Toggenburger Landwirtin Miriam Stauffacher: «Mein Hobby ist mein Beruf»

Die 39-jährige Agrotechnikerin bewirtschaftet im Toggenburg einen Milchviehbetrieb und ein Buurebeizli. Ihr ist es wichtig, dass ihre Produkte möglichst vom Betrieb selbst kommen.

Hoch oben thront der Speer mit seiner Felspyramide. Darunter – eingebettet in eine Ebene – liegt der Hof Dergeten mit dem weitherum bekannten Buurebeizli. Der Ort auf 960 m ü. M. in der Bergzone III gehört zur Gemeinde Nesslau SG.

«Hier oben ist es schön ruhig, obwohl die viel befahrene Strasse durchs Tal nur wenige Fahrminuten entfernt ist», sagt Miriam Stauffacher, die das Restaurant und den Betrieb zusammen mit ihrer Mutter Esther führt. An diesem Tag allerdings hat das Beizli geschlossen, die Frauen nutzen die Zeit und das schöne Wetter, um zu heuen. «Jetzt darf es einfach nicht reinregnen», sagt Miriam Stauffacher lachend.

Der Hof mit dem Buurebeizli Dergeten liegt oberhalb von Nesslau auf 960 m ü. M. (Bild: Alexandra Stückelberger)

Nach dem Abschluss ging sie nach Neuseeland

Die Toggenburgerin ist mit vier Schwestern und einem Bruder auf dem Familienbetrieb aufgewachsen. Während die Geschwister andere Berufe gewählt haben, hat sie eine Lehre als Landwirtin EFZ absolviert. «Es gefiel mir schon als Kind, an der frischen Luft und mit Tieren zu arbeiten», erzählt Miriam Stauffacher.

Nach dem Abschluss zog es sie in die Ferne: Sie reiste für ein halbes Jahr nach Neuseeland, um auf einer Farm zu arbeiten. Zurück in der Schweiz, sammelte sie weitere Berufserfahrung als Landwirtin und absolvierte die Agrotechnikerschule am Strickhof, die sie 2011 abschloss. Unternehmensführung, Marketing, Politik und die Meisterprüfung obendrauf: «Das Gesamtpaket dieser Ausbildung hatte mich überzeugt», so die heute 39-Jährige.

Einstieg auf dem elterlichen Betrieb

Eine Zeit lang war sie beim Maschinenring im Büro tätig. «Doch ich habe realisiert, dass ich lieber praktizierende Landwirtin bin», sagt Miriam Stauffacher. Sie war jung und die Möglichkeiten standen ihr offen. «Es hätte mich auch gereizt, wieder nach Neuseeland zurückzukehren.»

Doch schliesslich stieg sie in den elterlichen Betrieb ein. Dass man ein paar weitere Hektaren dazu pachten konnte, habe ihr den Entscheid erleichtert, stellt sie rückblickend fest. Zunächst war sie daheim Angestellte, 2015 folgte die Gründung einer Generationengemeinschaft. 

2023 baute die Familie einen Laufstall. Er ermöglicht die Umstellung auf die muttergebundene Kälberaufzucht. (Bild: Alexandra Stückelberger)

Die Familie hat eine grosse Bedeutung

Seit dem Tod des Vaters im vergangenen Jahr führt Miriam Stauffacher Betrieb und Restaurant zusammen mit ihrer Mutter. Auf den 1. Januar 2027 wird sie den Hof ganz übernehmen. «Die alleinige Verantwortung zu tragen, ist ein grosser Schritt», sagt sie. Jedoch sei es eine Unterstützung, dass die Mutter als Teamleiterin des Buurebeizlis weiterhin eine wichtige Rolle behalten werde. Überhaupt hat die Familie eine grosse Bedeutung: Neben Ehefrau Petra arbeiten auch die Geschwister, die mit einer Ausnahme in der Gegend leben, tatkräftig mit, teils sogar als Festangestellte.

