Martin Synacek lebt eingebettet in der Natur, mit viel Ruhe und Weitblick. Er ist Maler und vielen sind wahrscheinlich seine Bilderausstellungen in der Chüeli-Bar an der Olma ein Begriff. Auch sein Chüeli-Kalender, den er seit 15 Jahren herausgibt, schmückt wohl manche Wand. «In einem Teil meines Schaffens spiele ich mit dem Thema ‹Kühe und Bauer› angereichert mit all dem, was das Leben so bietet», erklärt der Künstler.

Erste Kuh in freier Wildbahn in Basel

Martin Synacek ist in Prag, der Hauptstadt Tschechiens, aufgewachsen. «Bis zu meinem siebten Lebensjahr sah ich kaum Kühe.» Seine ersten Lebensjahre verbrachte er in der Obhut von Verwandten und Bekannten, denn seine Mutter, Primaballerina des Tschechischen Nationaltheaters, war mit kurzen Unterbrüchen rund sechs Jahre auf Welttournee. Ihre Kompanie bekam anfangs der 1970er-Jahre vom Theater Basel einen Zweijahresvertrag angeboten. «Sie fragte mich, ob ich mit ihr in die Schweiz ziehen wolle.» Natürlich wollte er. Endlich bei der Mama sein, das war sein grösster Wunsch.

Mit einem Fiat 850 und wenigen Habseligkeiten fuhren Mutter und Sohn in die Schweiz. Der Beginn im neuen Zuhause war alles andere als einfach. «Ich verstand kein Wort.» In der nahen Umgebung von Basel sah Klein Martin zum ersten Mal Kühe in der freien Wildbahn. Fortan sollten sie ihn in seiner Bilderwelt begleiten. Er zeichnete sie in allen erdenklichen Varianten: Sie tanzten, zogen riesige Käselaibe und eine Zeit lang sogar römische Streitwagen. «Ein gewisser Hang zum Übertriebenen und Theatralischen war mir inne.» 

Die Kuh steht für Mutter und Weiblichkeit

Schaut man sich die Bilder von Martin Synacek genauer an, merkt man schnell, dass es nicht in erster Linie um Kühe und Bauern geht: «Essenziell in meinen Bildern sind die Themen Menschlichkeit, Dankbarkeit und Liebe.» Er malt nicht realitätsgetreu, sondern drückt Gefühle aus. «Bei mir steht die Kuh als Symbol für Mutter und Weiblichkeit.» Auf den ersten Blick erscheinen einige seiner Bilder vielleicht sogar etwas banal: Eine Viehschauszene zum Beispiel, bei der zwei Bauern eine Kuh begutachten. Erst auf den zweiten Blick sieht man die kleinen Details. Dass nämlich die Kuh einen roten Kopf bekommt, weil ihr die zwei Männer gar etwas unverschämt aufs Euter starren.

Auf seinem Lebens- und Schaffensweg wurde Martin ­Syancek vom St. Galler Kunstmaler Josef Eggler begleitet. Vom zwölften Lebensjahr an war dieser sein Pflegevater und er vermittelte ihm die Grundlagen des Malerhandwerks, wie Bildgestaltung, Farbkomposition und das perspektivische Zeichnen. «Von Kindsbeinen an habe ich gerne gezeichnet. Ich habe wohl versucht, mir in meinen Bildern ein Zuhause zu geben», erzählt Martin Synacek. Bis zu Josef Egglers Tod 2009 verband die beiden Männer eine enge Freundschaft.

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Der Senn ähnelt seinem Künstler

Bei Martin Synaceks Bauer fragt man sich, wie viel vom Künstler in dieser Figur steckt. «Die zwei werden sich in der Tat über die Jahre immer ähnlicher», gibt er scherzend zu. Beide sind von hagerer Gestalt und haben einen freundlichen Gesichtsausdruck, der gezeichnet ist vom Leben. «Der Senn geht barfuss, um mit der Mutter Erde in Verbindung zu sein. Er liebt alle Lebewesen und lebt mit ihnen, ohne sie auszubeuten.» Der Bauer ist zudem lebenslustig: Er spielt, singt, versucht mit allem, was ihm das Leben bietet, in Einklang zu kommen. Und er tanzt gerne, wie Martin Synacek übrigens auch. «Ich selber hatte und habe ein starkes Verlangen, das Leben zu spüren.»

Er gehe nicht mehr oft von zu Hause weg, meint Martin Synacek. «Ich habe hier ein Paradies. Es gäbe sicher noch unendlich viele andere, wunderschöne Orte – nur, ich möchte nicht überall sein.» Zuvor habe er rund 20 Jahre lang ein fantastisches Atelier am Rande der Stadt St. Gallen benutzen dürfen. «Ich hätte nie gedacht, dass ich dort wegziehen würde», meint er. Dass er es trotzdem tat, hat unter anderem folgenden Grund: «Vor drei Jahren ist meine Mutter, Marta Synackova-Eggler, in ihrem Lebenszyklus weitergereist. Ihre nahezu letzten Worte waren: ‹Ich hatte noch so viele Pläne.›» Durch diese Worte ist Martin Synacek klar geworden, dass es nun an der Zeit war, alle Ängste abzulegen und mit seiner Vorstellung von Leben zu beginnen. Einem Leben, das erfüllt ist von der Dankbarkeit gegenüber der Schöpfung.

Der Chüeli-Kalender von Martin Synacek

Martin Synacek zaubert mit seinen Bildern viel Farbe in den Alltag und bringt einen auf ganz subtile Art zum Schmunzeln: Sein Senn und seine Kühe lieben das Leben und leben es in vollen Zügen. Im Januar gehen sie zum Bespiel zur Wahrsagerin, im Mai tanzen sie mit Trachtenfrauen einen Reigen und im September brettern sie auf dem Skateboard die alte Gotthardstrasse, die Tremola, hinunter. Verkaufen tut der Künstler seine Werke ausschliesslich selber.

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Weitere Informationen: www.synacek.ch

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