Was haben Haushühner und Sauerteigbrote gemeinsam? Beide erleben seit der Pandemie einen Boom. «Die Kurse sind ausgebucht», bestätigt Flurina Zeindler. «Sei es, weil die Selbstversorgung einen höheren Stellenwert hat. Oder weil man ein handliches Nutztier aus der Nähe erleben möchte.» Sie bietet an der landwirtschaftlichen Schule Liebegg in Gränichen unter anderem die Weiterbildung «Hühner im Hausgarten» an.

Wer professionell mit Hühnern arbeitet, weiss, dass bei der Haltung eine ganze Reihe von Regeln beachtet werden muss. Doch was braucht es, wenn man nur wenige Hühner als Hobby halten möchte? Zum Beispiel im Garten neben dem Haus, um den privaten Eierbedarf zu decken?

«Das Wichtigste ist: Man muss sich bewusst sein, dass man auch diese Tiere jeden Tag kontrollieren muss.» Egal, ob es stürmt oder schneit und wie viel Arbeit sonst noch auf dem Hof zu erledigen ist. Flurina Zeindler weiss, wovon sie spricht. Die Agronomin hält selbst Hühner in ihrem Garten.

Man hört und riecht sie

Ebenfalls nicht zu unterschätzen: «Hühner können laut sein und stinken.» Steht das Bauernhaus mitten in einer Siedlung, lohnt es sich daher, im Vorfeld mit den Nachbarn zu sprechen.

Auch für einen Hobby-Hühnerstall reicht es nicht, einfach einen Paletten-Rahmen umzubauen. «Das geht bestenfalls für Jungtiere.» Der Stall muss unter anderem mindestens zwei Quadratmeter Fläche haben und man sollte aufrecht darin stehen können. Es braucht Sitzstangen auf verschieden Höhen und mindestens ein Nest für fünf Hühner. Die detaillierten Angaben finden sich auf der Website des Bundesamtes für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen.

Ein- und ausbruchsicher

Als Schutz vor Fressfeinden wie Fuchs oder Marder sollte das Aussengehege mit einem zwei Meter hohen Zaun begrenzt werden, der am Boden eingegraben ist. Stehen auf dem Gelände nicht ausreichend Bäume, braucht es zusätzlich ein Netz gegen Raubvögel. Ideal ist, wenn dem Hühnerstall zudem ein «Wintergarten» angegliedert ist, den die Tiere auch bei Schlechtwetter nutzen können.

Nicht alle Hühner, die zum Verkauf angeboten werden, eignen sich zudem für jeden Hausgarten – vor allem, wenn es sich um sehr ausgefallene Rassen handelt. «Hühner mit befederten Füssen kommen mit dreckigem Boden schlecht klar, wie etwa die grosse Hühnerrasse der Brahmas», weiss Flurina Zeindler. Selbst bei erhaltenswerten einheimischen Rassen sollte man sich genau über die Eigenheiten informieren. «Appenzeller Spitzhauben sind etwa eher wild und gute Flieger.»

Wie bei allen Tieren gilt: Man muss ihre Grundbedürfnisse kennen, wissen, wie man sich um Hühner herum bewegt, wie man sie anfassen kann und welche Krankheiten auftauchen können. «Denn viele Krankheiten und Parasiten können mit guter Hygiene zumindest eingedämmt werden.»

Metzger oder Tierarzt?

Haushühner werden oft fünf bis acht Jahre alt. Bereits vor dem Kauf sollte man sich mit Ableben der Tiere auseinandersetzen. «Es gibt nur wenige spezialisierte Metzger», so Flurina Zeindler. «Man kann in einem Kurs lernen, die Tiere selbst zu schlachten, sie zu rupfen und auszunehmen. Doch das ist nicht jedermanns Sache.» Die Alternative ist der Gang zur Tierärztin.

Auch das «wo» im Hausgarten braucht etwas Aufmerksamkeit. Denn aus Hygienegründen sollten Hühner weder in den Gemüse- noch in den Beeren-Beeten frei herumlaufen, da sie überall ihren Kot hinterlassen. Da hilft nur, entweder den Nutzgarten einzäunen – oder die Hühner.

Infos zur Hobby-Hühnerhaltung

Anmelden: Auch wenn Hühner ausschliesslich als Hobby gehalten werden, müssen sie bei einer kantonalen Koordinationsstelle registriert werden. Infos finden sich auf der Website des Bundesamts für Lebensmittel und Veterinärwesen oder über www.agate.ch.
Haltung und Recht: Auf der Website des Bundesamtes für Lebensmittel und Veterinärwesen sind zudem umfangreiche Informationen rund um die private Hühnerhaltung sowie ein Merkblatt zum Thema «Hühner im Recht» aufgeschaltet:
Bundesamt für Lebensmittel und Veterinärwesen


Rassen: Mehr zu einheimischen Hühnerrassen entdeckt man bei Pro Specie Rara und beim Züchterverein für ursprüngliches Nutzgeflügel (ZUN). 
www.prospecierara.ch
www.zun-schweiz.ch


Kauf: Die Stiftung «Rettet das Huhn» vermittelt ausrangierte Legehennen.Auf Online-Plattformen und in Kleininseraten, wie zum Beispiel in der Zeitschrift «Tierwelt», werden regelmässig Hühner angeboten.
www.rettetdashuhn.ch
www.tierwelt.ch