Seit 1994 bietet Familie Gassmann vom Betrieb Stross in Hildisrieden LU jeweils am 1. August den Brunch auf dem Bauernhof an, fast seit es dieses Angebot in der ganzen Schweiz gibt. «Eigentlich aus Idealismus und der Lust, etwas Neues zu wagen, und weil die Bauern von ihrem Dachverband dazu aufgerufen wurden, doch mitzumachen», sagt Bäuerin Marianne Gassmann. Anfänglich wurden lediglich 70 Gäste in einer Maschinenhalle bewirtet. In den Folgejahren wuchs die Zahl – nun sind es 450 Leute. «Es waren auch schon über 550 Gäste, aber das waren zu viele.»

Die Maschinenhalle bietet längst nicht mehr genügend Platz,ein bestehendes Zelt wird verlängert, und auch unter freiem Himmel werden weitere Gäste betreut. Schon bei den Vorbereitungen hilft ein bewährtes freiwilliges Helferteam.
«Da genügte ein Aufruf im Helfer-Chat und es kamen am Montagabend genügend Leute, um beim Zelt- und Tischaufstellen zu helfen», freut sich Armin Gassmann.nsgesamt besteht das Team aus 27 Leuten, von denen viele schon sehr langjährig dabei und entsprechend erfahren sind.
«Meist melden sich die Helfer nach dem Brunch gleich wieder für das nächste Jahr an, das ist unsere Motivation, weiterzumachen. Zudem haben wir immer ein gutes Fest untereinander.» Inzwischen sei sehr vieles eingespielt, eine grosse Checkliste brauche es nicht mehr.
Marianne Gassmann listet aber die Verbräuche auf als Vorgabe für das Folgejahr. Resten gebe es beim reichhaltigen Buffet kaum, und auch das Wetter habe wenig Einfluss auf den Hunger der Gäste. «Und wenn einige Platten am Nachmittag nicht leer sind, geniessen wir die bis zum Abend mit unseren Helfenden.»
Fleisch von den eigenen Schweinen
40 Franken kostet der Brunch bei Gassmanns seit Jahren, und dabei soll es bleiben. Früher sei er schlicht zu günstig angeboten worden – die Kosten und der Aufwand seien zu wenig berücksichtigt worden. «Viele Anbieter trauten sich nicht, faire Preise zu verlangen», sagt Marianne Gassmann. Dabei sei der Preis bei den Gästen nie ein Thema gewesen.

Das Angebot beim Brunch ist reichhaltig und regional. 80 kg Rösti werden geraspelt geliefert und frisch zubereitet. Speck mit Spiegelei, Fleisch- und Käseplatten, Birchermüesli, Brote, Konfi, vegetarischer Brotaufstrich, Milchshakes, Gemüsedips, Wähen, Cremen, später Bratwürste, Cervelat, Fleischkäse und vieles mehr listet Marianne Gassmann auf. Und Armin ergänzt, dass für das Fleisch extra drei eigene Schweine geschlachtet wurden. Weil vieles selbst zubereitet wird, sei der Aufwand dafür gross. «Am Donnerstag und Freitag sind je bis neun Helfende damit beschäftigt, die Platten herzurichten.»
Die behördlichen Auflagen würden zwar laufend verschärft und seien dieses Jahr insbesondere beim Brandschutz und bei der Sicherheit nochmals strenger, liessen sich aber gut bewältigen. Wichtig sei, auf Kühlung und Hygiene zu achten. Die Kühlwagen und der bestehende Partyraum, mit Küche und Abwaschstrasse seien logistisch ein grosser Vorteil. Und als ehemalige Charcuterie-Verkäuferin weiss Marianne Gassmann, worauf zu achten sei, wenn Lebensmittel angeboten werden.
Viele Gäste wollen nur gut essen
Auf persönliche Betreuung der Gäste wird Wert gelegt, und für alle wird ein Platz reserviert, damit auch Sitzwünsche berücksichtigt werden können. «Der erfahrene Platzzuteiler hat eine grosse Verantwortung und ist auch der Problemlöser», sagt Armin Gassmann. Ausgebucht ist der Brunch bei Gassmanns, wie übrigens vielerorts, schon seit einigen Wochen. Trotzdem sei man noch flexibel.

Die Gästeschar sei sehr heterogen. Einige kämen teils von weit her. Viele seien nur am Essen interessiert und an einem geselligen Aufenthalt auf einem Bauernhof. Wenige möchten auch mehr über die Landwirtschaft erfahren. «Da darf man aber keine zu hohen Erwartungen haben.» Viele Familien würden jährlich einen anderen Brunch besuchen, Stammkunden über viele Jahre seien wohl nur ein Viertel.
Betriebsführung für den Bundesrat
Betriebsführungen bieten Gassmanns nicht an, die seien auch kaum gefragt. Das sei wohl auf Höfen mit Direktvermarktung oder Agrotourismus bedeutender. Hingegen wird auf Informationstafeln über den Betrieb, die Tiere und die Landwirtschaft orientiert. Eine Ausnahme gebe es dieses Jahr, sagt Armin Gassmann.
Für Bundespräsident Guy Parmelin und einige weitere Interessierte habe er eine persönliche Besichtigung des Stalles und des Hofes vorgesehen. Für den hohen Besuch seien sie erst vor ein paar Wochen angefragt worden, sagten aber spontan zu. «Etwas nervös sind wir zwar schon.» Eine spezielle Vorbereitung brauche es nicht, die Polizei kläre aber die örtliche Situation und Sicherheit. Grundsätzlich wolle sich der Bundesrat mit seinen Gästen aus Politik und Verbänden unters Volk mischen und stehe auch für Gespräche zur Verfügung. «Das soll aber kein Politanlass sein.»
Der Betrieb Stross
Familie Gassmann bewirtschaftet knapp 12 ha Land und 3 ha Wald, wovon rund 80 Aren Biotope sind. Auf dem Land wachsen rund 1,5 ha Grünmais, der Rest ist Grünland. Im Stall stehen 20 Kühe, gemolken werden rund 150 000 kg silofreie Milch, die in der Käserei in Hämikon LU verarbeitet wird.
Im Rahmen einer arbeitsteiligen Ferkelproduktion (AFP) werden rund 20 Sauen zum Abferkeln gehalten. Auf dem Scheunendach liefert eine 30-kWp-Anlage Strom, vor allem für den Eigengebrauch. Seit 25 Jahren wird auf dem Betrieb auch ein Partyraum vermietet, rund 30 Mal jährlich. Aber das sei rückläufig, Werbung machen Gassmanns dafür keine mehr.
Armin Gassmann arbeitet 60 Prozent im Nebenerwerb beim Getränkehandel Schürch in Rothenburg. «Ich verlasse das Haus um halb sieben Uhr morgens, Marianne besorgt dann die Schweine und schaut zum Betrieb.» Gassmanns haben vier erwachsene Kinder. Sohn Sebastian, gelernter Landwirt, der den Hof voraussichtlich 2028 übernehmen wird, arbeitet vollzeit bei der Bürli Trocknungsanlage AG in Alberswil, hilft den ganzen Sommer über auf dem Betrieb mit.

