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Linda Etterlin über ihren Betrieb: «Wir machen irgendwie alles anders als vorher»

Linda Etterlin hat mit 26 den elterlichen Hof in Hämikon übernommen – und denkt bereits gross: 2000 Bio-Legehühner und Spargeln sollen den Betrieb transformieren.

Anfang des Jahres hat Linda Etterlin den elterlichen Betrieb übernommen. Der Lättacherhof liegt oberhalb von Hämikon und umfasst rund neun Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche, zehn Milchkühe und 100 Hühner. Gemeinsam mit ihrem Partner führt die 26-Jährige den Hof. Dabei hat sie bereits vorgängig einen neuen Betriebszweig aufgebaut und für die Zukunft noch Grosses vor.

«Es braucht eine eigene Stimme für Betriebsleiterinnen»
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Wer übernimmt den Hof?

Dass Linda Etterlin als Einzelkind den Betrieb übernehmen würde, war nicht von Anfang an klar. Gelernt hat sie Malerin EFZ, anschliessend hat sie von 2022 bis 2024 die Bäuerinnenschule absolviert. Erst während dieser Zeit hat sie gemeinsam mit ihren Eltern konkret entschieden, dass sie die Nachfolge antreten wird.

Gewohnt hat sie zu dieser Zeit nicht mehr zu Hause, sondern mit ihrem Partner – einem gelernten Landmaschinenmechaniker und Landwirt EFZ – in Schongau LU. «Ich finde, es kommt auch darauf an, wen man an seiner Seite hat. Mein Partner ist auch auf einem Bauernhof aufgewachsen und kennt das Leben so schon.»

Der Lättacherhof liegt in luzernischen Hämikon.(Bild: Anita Märki)

Grosse Umstellung in der neuen Situation

Obwohl sie nach der Arbeit sowie an den Wochenenden daheim auf dem Betrieb mithalf – insbesondere bei ihren Hühnern schaute – war die Umstellung für Linda Etterlin gross. Der Auszug ihrer Eltern, der Wiedereinzug in ihr Elternhaus sowie die Verantwortung für den gesamten Betrieb bedeuteten einen grossen Einschnitt.

Hinzu kamen die administrativen Aufgaben, strategische Entscheidungen und die Doppelbelastung durch den auswärtigen 80-Prozent-Job und den Betrieb zu Hause. «Es fordert einen schon», fasst die Luzernerin ihre bisherigen Erfahrungen zusammen. Ihre Mutter, die bisher stets auf dem Betrieb arbeitete, ist auch jetzt weiterhin stundenweise bei der Tochter angestellt. Sofern sie nicht auf der Alp ist, ist sie die Allrounderin des Hofes und macht die Arbeiten rund um die Kühe. Denn diese liegen Linda Etterlin weniger – unter anderem deshalb plant sie, den Betrieb umzustellen.

Die Spargeln wurden bereits in Bio-Qualität geordert und im Frühling gepflanzt.(Bild: Anita Märki)

Gemüse zur Direktvermarktung produzieren

Um den Betrieb übernehmen zu können – da waren sich Etterlins einig –, musste der Betrieb genügend Standardarbeitskräfte haben, damit er zum Ertragswert an Linda übertragen werden konnte. So machte sie es sich zur Aufgabe, die Projektarbeit für den Fachausweis als Bäuerin über Spezialkulturen zu schreiben und so die Möglichkeiten auszuloten. Kürbis, Spargeln und Kräuter waren dabei das Thema.

Im Rahmen der Arbeit wurde klar: Kräuter sind zu aufwendig und passen nicht in den Betriebsablauf. Also blieben Kürbis und Spargeln. So wurden im vergangenen Jahr zum ersten Mal 50 Aren Butternusskürbis gesetzt und verkauft.

Aufwendig sei vor allem das Ernten und Waschen, das von Hand gemacht werden müsse, berichtet Linda Etterlin. Da es sich bewährt habe, habe sie heuer nun wieder gesetzt. Dazu kommen seit dem Frühling noch 50 Aren Spargeln. Diese habe sie bereits in Bio-Qualität bestellt, sagt die Luzernerin, denn sie plane, den Betrieb auf diese Produktionsform umzustellen.

