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Die Familienhilfe der Bäuerinnen und Landfrauen ist nahe bei den Menschen

Eine fremde Person ins Haus zu lassen, kann für viele Menschen zunächst schwierig sein. Eine persönliche Beziehung und damit ein Vertrauensverhältnis aufzubauen ist daher wichtig.

Monika Streit hat nicht nur dank des Schlüssels im Briefkasten Zutritt zu den Häusern ihrer Kundinnen und Kunden. Vor allem ihre vertrauenswürdige, bodenständige und herzliche Art öffnet ihr Türen. Zu Gotthelfs Zeiten half man sich innerhalb der Familie oder der Nachbarschaft, wenn jemand krank wurde oder im Alter Unterstützung benötigte. Heute funktionieren diese Netzwerke oft nicht mehr wie früher. Deshalb gewinnen Angebote wie der Haushaltsservice des Schweizerischen Bäuerinnen- und Landfrauenverbands (SBLV) zunehmend an Bedeutung. Die Kantonalverbände bieten diese Form der Familienhilfe inzwischen fast flächendeckend in der ganzen Schweiz an.

Die Bäuerin Monika Streit aus Veltheim AG kannte den Haushaltsservice bereits aus ihrer Tätigkeit als Bezirkspräsidentin der Aargauer Landfrauen. Immer wieder wurden engagierte Frauen für Einsätze gesucht. Als sie einer arbeitssuchenden Kollegin die Tätigkeit empfahl, kam ihr plötzlich der Gedanke: «Das wäre eigentlich auch etwas für mich.» Die Kinder wurden langsam flügge, auf dem Landwirtschaftsbetrieb wurde sie nicht mehr ständig gebraucht, und ein Zustupf für die Reisekasse war ebenfalls willkommen. Ursprünglich hatte Monika Streit Koch gelernt. In ihren Beruf wollte sie jedoch vor allem wegen der Arbeitszeiten nicht zurückkehren, obwohl ihr die Arbeit im Gastgewerbe nach wie vor sehr gefällt. «Ich möchte jedoch mittags für meine Familie kochen können», erklärt sie.

«lch nehme nur Einsätze an, die zu mir passen.»

Monika Streit zu ihrer Arbeit als Familienhilfe.

Flexible Arbeitszeiten sind ein Vorteil

Inzwischen arbeitet Monika Streit seit mehreren Jahren für den Haushaltsservice und schätzt die vielen Begegnungen und Erfahrungen. Besonders wichtig ist ihr die Flexibilität. «Ich kann meine Arbeitszeiten weitgehend selbst einteilen und nehme nur Einsätze an, die zu mir passen.» Sehr grosse Fensterfronten beispielsweise übernimmt sie prinzipiell nicht. Sollte es zwischenmenschlich einmal nicht stimmen, steht die Vermittlungsstelle hinter den Mitarbeiterinnen. «Ein Anruf genügt», sagt Monika. «Wir dürfen für uns einstehen. Wir müssen nicht jede Arbeit annehmen und uns auch nicht schlecht behandeln lassen.»

Es ist mehr als nur Putzen

Grundsätzlich erfährt Monika für ihre Arbeit viel Wertschätzung. Besonders in Erinnerung geblieben ist ihr ein älteres Ehepaar, bei dem sie zunächst alle zwei Wochen putzen ging. Die Ehefrau wollte ihre Kinder nicht zusätzlich belasten, doch alleine wurde ihr die Hausarbeit zu viel. Der Ehemann war anfangs skeptisch. «Eine fremde Frau im Haus – das braucht es doch nicht», meinte er. Doch nachdem Monika sich vorgestellt und von ihrer Familie sowie dem Hof erzählt hatte, waren die Vorbehalte schnell verflogen. Bei jedem Besuch wurde sie zunächst auf das Ofenbänkli gebeten, um bei einem Gespräch Neuigkeiten auszutauschen. Mit der Zeit kam sie wöchentlich vorbei. Als sich der Gesundheitszustand der Ehefrau verschlechterte und sie pflegebedürftig wurde, engagierte die Familie eine Betreuungskraft aus dem Ausland. Um die Kosten tragen zu können, musste sie schweren Herzens auf Monika Streits Unterstützung verzichten.

