Nachdem Anneliese Strehler aus gesundheitlichen Gründen kürzertreten musste, übernahmen vor einigen Jahren ihre beiden Töchter und ihr Mann Ueli die 14-tägliche Eierauslieferung für Aadorf und Wängi im Kanton Thurgau. Für Frauenfeld wurde eine Eier-Frau angestellt. «Bevor ich es mir eingestehen konnte, dass es an der Zeit ist, etwas kürzer zu treten, sei es für Eier-Touren, dem Garten und dem Backen von Broten und Zöpfen für Kunden, dauerte es eine Weile», meint die Bäuerin. «So ein Entscheid muss erst allmählich reifen und auch den Kopf erreichen», fährt sie fort.
Ist gerne Grossmutter
Anneliese Strehler liebt ihre neue Rolle als Grossmutter: Dienstag und Freitag sind fest eingeplante Enkeltage. Ihre Schwiegertochter, die zwei Kinder hat, arbeitet an diesen Tagen auswärts. Die beiden anderen Enkel, die Knaben ihrer älteren Tochter, die in Frauenfeld wohnen, kommen gerne auf den Bauernhof. Für sie ist es ein Erlebnishof. «Nebst der Enkelbetreuung wird es mir nicht langweilig. Ich führe die Buchhaltung und Administration des Betriebs, erstelle Lieferscheine und Statistiken und bin nach wie vor in die Direktvermarktung involviert.»

Ihr Mann übernahm 1981, nach dem Tod seines Vaters, den Betrieb im thurgauischen Guntershausen. 1991 wurde der Stall ausgesiedelt und 2002 das neue Wohnhaus erstellt. Anneliese und Ueli Strehler bewirtschaften einen mittleren Betrieb mit Legehennen, Milchwirtschaft, Kälbermast und Ackerbau für die eigene Futtergewinnung. Die Aufzuchttiere gehen in den Aufzuchtvertrag. Das Ehepaar führt den Hof seit 2006 als Generationengemeinschaft mit ihrem ältesten Sohn Christian. Seit 2019 beschäftigen sie zu 100 Prozent einen Mitarbeiter. «Seit 2014 haben wir einen Melkroboter. Als ich mit Anfang 40 die Bäuerinnenschule am Strickhof besuchte und erstmals davon hörte, hatte ich Vorurteile gegenüber der Technologie.» Sie hätte jedoch bald deren Vorzüge, z. B. zeitliche Flexibilität, erkannt.
Eierverkauf per Kühlschrank
Anneliese Strehlers zweiter Sohn ist in der Eventbranche tätig, die beiden Töchter im Dienstleistungssektor. «Als unsere Kinder noch klein waren, bevölkerten etliche Kleintiere den Hof. Wir hatten eine zeitlang bis zu 16 Kleintierarten. Die Tiere durften bis an ihr Lebensende bleiben. Wir haben allerdings nicht nachgezüchtet.»
Familie Strehler ist bekannt für ihre Eier ab Hof. Sie verkaufen diese auch im Dorfmarkt Guntershausen. So wird die Bäuerin gelegentlich darauf angesprochen, ob sie wieder einen Kühlschrank mit Selbstbedienung aufstellt. «Einen solchen hatten wir eine Weile aufgestellt. Weil Diebstähle vorkamen, stellten wir dieses Angebot ein. Wenn mein Mann und ich nächstes Jahr im Dorf wohnen, bieten wir den Direktverkauf im Kühlschrank eventuell wieder an.»
Eier-Tour in bester Erinnerung
Ihre Eier-Touren sind Anneliese Strehler in bester Erinnerung. Es ergaben sich gute Kontakte und eine treue Kundschaft: «Die meisten Kunden waren sehr umgänglich. Eine zeitlang backte ich Bauernbrot und Zöpfe und nahm sie auf die Touren mit. In ländlichen Regionen backen jedoch viele Haushalte selbst, sodass es sich für mich auf Dauer nicht rentierte, zusätzlich Backwaren anzubieten», meint die Bäuerin rückblickend.
Anneliese Strehler wuchs in Aarberg zusammen mit einem Bruder in einem nichtbäuerlichen Umfeld auf. Als Jugendliche half sie auf einem benachbarten Bauernbetrieb bei der Kartoffel- und Apfelernte mit. Grossen Gefallen habe sie schon damals an Kühen und Kälbern gefunden. Sie erlernte zunächst den Beruf der kaufmännischen Angestellten. Nach Aufenthalten in Genf und England zog sie mit ihrem ersten Ehemann 1978 in die Ostschweiz. «Der Thurgau wurde meine Heimat, meine Berner Wurzeln habe ich jedoch nie vergessen. So bin ich, seitdem ich hier lebe, Mitglied im Berner Verein Aadorf und Umgebung und wirkte jahrelang in der Theatergruppe mit.»
Hobbys sind wichtig
«Auch für unseren Betrieb steht viel auf dem Spiel.»
Anneliese Strehler zu den Pflanzenschutz-Initiativen
1996 heiratete sie Ueli Strehler, 1997 bekam das Paar eine Tochter. Nun haben sie die Hofübergabe mit Sohn Christian geplant: Bis Ueli pensioniert wird, dauert es noch einige Jahre. Wenn Anneliese Strehler mit ihm im nächsten Winter ins Stöckli, sein Elternhaus, direkt ins Dorf zieht, werden sie vermutlich den Hühnerbestand etwas reduzieren, die Hühnerhaltung jedoch nicht aufgeben.
Hobbys, als Ausgleich zum Arbeitsalltag, sind Anneliese Strehler wichtig: So ist sie seit der Gründung des Aadorfer Gospelchors «Yes» im Jahr 2015 dabei. Ebenfalls wichtig ist ihr die Mitgliedschaft im örtlichen Landfrauenverein. Begeistert zeigt sie ein Handyfoto einer Aktion ihrer Landfrauenkolleginnen, die mittels Holzhüttchen und -figuren auf die Pflanzenschutz-Initiativen aufmerksam machen. «Wir verfolgen die Kampagnen im Vorfeld. Unserer Familie ist bewusst, dass auch für unseren Betrieb viel auf dem Spiel steht.»