Die überschüssigen Eier werden von der Betriebsleiterin zu Teigwaren verarbeitet.(Bild: Anita Märki)

Sie hat Freude an ihren Hühnern

Die Umstellung auf biologische Produktion erfolgt vor allem, weil die Betriebsleiterin noch Grosses vorhat: Gestartet hat sie vor vier Jahren mit 30 Hühnern, heute sind es fast dreimal mehr. Jetzt will Linda Etterlin auf 2000 Tiere aufstocken. Konkret heisst das: Sie plant einen Stall, in dem Bruteier mit Bio-Elterntieren produziert werden. Dazu wird der Rindviehstall um- und angebaut.

«Ich habe richtig Freude an den Hühnern», erklärt die junge Frau. Und offensichtlich hat auch die aktuelle Hühnerschar Freude an ihr. Kaum betritt die Luzernerin den Hühnerauslauf, eilen ihr die Hühner gackernd und flatternd entgegen. Momentan verkauft sie die Eier hauptsächlich im Dorf und am Hof, je in einem kleinen Verkaufshäuschen.

Überschuss verarbeitet die Bäuerin in verschiedene Sorten Eierteigwaren. Dabei verarbeitet sie auch Dinkelmehl, das sie von der Mühle bezieht, in der sie ihren eigenen Dinkel abliefert.

«Die Theorie ist das eine...»

Auf die Frage, warum sie Bäuerin und nicht Landwirtin gelernt hat, meint die Hühnerliebhaberin spontan: «Das frage ich mich auch.» Sie merke schon, dass ihr das Wissen über Tiere und Pflanzenbau fehle. Dann aber krebst sie zurück und erklärt, dass ihr Partner damals schon mit dem Gedanken gespielt habe, noch berufsbegleitend Landwirt zu lernen.

Der Gedanke war, dass sie als Paar mit Wissen aus mehr Bereichen breiter aufgestellt sein würden. «Es ist das eine, die Theorie gelernt zu haben. Sie aber auch anzuwenden, ist nochmal etwas anderes», sagt Etterlin besonders mit Blick auf den betriebswirtschaftlichen und buchhalterischen Teil.

Die Kühe werden weichen müssen, sobald die Baugenehmigung für den Hühnerstall erteilt worden ist.(Bild: Anita Märki)

Wenn nicht jetzt, wann dann?

Die Baugenehmigung und der anschliessende Bau des Hühnerstalls haben für Linda Etterlin aktuell die höchste Priorität. Wobei es neben dem erfolgreichen Fussfassen in der Branche auch ihr Ziel ist, auf dem Betrieb effiziente Arbeitsabläufe zu schaffen und sich professionell einzurichten. Es komme jetzt schon vieles zusammen, erklärt sie, aber dennoch sei die Herausforderung spannend. Und: «Wenn nicht jetzt, wann dann?»

Wenn sie nicht am Malen oder auf dem Betrieb tätig ist, sind Etterlins Hobbys vor allem ihr Garten – wo die Bäuerin besonders vom Gartenbau-Modul profitieren kann – sowie saisonal bedingt die Guggenmusik. Die Macherin resümiert: «Wir machen irgendwie alles anders als vorher, aber es muss uns Freude machen!»

Fünf Fragen

Was möchten Sie gerne besser können?

Mehr Geduld haben.

Wie belohnen Sie sich selbst?

Indem wir auch mal auswärts essen gehen.

Welches Menü gelingt Ihnen immer?

Spaghetti Carbonara aus den eigenen Hofprodukten.

Welche Tätigkeit im Alltag erachten Sie als sinnlos?

Zu viel am Handy sitzen, das ist eine dumme Angewohnheit.

Welches Hilfsmittel würden Sie erfinden, um die Arbeit zu erleichtern?

Einen Roboter, der all die Arbeiten erledigt, die man selbst nicht so gerne macht, oder für die keine Zeit bleibt und die immer herausgeschoben werden.