Doch die neue Lösung funktionierte nicht wie erhofft. Einige Monate später war sich die Familie einig: «Frau Streit soll wiederkommen – hoffentlich nimmt sie es uns nicht übel.» Monika hatte Verständnis für die Situation. Auch nach dem Tod der Ehefrau betreute sie den Haushalt weiter. Eines Tages bekam sie  einen Anruf von einer der Töchter, die ihr anvertraute, dass der Vater sie eigentlich gerne duzen würde, sich aber nicht traue zu fragen. Mit ihrer unkomplizierten Art machte Monika ihm diesen Wunsch leicht. Im Laufe der Jahre wurde sie zu einer wichtigen Bezugsperson für die Familie. Als der Mann starb, bot sie an, noch einmal gründlich zu putzen, damit die Angehörigen in Ruhe Abschied nehmen und die notwendigen Entscheidungen treffen konnten.

Vertrauen muss die Grundlage sein

Aus eigener Erfahrung weiss Monika, wie schwer es sein kann, eine fremde Person ins Haus zu lassen. Nach einem Achillessehnenriss war sie selbst auf Unterstützung angewiesen. «Man gibt jemandem Einblick in die privatesten Bereiche seines Zuhauses – ins Schlafzimmer, unter das Bett oder ins Badezimmer», sagt sie. Manche Kundinnen und Kunden hätten grosse Mühe damit und würden noch schnell das Gröbste erledigen, bevor sie kämen. Andere nähmen es ganz entspannt und liessen alles so, wie es gerade sei.

«Wir sind ständig auf der Suche nach engagierten Frauen.»

Yvonne Heggli, Vermittlerin des Haushaltsservice der Aargauer Landfrauen

Besonders schätzt Monika die persönlichen Gespräche. Es gibt aber auch Einsätze, bei denen sie niemanden antrifft und mit dem hinterlegten Schlüssel die Haustür öffnet. «Das Vertrauen ist enorm. Und ich würde dieses Vertrauen niemals missbrauchen», betont sie. Schmunzelnd erinnert sie sich an ein Ehepaar, das sie fragte, ob sie weiterhin kommen würde, wenn sie sich einen Hund anschafften. «Sie hätten ihren Wunsch tatsächlich noch einmal überdacht, wenn ich Nein gesagt hätte», erzählt sie lachend.

Persönliche Beziehungen sind erwünscht

Während in vielen Organisationen darauf geachtet wird, dass zwischen Betreuenden und Kundschaft keine allzu engen Beziehungen entstehen, ist dies beim Haushaltsservice anders. «Der regelmässige Kontakt und das Vertrauen, das daraus wächst, werden ausdrücklich geschätzt», sagt Monika Streit. Ebenso schätzt sie die Unterstützung durch die Vermittlung und den Vorstand. «Wir können unsere Aufträge auswählen, dürfen ohne schlechtes Gewissen Nein sagen und werden ernst genommen, wenn es Schwierigkeiten gibt.» Einmal jährlich findet eine Weiterbildung statt. Zudem erhalten die Mitarbeiterinnen ein Geschenk, bei gutem Geschäftsgang sogar einen Bonus und ein gemeinsames Weihnachtsessen. Im Kanton Aargau sind inzwischen rund 100 Frauen für den Haushaltsservice tätig.

Die Nachfrage ist grösser als Angebot

Feste Stellenprozente kann der Haushaltsservice allerdings nicht anbieten. Die Frauen arbeiten stundenweise. Es sind Landfrauen, Familienfrauen, die sich etwas dazuverdienen möchten. «Die Nachfrage nach Einsätzen ist grösser, als wir abdecken können», erklärt Vermittlerin Yvonne Heggli. «Wir sind ständig auf der Suche nach engagierten Frauen, die Freude an Haushaltsarbeiten haben. Zum Einsatzgebiet gehören je nach Auftrag nicht nur Reinigungsarbeiten, sondern auch Autofahrten, Kochen oder Gartenarbeiten. Pflegeleistungen hingegen dürfen und können die Mitarbeiterinnen nicht anbieten. Dafür sind andere Organisationen zuständig», betont sie.

So bleibt der Haushaltsservice das, was er sein will: eine unkomplizierte, menschliche Unterstützung im Alltag – nah bei den Menschen und getragen von gegenseitigem Vertrauen.

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