Hanni Berger hat ein Händchen für Tomaten in allen Farben und Formen

Der Bergerhof in Maur ist bekannt für seine Tomatenvielfalt. Die Früchte sind eine Passion von Altbäuerin Hanni Berger. Sie verrät, wie man beim Ziehen eigener Tomaten vorgehen muss.

Angenehm kühle Luft empfängt die Kundinnen an diesem heissen Sommertag in Bergers-Hof-Lädeli – und eine ganze Wand voll mit unterschiedlichen Tomaten, rote, gelbe und fast schwarze, kleine und grosse, runde und längliche.

«Wir hatten immer Tomaten», erinnert sich Hanni Berger. Doch dass der Bergerhof heute eine so grosse Auswahl anbietet, habe mit einer Marktkundin begonnen. «Das zeigt, wie wertvoll Marktgespräche sein können.»

Bald die 5. Generation

Der Bergerhof liegt ausserhalb von Maur ZH am Greifensee. Betrieben wird er in vierter Generation von Felix Berger und Nicole Berger-Buchmann, die hier ihre drei Mädchen aufzogen. Nächstes Jahr werden wohl Tochter Sarina und Schwiegersohn Jonas Bosshard den Hof übernehmen.

Auch die Eltern von Felix arbeiten immer noch mit: Ruedi Berger hilft überall, wo es seine Kräfte zulassen. Seine Frau Hanni kümmert sich um das Gemüse und die Backstube. «Die Generationen unterstützen sich gegenseitig.»

Jede Woche auf den Markt

Angebaut werden Äpfel, Kirschen, Pflaumen, Zwetschgen, Birnen, Nektarinen, Pfirsiche und Aprikosen. Dazu kommen verschiedene Gemüse, Kräuter und Salate, Kartoffeln und eben Tomaten. Die Direktvermarktung hat für den Betrieb einen grossen Stellenwert. Ausser im Hofladen bietet die Familie ihre Produkte jeden Freitag auf dem Markt in Uster ZH an.

Direktvermarktung sei ein spezieller Betriebszweig, meint Hanni Berger. «Man muss Freude daran haben und hinter den Produkten stehen können.»

Markenzeichen Tomaten

Die grosse Tomatenauswahl ist ein Markenzeichen von Laden und Marktstand. Dieses Jahr sind es rund 20 Sorten. «Manche Kunden freuen sich schon im Frühling riesig auf die Saison.» Neben «Klassikern» wie Bernerrosen oder Datteltomätli gehört auch weniger Geläufiges zum Angebot, wie Babouschka, Tigrella oder Blue Berrie Cherry.

Hanni Bergers Begeisterung für die Tomatenvielfalt begann vor rund zehn Jahren. Eine Marktkundin im Rollstuhl erzählt ihr, dass ihre Mutter immer rot-schwarze Tomaten gezogen habe. Einige Zeit später brachte sie Hanni Berger Samen dieser Tomaten an den Stand.

20 Sorten Tomaten werden auf dem Bergerhof angebaut und im Hofladen und auf dem Markt angeboten.
20 Sorten Tomaten werden auf dem Bergerhof angebaut und im Hofladen und auf dem Markt angeboten.

Einst gelb, dann rot

Rund 300 Tomatensorten sind bekannt. Als die Pflanze im 16. Jahrhundert nach Europa kam, waren die Früchte vorwiegend gelb. Doch mit der Zeit setzten sich die roten Sorten durch. Seit einigen Jahren suchen und schätzen Konsumentinnen und Konsumentinnen aber auch andersfarbige Tomaten.

Die fast schwarzen Tomaten kamen bei den Kunden gut an. Die Bäuerin bestellte daraufhin auch andere Tomatensamen bei Händlern und über Pro Specie Rara und begann zu pröbeln.

«Manche Sorten waren allerdings ein Reinfall, weil sie zum Beispiel nicht transportfähig waren.» Die Kundin im Rollstuhl käme übrigens immer noch regelmässig an den Marktstand. «Heute kauft sie Tomatensetzlinge bei uns.»