Das Beizli ist ein wichtiges wirtschaftliches Standbein

Früher bewirtschaftete die Familie einen reinen Milchviehbetrieb. Die Gastronomie kam nebenbei dazu: «Vor 20 Jahren fingen wir mit einem Tisch und zwei Bänken an, Wandernde zu bewirtschaften. Daraus entwickelte sich allmählich mehr», erzählt Miriam Stauffacher. Heute bietet das Beizli, das von Mittwoch bis Sonntag geöffnet hat, eine Gaststube sowie ein «Sääli» für je 35 Personen und ist wirtschaftlich ein wichtiges Standbein geworden. Miriam Stauffacher hilft vor allem an den Wochenenden im Service mit. «Das macht mir Spass, ich bin gerne unter Leuten.» 

Bald Umstellung auf muttergebundene Kälberaufzucht

Auch mit dem Erfolg des Buurebeizli stehe die Landwirtschaft im Zentrum, betont Miriam Stauffacher. «Besonders die Tiere liegen mir am Herzen.» Auf dem Hof leben 15 Milchkühe, die zwei Schottischen Hochlandrinder Lucy und Gini, Kälber, einige Legehennen, Schweine und Hasen. Nicht zu vergessen: Hund Gino.

2023 baute die Familie einen Laufstall. Dieser eröffnet neue Möglichkeiten: So möchte Stauffacher demnächst auf muttergebundene Kälberaufzucht umstellen und vielleicht dereinst noch mehr auf Mutterkuhhaltung setzen. 

Im Garten wachsen 46 verschiedene Kräuter. Die Produkte daraus (z. B. Tee) kann man auf dem Hof kaufen.(Bild: Alexandra Stückelberger)

Produkte kommen möglichst vom eigenen Betrieb

Zwar gehe es ihr bei der Übernahme des Betriebs nicht darum, alles umzukrempeln, sagt die Landwirtin. Sie habe grossen Respekt davor, wie solide ihre Eltern den Hof aufgebaut hätten. Dennoch gebe es Aspekte, die sie auf der Basis des heutigen Wissensstandes gerne anders machen würde. «Beispielsweise bin ich davon überzeugt, dass es mit einer standortgerechteren Tierhaltung möglich ist, mehr aus dem betriebseigenen Futter herauszuholen.»

Mehr noch, die Produkte, die der Hof im Angebot hat, sollen, wenn immer möglich, direkt vom Betrieb kommen. So liefern etwa die Schweine Fleisch für einen Teil der Cordon bleus auf der Speisekarte, und im Garten wachsen 46 verschiedene Kräuter, aus denen man unter anderem Tee gewinnt, den die Gäste im Beizli trinken oder zum Mitnehmen kaufen.

Manchmal für ein paar Tage wegfahren

Miriam Stauffacher möchte sich auch über den Betrieb hinaus für die Landwirtschaft einsetzen. Vor einem Jahr wurde sie in den Vorstand des St. Galler Bauernverbandes gewählt. Der Austausch in dem Gremium, aber auch im überregionalen Umfeld, sei spannend, sagt sie. Für Ferien hat sie kaum Zeit, doch sei es ihr wichtig, zwischendurch mit ihrer Frau und der ganzen Familie für zwei bis vier Tage wegzufahren. «Es tönt vielleicht kitschig, aber es ist so: Mein Hobby ist mein Beruf.»

Fünf Fragen an Miriam

Was ist Ihr Lieblingstier? 

Die Kuh – egal, welche Rasse.

Welche Filme schauen Sie sich gerne an?

Am liebsten Serien und Dokus über andere Länder.

Welches ist Ihre Traumdestination? 

Neuseeland. Für ein zweites Mal hat es bisher nicht gereicht.

Worüber lachen Sie?

Ich lache gerne und viel – auch zusammen mit meiner Frau.

Welches ist Ihr Lebensmotto?

«Wenn man etwas mit Freude macht, geht es einfacher.»