. So werden zurzeit auch viele Kühe mit dem SF-Stier Roxel besamt. Auch die Namen der neugeborenen Kälber darf Lionel selbst auswählen. «Gut, für Zürcher Bernhard sind sie oft zu modern», meint der 16-Jährige grinsend. So heisst die neue Generation Jolie, Jamaica oder Florida. «Das ist doch nicht so schlimm», meint Lionel, der häufig auch Inselnamen für die Kälber aussucht.

Vielleicht noch den Besamerkurs absolvieren
«Komm, jetzt zeige ich dir noch unseren neuen Traktor», sagt Lionel Stalder. Und schon sitzt er auf dem New Holland. «Es ist halt schon die beste Marke», sagt der angehende Landwirt, während er den New-Holland-Traktor vor den Schopf fährt.
Nach der Lehre und vor der Betriebsübernahme will der 16-Jährige vielleicht noch etwas anderes machen, wie er sagt: «Ich will noch herausfinden, wo es mich braucht.» Er könne sich gut vorstellen, bei Swissgenetics den Besamerkurs zu absolvieren.
Die Zukunft der Landwirtschaft sieht Lionel Stalder anspruchsvoll und spannend. Wie er später seinen Betrieb gestalten möchte, lässt er offen. In einem neuen Laufstall Kühe zu melken, wäre sein Traum. Aber: «Jetzt mache ich erst einmal meine Ausbildung zum Landwirt. Im August geht es los und ich freue mich wahnsinnig darauf», sagt Lionel zufrieden.

