Wenn aus einer Arbeit mit Fünftklässlern ein Vorlesebuch mit 500 gedruckten Exemplaren entsteht, muss eine umtriebige Person dahinterstecken. Und das ist Christine Bieri. Sie ist Mutter, Primarlehrerin im Bernischen Eggiwil , ausgebildete Bäuerin, hat einige Zeit für den Regionalbund Nordwestschweiz, Bern und Freiburg der BauernZeitung gearbeitet und ist neu Autorin. Schreiben zieht sich durch ihr Leben. Von Eltern und Grosseltern hat sie vorgelebt bekommen, dass Schreiben etwas Schönes ist. «Ich habe durch das Schreiben eine Möglichkeit zur Ruhe zu kommen und Gedanken zu ordnen oder eben auch einfach kreativ tätig zu sein», erklärt sie.

Ein Buch stand nicht auf dem Plan

Und nun ist ihr Erstlingswerk «Die Lichterkette» erschienen, ein Vorlesebuch mit Tieren für die Advents- und Weihnachtszeit. Geplant war dies nicht. Vor drei Jahren vergab sie in der Schule den Auftrag Weihnachtsgeschichten zu schreiben. Die Fünftklässlerinnen gaben sich Mühe und ihre Lehrerin wollte ebenfalls eine Geschichte zum Büchlein beisteuern, das die Lernenden auch selbst gebunden haben. Diese Geschichte von Christine Bieri war die Rohfassung ihres Erstlings, der am 8. November bei der Hermann Druckerei, Langnau i. E., erschienen ist.

Aufgeben ist keine Option

Ihren eigenen Kindern gefiel die Geschichte. Bis dann der Entschluss fiel, die Geschichte zu veröffentlichen, verging einige Zeit. Der Blog «die-frau-vom-lande.ch», den sie nebenbei betreibt, hat Christine Bieri Sicherheit gegeben, um sagen zu können: «Ich wage es.» Die Suche nach einem Verlag gestaltete sich jedoch schwierig. Aufgeben gibt es bei ihr aber nicht, und so holte sie schliesslich im Herbst 2020 eine Offerte ein, um das Buch ohne Verlag im Rücken zu produzieren. Die Druckerei nahm dann unerwartet «Die Lichterkette» in ihr Verlagsprogramm auf. Die Autorin trägt zwar die Kosten für den Druck selbst, die Druckerei hilft jedoch bei der Vermarktung. Ein spannender Prozess sei es gewesen, erzählt die Autorin, die auch die Illustrationen selbst angefertigt hat. «Ich weiss jetzt, wie viel Aufwand hinter so einem Büchlein steckt», erzählt sie und atmet tief durch.

Umzug von Bonstetten ins Emmental fiel leicht

Die BauernZeitung hat Christine Bieri auf dem Hof, den sie mit ihrem Ehemann Jürg, den beiden Buben Lorenz (8) und Adrian (6) sowie den Schwiegereltern bewohnt, kurz vor Erscheinen des Werks, in den weitläufigen Hügeln des Emmentals auf Gemeindegebiet von Eggiwil besucht. Durch das Buch ziehen sich zahlreiche Tierspuren. Etwas, das vom Leben der Autorin zeugt, da im Winter viele Spuren rund ums Haus zu sehen sind. So schön die Gegend für eine Flachlandindianerin wie die Schreibende auch wirkt, so schwierig ist wohl ein Umzug dahin für eine junge Frau aus der Agglomeration von Zürich, genauer aus Bonstetten. Darauf angesprochen verneint die Bauerntochter. Sie habe damals die Bäuerinnenschule absolviert, sei in Aufbruchsstimmung und euphorisch gewesen, das Gelernte nun anwenden zu können, etwa im eigenen Garten. Die grösste Umstellung sei der weit entfernte öffentliche Verkehr gewesen, erinnert sie sich und lacht.

Die Unsicherheit vor der Buchpräsentation ist da

Bei Christine Bieri macht sich beim Gespräch leichte Nervosität über die bevorstehende Buchvorstellung in der Bibliothek Eggiwil bemerkbar. Da die Geschichte ursprünglich für eine Eggiwiler Klasse geschrieben wurde, war es der Autorin wichtig, das Buch auch in Eggiwil zupräsentieren. «Ich freue mich darauf, es ist aber irgendwie unwirklich», gesteht sie. Auch weiss sie nicht, wie viele Personen anwesend sein werden. «Wieder begebe ich mich ins kalte Wasser», erklärt sie, wie sie das bereits beim Thema Wolf im vergangenen Jahr getan habe.

Sie will Informationen, wie der Wolf tickt, wie mit ihm umgehen ist

Das Raubtier zeigte sich in der Umgebung und löste zahlreiche, emotionale Diskussionen aus. Christine Bieri wollte differenzierter an das Thema herangehen. Sie organisierte in Eigenregie einen Infoabend und moderierte diesen auch gleich selbst, ohne jegliche Vorkenntnisse. «Ich wollte keine Angst haben vor dem Tier. Ich wollte Infos, wie wir mit dessen Anwesenheit umgehen müssen, wie der Wolf funktioniert, wie das Zuhause mit den eigenen Tieren geschützt werde, damit es der Wolf nicht attraktiv findet, wovor es gelte Respekt zu haben und was Märchen sind.» Diese Infos müssen für alle zugänglich sein, so der Wunsch der Bäuerin.

Das Wissen macht ruhiger

Der Abend, bei dem das Jagdinspektorat, der Berater für Herdenschutz des Inforama und eine Wildhüterin aus dem Kanton Graubünden sprachen, sei gut gewesen. «Ich bin seither ruhiger geworden», erzählt sie, auch wenn sie aufgrund von Spuren vermutet, dass der Wolf schon direkt neben ihrem Haus vorbeiging. Bei der Infoveranstaltung habe sie als Moderatorin stark darauf gepocht, dass bei der Fragerunde nicht einfach ein Schlagabtausch entstand, was ihr auch gelungen sei, erzählt sie stolz.

Die Kindheit hat stark geprägt

Woher aber kommt dieser Einsatz, was treibt den Motor der 34-Jährigen an? Vieles ist sicherlich auf die Kindheit zurückzuführen, weiss Christine Bieri: «In unserer Familie ist einfach etwas Umtriebiges drin.» Bereits als Kind und als einziges Bauernkind in ihrem Jahrgang sei sie immer exponiert gewesen. Ihre Eltern sind immer innovativ, aktiv, und kämpfen an vorderster Front. «Wir waren immer irgendwie in Auseinandersetzungen verwickelt, um Milchpreis, Golfplatz, oder auch die N4», erinnert sich Christine Bieri. Und: «Meine Eltern haben vorgelebt, wenn man etwas sieht, wo es wichtig erscheint, dass etwas gemacht wird, dass man dann auch wirklich etwas tut oder zumindest versucht jemanden zu motivieren etwas zu tun.» Und nach diesem Motto geht Christine Bieri mit Erfolg durchs Leben.

Das Buch (ISBN 978-3-907229-25-5) kann unter www.emmentalshop.ch oder im Buchhandel bezogen werden.

 

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