Hitzewelle auf dem Hof: Wenn der Stall zur Sauna wird und Vorsicht zur Pflicht

Hitzewellen wie in diesem Sommer setzen nicht nur den Kulturen und dem Vieh zu – auch Bäuerinnen und Bauern selbst geraten beim Arbeiten an ihre Grenzen. Ein Blick auf Warnzeichen, Sofortmassnahmen und was eine aktuelle FAO-WMO-Studie für die Landwirtschaft weltweit bedeutet.

Sechs Uhr morgens, und die Luft steht schon wie eine Wand. Der Melkstand ist stickig, die Kühe drängen sich unruhig an der Tränke, und wer jetzt noch Emd wenden will, hat spätestens um zehn Uhr den Kreislauf im Nacken statt im Griff. So sieht dieser Sommer aus: Tag für Tag über 30 Grad, nachts kaum Abkühlung – eine Hitzewelle, wie sie Meteorologen definieren, und für Bäuerinnen und Bauern längst Alltag ist.

Dass diese Tage nicht nur unangenehm, sondern gefährlich sind, hält jetzt auch Agrisano in einer aktuellen Mitteilung fest. Der Krankenversicherer der Landwirtschaft schreibt: Hitze wirkt sich nicht nur auf die körperliche, sondern auch auf die geistige Leistungsfähigkeit aus. Zwar zählen in erster Linie ältere Menschen, chronisch Kranke, Schwangere und Kleinkinder zur Risikogruppe – doch auch wer draussen oder im Stall arbeitet, müsse an heissen Tagen besonders gut auf seine Flüssigkeitszufuhr achten, so der Versicherer.

Empfohlen wird, regelmässig kleinere Mengen Wasser zu trinken, Pausen im Schatten einzulegen und auf leichte, helle Kleidung zu setzen, die den Schweiss verdunsten lässt.

Wenn der Kreislauf streikt

Was im Körper passiert, ist simpel erklärt und trotzdem tückisch: Um Hitze abzugeben, pumpt das Herz mehr Blut an die Hautoberfläche, gleichzeitig sinkt durch den Schweissverlust das Blutvolumen – das Herz-Kreislauf-System muss also doppelt arbeiten. Kopfschmerzen, Übelkeit, Schwindel und eine hochrote, heisse, trockene Haut: Das sind laut Agrisano die typischen Anzeichen eines Hitzschlags, im schlimmsten Fall kommt Bewusstlosigkeit dazu.

Wer das bei sich oder einem Kollegen beobachtet, sollte nicht zögern, sondern den Rettungsdienst rufen und die betroffene Person im Schatten lagern, flach, aber mit erhöhtem Oberkörper.

Nicht nur der Mensch schwitzt

Dass Hitze längst nicht mehr nur ein Randthema für die Landwirtschaft ist, zeigt der im April 2026 veröffentlichte Bericht «Extreme Heat and Agriculture» der Weltwetterorganisation WMO und der Welternährungsorganisation FAO.

Die beiden Organisationen halten fest, dass Hitzewellen in den letzten fünfzig Jahren spürbar häufiger, länger und intensiver geworden sind. Besonders aufschlussreich für den Stall: Rinder, Ziegen und Schafe geraten laut Bericht ab rund 25 Grad unter Hitzestress, Schweine und Hühner bereits einen Grad früher, weil sie sich nicht durch Schwitzen abkühlen können.

Auch bei Kartoffeln und Gerste zeigen sich Ertragseinbussen schon unterhalb der 30-Grad-Marke, die für Mais, Soja oder Weizen als kritische Schwelle gilt.

Für die Feldarbeit selbst rechnen FAO und WMO vor: In besonders betroffenen Weltregionen wie Südasien, dem tropischen Afrika südlich der Sahara und Teilen Mittel- und Südamerikas könnte die Zahl der Tage, an denen Aussenarbeit schlicht zu gefährlich wird, bis Ende des Jahrhunderts auf bis zu 250 pro Jahr steigen. Für die Schweiz sind das keine 1:1 übertragbaren Zahlen – aber ein Massstab dafür, wie ernst die beiden UNO-Organisationen das Thema Hitze für die Landwirtschaft weltweit nehmen.

Was jetzt hilft

Sport und anstrengende Arbeiten lassen sich, wo immer möglich, in die kühleren Morgen- oder Abendstunden verlegen – nicht zuletzt, weil mit steigenden Temperaturen auch die Ozonwerte zunehmen.

Wer im Stall oder auf dem Feld unterwegs ist, sollte sich das nicht als Schwäche, sondern als Betriebsführung im Kopf notieren: eine Wasserflasche in Griffweite, ein schattiges Eck für die Znünipause, und ein Auge auf die Kolleginnen und Kollegen, die vielleicht zu stolz sind, selbst eine Pause einzufordern.

Weitere Informationen zum Thema Hitze bietet das Bundesamt für Gesundheit unter www.hitzewelle.ch.