Das Gebimmel der Glocken von Hunderten von Kühen hallt durch das Hochplateau von Melchsee-Frutt OW, das ein traumhaftes Panorama in die Innerschweizer und Berner Alpen bietet. Es ist kühl, wolkig und luftig hier oben. Emsiger Betrieb herrscht in der Alpkäserei Tannalp noch um die Mittagszeit.
«Komm etwas später, dann haben wir kurz Zeit», sagt Käser Noldi Bucher zum BauernZeitung-Redaktor, der anlässlich einer Bike-Tour am ersten Freitag im Juli vor der Käserei kurz Halt macht und neugierig geworden ist.
Genug Wasser auf der Tannalp
Schon in der letzten Juniwoche seien die Alpen auf Melchsee-Frutt bezogen worden, erzählt Noldi Bucher später. Das sei früher als sonst; üblich sei der Alpstart in den ersten Juliwochen. Der Regen in den letzten Junitagen sei gerade zur rechten Zeit gekommen, denn der Futterwuchs nach der späten Schneeschmelze sei in anderen Jahren auch schon besser gewesen. Nun sehe es aber gut aus, und Trockenheit sei im Gegensatz zu anderen Alpen in der Region hier kaum ein Thema.
Die Lage des Hochplateaus mit einigen Seen, feuchten Becken sowie Bächen trägt trotz des Karstgebiets dazu bei. Die Alpen auf Melchsee-Frutt sind flächenmässig gross; über 600 Kühe weiden hier, dazu Jungvieh und einige Ziegen von rund 30 Landwirten. Viele würden tagsüber ihre Talbetriebe bewirtschaften, kämen lediglich zum Melken ihrer Kühe hochgefahren, übernachteten dann hier in den Alphütten, würden am Morgen melken, die Milch zur Käserei bringen und dann wieder ins Tal fahren, erklärt Noldi Bucher.

Milchkäufer mit Sbrinz-Käserei
Noldi Bucher ist Milchkäufer und verarbeitet zusammen mit seinem Sohn Patrick fast die gesamte Milch der hier gesömmerten Kühe, rund 200 000 kg pro Alpsommer. Anfänglich seien es täglich bis zu 5,5 t, die Mengen nähmen dann aber zügig ab, viele Kühe gingen galt bis zum Ende der Alpsaison Ende August. Die Alpzeit sei höhenbedingt (1900 bis 2200 Meter über Meer) kurz hier, lediglich sechs Wochen werde hier oben gekäst, dann gehe das Vieh wieder ins Tal.
Die Käserei Tannalp hat der Vater von Noldi Bucher 1976 erbaut, seit 1977 käst der heute 65-Jährige hier. Sbrinz, Mutschli, Joghurt, Butter entstehen aus der Alpmilch – pro Sommer allein rund 350 Laibe Sbrinz, vermarktet über die Sortenorganisation an die Emmi AG. Ein Teil der Produkte wird auch selbst verkauft. Die aus der Käserei anfallende Schotte füllt einen nahen Tankanhänger, der wird alle drei Tage von einem Lastwagen geholt. Das Flüssigfutter wird an Schweinemastbetriebe im Tal geliefert.
Gastwirtschaft für Touristen
Sohn Patrick Bucher, gelernter Koch und in Teilzeit im Spital Stans tätig, arbeitet den Sommer über in der Alpkäserei mit. Bei Bedarf über den Winter hilft er seinem Vater auch in der Talkäserei. Und auf Tannalp betreut er die Gäste am viel begangenen Wanderweg. So findet manches Stück Sbrinz und Bratkäse den Weg vom Lagerkeller in den Rucksack der Touristen. Angeboten werden hungrigen Gästen vor der Käserei auch Chässchnitten, Chäswürstli und gehobelter Sbrinz mit Brot, Meräng mit Nidle, Joghurt, Milchshakes und mehr.

Erst vor zwei Jahren wurden die Alphütten auf der Frutt ans Strom- und Wassernetz angeschlossen. Das Restaurant Tannalp und die Käserei sind aber schon seit dem Bau am Netz. In der Käserei selbst wird das benötigte Heisswasser – auch die Milchbauern würden das jeweils zum Waschen des Melkgeschirrs hier beziehen – aus einer grossen Holzheizung produziert.
Sbrinz-Käserei in Kerns
Melchsee-Frutt ist ein gut erschlossenes und viel begangenes Wander- und Bikegebiet. Zum Restaurant Tannalp fährt auf der asphaltierten Strecke sogar ein Touristenbähnlein. Von den vielen Touristen profitiere deshalb auch die Käserei, sagt Patrick Bucher.
Noldi Bucher betreibt neben der Alpkäserei auf Tannalp zusätzlich die Molkerei und Käserei Bucher in Kerns Dorf OW; der Betrieb besteht seit 1926. Zehn Monate jährlich wird auch dort vor allem Sbrinz produziert. Während der Alpzeit werde die Produktion aber während rund zwei Monaten mangels Rohstoff eingestellt.