Umlernen im Treibhaus

Hanni Berger führt vom klimatisierten Hofladen ins tropisch-warme Treibhaus. Ein Abbruchprojekt einer Gärtnerei, das Familie Berger vor einem Jahr übernehmen konnte. «Vorher bauten wir die Tomaten immer in Tunneln an. Mit dem Treibhaus beginnt die Saison nun früher.» Doch es sei ein Umlernen gewesen, vor allem in Sachen Bewässerung und Belüftung.

Die Tomatenpflanzen wachsen in vier langen Reihen an Schnüren. Sie sind bis zu drei Meter hoch. Die Bestäubung übernehmen Hummeln, blaue Lampionblumen schützen die Pflanzen vor Befall durch die Weisse Fliege.

Start im Februar

Die meisten Samen zieht Hanni Berger selber. «Wichtig ist, die Samencouverts gut anzuschreiben, sonst gibt es Überraschungen», meint sie mit einem Lächeln und deutet auf ein einzelnes Gewächs mit gelben Perltomaten zwischen roten Cherry-Tomatenpflanzen.

Die Anbausaison beginnt meist schon Anfang Februar: Die Samen werden in einem beheizten und beleuchteten Raum ausgesät. «Pro Sorte eine halbe Kiste.» Etwa im März kommen sie in ein heizbares kleines Treibhaus, werden pikiert und in Torftöpfe umgepflanzt. «Und natürlich rede ich den Pflänzchen gut zu.» Etwa Anfang April werden die Pflanzen ins grosse Treibhaus umgesiedelt.

Arbeitsschritte aufschreiben

Das Gespräch geht an einem schattigen Tisch unter einerPergola im Garten weiter. Hanni Berger holt ihr Garten-Bulletin nach draussen. «Unkraut an Selbstpflücker abzugeben» steht auf einem Foto auf dem Titel. Das Schild habe ihr eine Schwägerin geschenkt, zur Stalleinweihung, erzählt sie. Im Garten-Bulletin hält die Altbäuerin fest, wann sie was bei den Tomaten gemacht hat. «So sehe ich, was funktioniert hat oder eben nicht.»

Tomaten, Backstube und Markt: Hanni Bergers Tage sind gut ausgelastet. Erholen kann sie sich beim Velofahren und beim Gestalten von Relief-Grusskarten, für die sie alte Anis-Modelle als Vorlage verwendet. Bei aller Begeisterung für die Tomaten ist der 76-Jährigen das Kreative als Ausgleich sehr wichtig. «Damit ich die Freude an der Arbeit nicht verliere.»

Tomaten aus eigenen Samen

Samen: Für die Vermehrung nur sortenreine und samen-feste Sorten wählen und keine F1-Hybriden. Denn aus deren Saatgut können Pflanzen mit ganz anderen Eigenschaften wachsen.

Frucht: Wählen sie eine schöne, reife und gesunde Tomate, um Saatgut zu gewinnen. Eine (grosse) Frucht reicht meistens für die Samengewinnung, sie enthält zwischen 30 und 40 Samen.

Schaben: Die Samen sind von einer gallertartigen Masse umgeben. Schneiden Sie die Tomate auf und schaben sie die Samen mit etwas Fruchtfleisch in ein Glas.

Wässern: Giessen sie etwas Wasser ins Glas. Nach etwa zwei bis vier Tagen lösen sich die Samen von der gallertartigen Masse und sinken zu Boden. Oben schwimmende Samen sind nicht keimfähig und können aussortiert werden.

Spülen: Die Samen anschliessend in einem feinen Sieb unter laufendem Wasser gründlich abspülen.

Trocknen: Die Samen auf ein beschriftetes Stück Backpapier kippen. Statt Backpapier kann auch Küchenkrepp oder Zeitungspapier verwendet werden. Papier beschriften!

Lagern: Nach zwei bis drei Wochen sind die Samentrocken und können in ein beschriftetes Couvert gegeben werden. Werden sie trocken gelagert, halten die Samen bis zu fünf Jahre.

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